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12 Years A Slave: Brutal-realistisches Sklavendrama

Steve McQueen-Inszenierung ist nur schwer anzusehen - und ein großer Oscar-Favorit

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Würdevoll trotz entwürdigender Umstände, menschlich auch angesichts eines unmenschlichen Schicksals: Wie Regisseur Steve McQueen in "12 Years a Slave" die Geschichte des Solomon Northup, der 1841 für zwölf Jahre in die Sklaverei verschleppt wurde, inszeniert, ist packend, ergreifend, brutal und nur schwer anzusehen. Und völlig verdient bereits mit dem ersten Award, dem Golden Globe für den besten Film ausgezeichnet worden.

McQueen zeigt Northup zu Beginn im Kreise seiner Familie. Er ist Violonist, ein respektiertes Mitglied der Gesellschaft im amerikanischen Norden - bis er von zwei Showveranstaltern in eine Falle gelockt, angekettet und in den Süden verfrachtet wird. Dort wird er als Sklave verkauft und verbringt Jahre der Demütigung, der Arbeit und des willkürlich zugefügten Leids. Dass er seine Familie wieder sehen wird, daran vermag er kaum mehr zu glauben.

Herzergreifender Ejiofor

Solomons Aufbegehren führt stets zu Peitschenhieben, tagelang hängt er aufgehängt an einem Baum. Trifft er auf der ersten Plantage noch auf einen vergleichsweise kultivierten Mann (Benedict Cumberbatch), wird er auf der zweiten Plantage vom grausamen Säufer Epps (Michael Fassbender) brutal gemaßregelt. Chiwetel Ejiofor liefert in der Hauptrolle eine peinigend herzergreifende Leistung, in seinen Augen spiegelt sich zu Beginn der Unglaube, später die noch nicht aufgegebene Hoffnung.

Neben Ejiofor beeindrucken auch Fassbender, der schon bei Steve McQueens vorherigen Filmen brillierte, und Lupita Nyong'o als Sklavin Patsy in ihren Rollen. Im Gegensatz zu den ausgeprägten Formalismen im IRA-Drama "Hunger" oder im Sexsucht-Film "Shame" setzt der aus der Kunst kommende McQueen diesmal auf eine realistische Darstellung der Ereignisse, im Breitwandformat und mit vergleichsweise zurückgenommener Filmmusik von Hans Zimmer.

Autobiografisches Werk als Basis

"12 Years a Slave" basiert auf dem gleichnamigen autobiografischen Werk von Northup aus dem Jahr 1853 und wurde für knapp 20 Millionen Dollar nahe der Originalschauplätze in New Orleans gedreht. Er habe das Gefühl gehabt "mit Geistern zu tanzen", formulierte es Ejiofor, der in diesem Epos über die menschliche Belastbarkeit immer wieder selbst an seine Grenzen ging. Produziert wurde der Film u.a. von Brad Pitt, der auch eine kleine Rolle als Sklavereigegner übernahm.

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Schwer für Zukunftswerke

Als McQueen mit dem Dreh begann, näherte sich vor Ort Quentin Tarantinos Dreh von "Django Unchained" gerade dem Ende. Er hoffe, es könne mehr Filme über Sklaverei geben, habe Tarantino ihm damals gesagt, erzählte McQueen in einem Interview. Natürlich, habe er geantwortet, es gebe ja auch nicht nur einen Western. Nach "12 Years a Slave" könnte es dennoch schwierig werden, denn an diesem Film wird in Zukunft wohl jedes künftige Werk über die Zeit der Sklaverei gemessen werden.

Oscar-Geschichte?

Seit der Uraufführung des Films beim Festival in Toronto, wo er den Publikumspreis gewann, wurde "12 Years a Slave" für zahlreiche Preise nominiert. Der Golden Globe ist bereits eingeheimst, ein Oscar könnte nun folgen. McQueen könnte bei den Oscars Geschichte schreiben: Es wäre die erste Regie-Trophäe und der erste "beste Film" für einen schwarzen Regisseur. Beide wären völlig verdient.

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