1. TV-Duell zwischen Obama und McCain:
Konfrontation wurde zu Schlagabtausch

Finanzkrise und der Iran waren die heißen Themen Umfragen sehen Obama als klaren Duell-Sieger

1. TV-Duell zwischen Obama und McCain:
Konfrontation wurde zu Schlagabtausch

Die US-Präsidentschaftskandidaten der Republikaner und Demokraten, John McCain und Barack Obama haben sich bei ihrem ersten TV-Duell sowohl einen Schlagabtausch zur Finanzkrise als auch in Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik geliefert. McCain nannte in der Debatte in Oxford (US-Staat Mississippi) Obamas Plan für einen Abzug der US-Kampftruppen aus dem Irak innerhalb von 16 Monaten "gefährlich". Obama seinerseits bekräftigte seine Position, dass der Krieg von vornherein ein Fehler gewesen sei.

Obama ist aus zwei Blitzumfragen als klarer Sieger über seinen Kontrahenten John McCain hervorgegangen. In einer CNN-Umfrage erklärten 51 Prozent, Obama habe seine Aufgabe besser gemeistert als McCain; umgekehrt erklärten dies 38 Prozent.

Obama galt den meisten Befragten als intelligenter, sympathischer und näher an den Problemen der Menschen. Sechs von zehn Befragten erklärten, beide Kandidaten hätten sich besser präsentiert als erwartet, und 70 Prozent sagten, beide hätten bewiesen, dass sie das Zeug zum Präsidenten hätten.

McCain lobt Fortschritte im Irak
Während McCain Fortschritte im Irak hervorhob, die der Demokrat nicht anerkenne - "Obama weigt sich zuzugeben, dass wir im Irak gewinnen", meinte Obama, der Irak-Krieg habe zu einer Vernachlässigung der Sicherheitslage in Afghanistan geführt.

Zum einem heftigen Schlagabtausch zwischen den beiden Senatoren kam es auch beim Thema Iran. Obama bekräftigte seine bereits im Vorwahlkampf geäußerte Absicht, sich notfalls auch mit Präsident Mahmoud Ahmadinejad an einen Tisch zu setzen. "Als Präsident werde ich für mich das Recht in Anspruch nehmen, mich mit jeder Person meiner Wahl zu treffen, wenn es der Sicherheit des Landes dient", sagte Obama. McCain sagte, dies sei nicht nur "naiv, sondern auch gefährlich".

Thema Pakistan und Terror
McCain erklärte, er würde eine Politik von Angriffen auf Terroristen und Aufständische in Pakistan durch grenzüberschreitende Operationen von Afghanistan aus nicht öffentlich machen. Sein Rivale Obama sagte, die Vereinigten Staaten sollten Militante angreifen, wenn Pakistan nicht willens sei dies zu tun. McCain sagte, er wolle Hilfe für Pakistan nicht stoppen, um das Land dafür zu bestrafen, was Kritiker als Mangel an Kooperation bei der Bekämpfung von Islamisten an der Grenze zu Afghanistan bezeichnen. In der Region operieren u.a. die radikal-islamischen Taliban sowie das Terrornetzwerk Al-Kaida.

Finanzkrise: Vorwürfe gegen Bush
Sechs Wochen vor der Präsidentschaftswahl in den USA war auch das geplante Rettungspaket der scheidenden Regierung zur Beilegung der Finanzkrise ein wichtiges Thema. Beide Bewerber äußerten ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit, um die derzeitige schwere Krise zu bewältigen. Obama machte zugleich die achtjährige Politik der Regierung von US-Präsident George W. Bush, die McCain unterstützt habe, für die derzeitige Misere auf den Finanzmärkten mitverantwortlich. Die Krise an der Wall Street sei das "letzte Urteil über acht Jahre gescheiterter Wirtschaftspolitik". Noch in der vergangenen Woche habe McCain gesagt, die US-Wirtschaft wäre im Grunde stark. "Dem stimme ich ganz und gar nicht zu", erklärte der Senator aus Illinois Obama.

McCain entgegnete, er habe den US-Senat schon länger vor der drohenden Krise gewarnt. Angesichts der Bemühungen der Abgeordneten um eine Lösung "fühle ich mich heute Abend ein bisschen besser", sagte er. Wenn ein Rettungspaket zustande käme, sei dies aber nicht das Ende der Krise. Dem Land stehe ein längerer Kampf bevor: "Dies ist das Ende des Anfangs, wenn wir ein Paket schnüren können, das die Institutionen festigt. Wir haben noch viel Arbeit zu erledigen."

Streit über 700-Mrd.-Paket
McCain war erst weniger als zehn Stunden vor Beginn der geplanten Sendung von seiner ursprünglichen Forderung abgerückt, dass er erst nach einem erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen zwischen Regierung und Republikanern und Demokraten Kongress über das 700-Milliarden-Dollar-schwere Rettungspaket der Regierung für die Finanzbranche an einer solche Debatte teilnehmen könne. Sein Wahlkampfteam erklärte aber schließlich, McCain sei überzeugt, dass es Fortschritte auf dem Weg zu einer Einigung über die Parteigrenzen hinweg gebe.

Kritiker hatten McCain mangelnde Wirtschaftskompetenz vorgeworfen. Obama hatte die Haltung seines Kontrahenten als politisches Manöver kritisiert und darauf bestanden, dass die Fernsehdebatte wie geplant stattfinden sollte. Weitere Themen der Debatte waren dann die Steuergesetzgebung, wobei McCain Obama vorhielt, für zahlreiche Sonderinteressen eingetreten zu sein, die Millionen Dollar gekostet hätten.

(apa/red)