10 bis 20 Jahre Haft: BAWAG-Geiselnehmer wegen erpresserischer Entführung angeklagt

Täter steht ab Oktober vor Geschworenen-Gericht

10 bis 20 Jahre Haft: BAWAG-Geiselnehmer wegen erpresserischer Entführung angeklagt

Der BAWAG-Geiselnehmer Günter B. wird sich Ende Oktober wegen erpresserischer Entführung vor einem Wiener Schwurgericht verantworten müssen. Die Anklage gegen den 40-jährigen Maler und Anstreicher, der am 27. Februar 2007 in einer BAWAG-Filiale sechs Bankangestellte mit einer täuschend echt aussehenden Pistolenattrappe stundenlang in Schach gehalten hatte, eher er sich einem Großaufgebot der Polizei ergab, ist seit wenigen Tagen rechtskräftig.

Staatsanwältin Gabriele Mucha legt dem Angeklagten neben erpresserischer Entführung Freiheitsentziehung und Nötigung zur Last. Sollte er in sämtlichen Anklagepunkten schuldig erkannt werden, drohen dem zehnfach vorbestraften Mann zehn bis 20 Jahre Haft.

Geiselnehmer geständig
Günter B. soll sich im gerichtlichen Vorverfahren umfassend geständig gezeigt haben. Sollte er diese Verantwortung beibehalten, käme das in der Verhandlung einem wesentlichen Milderungsgrund gleich, auf den er angewiesen wäre: Der 40-Jährige hat für einen bewaffneten Raubüberfall bereits eine längere Haftstrafe abgesessen. Sein getrübtes Vorleben wird bei der Strafbemessung jedenfalls eine entscheidende Rolle spielen. Den Prozess wird Richterin Minou Factor leiten.

Die Staatsanwältin Gabriele Mucha geht davon aus, dass Günter B. beim Betreten der BAWAG-Filiale keine konkrete Raubabsicht und auch keinen Entführungsplan hatte. "Er betrat kurz vor 11 Uhr mit dem Vorsatz, sich der darin befindlichen Personen unter Verwendung einer Pistolenattrappe zu bemächtigen und sie zumindest für geraume Zeit am Verlassen des Gebäudes zu hindern, die Bankfiliale, richtete die Pistole seitlich auf einen Angestellten, zielte damit auf diesen und forderte ihn mit den Worten 'Verriegle alles!' zum Schließen der Türe auf", ist ihrer Anklageschrift zu entnehmen.

Während der Bankangestellte den Eingang abschloss, entriss Günther B. laut Anklage einer telefonierenden Kollegin den Hörer und herrschte diese an: "Leg auf!" Einen Kunden zwang er, rasch die Filiale zu verlassen: "Du schleich di jetzt!"

Schließlich verblieben sechs Angestellte in der Gewalt des 40-Jährigen, wobei dieser einen im ersten Stock befindlichen Kunden übersah. Diesem gelang es, sich über Stunden hinweg in einem Zimmer hinter einem Kasten zu verstecken.

Unterdessen verlangte der Geiselnehmer in Verhandlungen mit der Polizei die Bereitstellung eines Psychologen, Zigaretten und Getränke sowie die Herstellung eines Kontakts zu seinem Bruder. Mehrmals soll sich die Situation für die in seiner Gewalt befindlichen Personen zugespitzt haben. Besonders bedrohlich wurde es der Anklage zufolge, als ein Journalist der Tageszeitung "Österreich" in der Bank anrief und mit den Worten "I woll't fragen, wie geht's Ihnen so?" eine Unterhaltung mit dem 40-Jährigen begann. Der Gesprächsverlauf soll Günter B. äußerst erhitzt und in Rage versetzt haben. Für den Redakteur hat sein Verhalten allerdings keine strafrechtlichen Folgen.

Der Polizei gab Günter B. zu verstehen, er habe "keine Angst vor dem Sterben". Wenn er nicht ernst genommen werde, gebe es "ein Blutbad". Knapp fünf Stunden hielt er sich in der Bank auf, wobei er seine Geiseln der Reihe nach ziehen ließ. Mit der letzten verbliebenen Angestellten ergab er sich gegen 16.00 Uhr den Gesetzeshütern. (apa/red)