10-Punkte-Programm zur Wahl: SPÖ bietet jedem Jugendlichen Ausbildungsgarantie!

Forderung: Hauptschulabschluss kostenlos nachholen

Die SPÖ will jedem Jugendlichen eine Ausbildung garantieren. "Alle Jugendlichen haben das Recht auf eine Lehrstelle oder einen Platz in einer weiterführenden schulischen Ausbildung", heißt es im 10-Punkte-Programm für Jugendbeschäftigung, das Parteichef Alfred Gusenbauer präsentiert hat. Es müsse das Prinzip gelten: "Kein 15- oder 16-Jähriger darf in Österreich auf der Straße stehen", betonte der SPÖ-Chef in einer Pressekonferenz.

Die SPÖ will mit ihrem Konzept innerhalb einer Legislaturperiode die Jugendarbeitslosigkeit halbieren. Das bedeute für 35.000 Jugendliche eine Perspektive, betonte Gusenbauer. Die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit ist für ihn "ein Kernstück" einer künftigen Regierungsarbeit. Es gebe "kaum etwas Schlimmeres" als den Jugendlichen das Signal zu geben, dass man sie nicht brauche.

Der Hauptschulabschluss soll nach den Vorstellungen der SPÖ als Mindestvoraussetzung für den Berufseinstieg kostenlos nachgeholt werden können, wenn ihn der Jugendliche nicht gleich nach der Schule absolviert hat. Auch die Berufsreifeprüfung soll gebührenfrei werden. Generell will die SPÖ die Berufsschulen aufwerten und das Ausbildungsangebot weiterentwickeln und verbreitern. Auch rhetorische Kompetenz, Bewerbungstraining oder Teamarbeit sollen vermittelt werden.

An den Berufsschulen soll ein weiterführender Zweig geschaffen werden, der mit der Berufsmatura abgeschlossen wird. Diese soll als eigenständiger Abschluss jenen an AHS und BHS gleichgestellt werden und einen Lehrling ebenfalls zu einem Universitätsstudium berechtigen. Außerdem sollen die Berufsschulen auch ein "Sicherheitsnetz" für jene Jugendlichen sein, die keine Lehrstelle haben. Diese insgesamt vierjährige Berufsfachschule soll aus einem Drittel Fachtheorie und zwei Dritteln Praxis bestehen und der Abschluss soll jenem an einer berufsbildenden mittleren Schule entsprechen.

Betriebe, die keine Lehrlinge ausbilden, sollen nach dem SPÖ-Konzept einen finanziellen Beitrag in einen Fonds leisten. Jene, die zusätzliche Lehrstellen anbieten, sollen Mittel aus diesem Fonds erhalten. Dieses Modell funktioniere in Vorarlberg seit 30 Jahren mustergültig und könnte Beispiel gebend für ganz Österreich sein, betonte Gusenbauer. Die Lehrlingsausbildung will die SPÖ mit einem Modulsystem flexibilisieren. Neben Basismodul können Lehrlinge demnach mehrere Zusatzmodule ohne Verlängerung der Lehrzeit absolvieren. Die Zusatzmodule können auch in einem Partnerbetrieb abgelegt werden. Um Schmalspurberufe mit geringen Zukunftschancen zu vermeiden, sollen mehrere Lehrberufe zu einem Gruppenlehrberuf zusammengefasst werden.

Wieder einführen will die SPÖ die Lehrlingsstiftungen. Das Auffangnetz zur Jugendausbildung müsse auf 10.000 Plätze aufgestockt werden, davon sollen 4.000 in überbetrieblichen Lehrwerkstätten sein. Um frühzeitig etwaige Auffangmaßnahmen beschließen zu können, soll jährlich bis zur Jahresmitte im Rahmen von regionalen Jugendbeschäftigungsgipfeln mit den Sozialpartnern die Lage am Arbeitsmarkt erhoben werden. Die Mittel der aktiven Arbeitsmarktförderung sollen auf direkte Beschäftigungsförderung und Förderung vollständiger Berufsausbildung konzentriert werden, anstatt die Jugendlichen in Schulungen "zu verstecken".

Auf Erfolge sozialdemokratisch geführter Länder versuchten die Salzburger Landeshauptfrau Gabi Burgstaller und der Wiener Bürgermeister Michael Häupl aufmerksam zu machen. Burgstaller verwies darauf, dass Salzburg das Ziel erreichen werde, bis 2009 Vollbeschäftigung zu schaffen, "wenn es so weiter läuft". Salzburg sei das Land mit der niedrigsten Arbeitslosenrate und bei der Reduzierung der Jugendarbeitslosigkeit führend. Häupl gestand zwar zu, dass Wien die höchste Arbeitslosenrate habe, dies sei aber darauf zurückzuführen, dass es 220.000 Einpendler gebe. Die Jugendarbeitslosigkeit sei um fast 14 Prozent zurück gegangen. Besonderes Augenmerk will Häupl auf die Ausbildung ausländischer Jugendlicher legen, um soziales Probleme wie etwa in Frankreich nicht entstehen zu lassen. (apa/red)