12 Jahre im Koma
bei vollem Bewusstsein

Gefangen im eigenen Körper: Mann hörte und sah alles um sich herum

von Im Koma © Bild: Thinkstock

Martin Pistorius war zwölf Jahre alt, als er schwer erkrankte. Er bekam Schmerzen, schlief mehrere Stunden pro Tag und konnte nicht mehr normal gehen. Seine Stimme gab den Geist auf und auch sein Körper war nach und nach gelähmt. Zahlreiche Untersuchungen brachten keine Diagnose. Die Ärzte vermuteten, dass es sich um eine Kryptokokken-Meningitis und Tuberkulose handelte. Doch wirklich sicher waren sie sich nicht, was den vegetativen Zustand des Teenagers
ausgelöst hatte.

Hoffnungslose Prognose

Sie gaben ihm noch maximal zwei Jahre zu leben. Untertags wurde er in einer Pflegeeinrichtung untergebracht, die Nächte verbrachte er in seinem Elternhaus. Die zwei Jahre vergingen, doch Martin überlebte. Sein Zustand war jedoch alles andere als lebenswert. Nach außen hin wirkte es so, als würde einfach der Körper am Leben festhalten, doch von dem fröhlichen Wesen des südafrikanischen Jungen war anscheinend nichts mehr da.

Gefangen im eigenen Körper

Was damals niemand wusste: Martin war zu diesem Zeitpunkt bei vollem Bewusstsein. Etwa 1992, also zwei Jahre, nachdem er in den vegetativen Zustand gefallen war, fing er wieder an, seine Umgebung wahr zu nehmen. Er hörte, was die Menschen um ihn herum sprachen, und bekam mit, was in seinem Umfeld geschah. Der Junge erlebte, wie seine Eltern mit ihm umgingen - doch er konnte sich nicht bemerkbar machen. Egal ob Kommunikation mit seinen Mitmenschen oder kleine Bewegungen - keines von beidem gelang Pistorius. Durch laufende Fernseher bekam er mit, wie Mandela Präsident wurde. Besonders klar kann er sich an den Tod von Prinzessin Diana erinnern.

"Du musst sterben"

Ein Zustand, der an pure Folter erinnert. In Interviews beschreibt Pistorius diese Zeit als "dunklen Ort". Immer wieder habe er sich gefragt, ob sich sein Leben jemals ändern würde. Der fürchterlichste Moment sei gewesen, als seine Mutter nach bereits zehn Jahren im Koma neben ihm laut aussprach, was sich wohl viele Angehörige nach so einer langen Zeit denken: "Du musst sterben. Du musst einfach sterben." Ein Wunsch, den Pistorius seiner Mutter nur allzu gerne erfüllt hätte. Er selbst glaubte zu diesem Zeitpunkt nicht mehr an eine Genesung.

Der Durchbruch

Die Wende kam 2001, als eine Pflegerin es schaffte, zu ihm durchzudringen. Über Atmung und Augenkontakt fingen die beiden an, miteinander minimal zu kommunizieren. Sie sorgte dafür, dass er mit Spezialisten zusammenkam, die seine Kommunikations- und Reaktionsfähigkeit trainierten. Nach einiger Zeit konnten auch seine Eltern durch eine spezielle Software mit ihm Kontakt aufnehmen. Seine Fortschritte gaben Pistorius Hoffnung. Und Stolz. Sie motivierten ihn und versetzten ihn in eine positive Stimmung. Im Nachhinein ist er sich sicher: Auch die Kraft seiner Gedanken hat dafür gesorgt, dass schließlich auch sein Körper wieder lernte zu reagieren.

Rückkehr ins normale Leben

Viele Fähigkeiten kehrten mit der Übung zurück - seine Stimme und die Möglichkeit, seine Beine zu bewegen, nicht. Im Vergleich zu den zwölf Jahren, in denen Martin gefangen war in seinem Körper, sind das aber Kleinigkeiten. Mittlerweile hat er sogar eine Ausbildung abgeschlossen, arbeitet als Webdesigner und hat geheiratet. Seine unglaubliche Geschichte hat er in seinem Buch "Ghost Boy" (deutscher Titel: "Als ich unsichtbar war") aufgearbeitet.

Kommentare

nitachen123 melden

Soviel zu Sterbehilfe, welche nie eingeführt gehört!

strizzi1949
strizzi1949 melden

Blödsinn! Bei der Sterbehilfe entscheide ich selber, dass ich nicht mehr leben will! Da geht es nicht darum, beim Komapatienten die Geräte abzuschalten! Da geht es darum, dass ich bei vollem Bewusstsein verlangen kann, dass ich sterben darf!

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