100.000 Haushalte in Bosnien ohne Heizung:
Holz- und Kohleverkauf um Hälfte gestiegen

Elektroheizungen in den Geschäften bereits vergriffen Auch in Serbien müssen rund 80.000 Personen frieren

100.000 Haushalte in Bosnien ohne Heizung:
Holz- und Kohleverkauf um Hälfte gestiegen © Bild: AP/Chuzavkov

Rund 100.000 Haushalte in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo sowie in den Städten Zvornik, Zenica und Visoko sind wegen des Gas-Lieferausfalls ohne Heizung geblieben, berichtete die bosnische Tageszeitung "Nezavisne novine". In der nordserbischen Provinz Vojvodina müssen rund 80.000 Menschen ohne Gaslieferungen auskommen.

Die zwei größten Gasverbraucher im Lande, die Eisenhütte Arcelor Mittal in Zenica und die Tonerdefabrik Birac in Zvornik, mussten ihre Produktion auf ein Minimum reduzieren. Die beiden Unternehmen warnten vor verheerenden Folgen für ihre Betriebe.

In Sarajevo waren laut Medienberichten Elektroheizungen in den Geschäften schon am Dienstagabend vergriffen. Manch ein Stadtbewohner war bemüht, einen Heizkörper im etwa 130 Kilometer südlich gelegenen Mostar zu ergattern. Der Verkauf von Holz und Kohle stieg in Sarajevo um 50 Prozent, berichtete " Nezavisne novine".

Auch Kindergärten, Schulen & Ambulanzen betroffen
Probleme mit der Heizung haben auch Kindergärten, Schulen und Ambulanzen. In Zenica, wo der Unterricht meist in kalten Klassenräumen abgehalten wurde, haben die Schüler von zehn Volks- und elf Mittelschulen notgedrungen Ferien. Die Krankenhäuser in Sarajevo, Zvornik und Zenica haben auf Öl umgestellt und haben vorerst keine Probleme.

In Serbien frieren rund 80.000 Menschen
Rund 80.000 Menschen in der nordserbischen Provinz Vojvodina frieren, weil die Gaslieferungen aus Russland ausbleiben. Serbien deckt 90 Prozent seines Gasbedarfs durch Importe aus Russland und verfügt über keine Vorräte, da der seit Jahren in Bau befindliche Gasspeicher in der Vojvodina noch nicht fertig ist.

Die serbische Regierung bemüht sich nach eigenen Angaben, wenigstens kleinere Gaslieferungen über Ungarn zu erhalten - bisher ohne Erfolg. Gazprom werde die Regierung in Belgrad heute über die Möglichkeit von Gaslieferungen über Weißrussland informieren, erklärte der serbische Premier Mirko Cvetkovic.

Bei -5°C ohne Heizung
Mehrere Stadtviertel der Vojvodina-Hauptstadt Novi Sad blieben am Mittwochabend ohne Heizung. Betroffen sind nach Angaben der Stadtverwaltung rund 80.000 Menschen. Am Donnerstag betrug die Temperatur in Novi Sad um 7 Uhr früh minus 5 Grad Celsius. Eine ähnliche Situation herrscht auch in Pancevo und in einigen anderen Städten der Vojvodina, in denen es keine Alternativen zu den Gasheizungen gibt. (apa/red)