1. Olympia-Kampftag - 1. Austro-Medaille:
Judo-Ass Ludwig Paischer holt sich Silber

Unterliegt im Finale dem Südkoreaner Choi Minho 26-jähriger Salzburger mit 4 Siegen zu Edelmetall

1. Olympia-Kampftag - 1. Austro-Medaille:
Judo-Ass Ludwig Paischer holt sich Silber © Bild: APA/Techt

Judoka Ludwig Paischer hat Österreichs erste Medaille bei den Olympischen Spielen in Peking geholt. Der Salzburger musste sich erst im Endkampf der Klasse bis 60 Kilogramm dem Südkoreaner Cho Min Ho durch Ippon vorzeitig geschlagen geben und holte somit Silber. Ausgerechnet der Final-Kontrahent hatte Paischer vor vier Jahren bei Olympia 2004 in Athen die bittere Erstrunden-Niederlage zugefügt.

Paischer hatte mit Cho noch eine Rechnung offen, er wird sie ein anderes Mal begleichen müssen. Nur kurz war er nach dem Finalkampf enttäuscht. "Es war ein super Tag. Im Finale war das eine schöne Technik von ihm, die mich überrascht hat, er hat mich nochmals schön ausgehoben. Natürlich ist man kurz nach dem Finale enttäuscht, wenn es nicht Gold geworden ist. Aber ich habe Silber gewonnen, und die Freude wird immer größer werden", meinte der Österreicher nach dem finalen Kampf. Er freue sich, dem medialen Druck und seinem eigenen, "der noch größer war", standgehalten zu haben. "Ich wusste, was ich diese und vergangene Saison geleistet habe. Ich bin froh, wie es gelaufen ist."

"Schon ein bisserl enttäuscht"
Paischer hatte eine schwere Auslosung erwischt, Schlüsselkampf auf dem Weg ins Finale war jener gegen den Briten Craig Fallon. "Das ist so ein bisschen der Angstgegner. Das war die Initialzündung, danach war alles möglich. "Lupo", wie der 26-Jährige genannt wird, hatte noch zwei starke Kämpfe. Ein bisserl enttäuscht war er schon über den letzten Kampf. Er dachte, der Kampfrichter unterbricht, er ist schon am Boden, aber der Koreaner war einfach zu stark, das muss man neidlos anerkennen, er hat heute alles mit Ippon gewonnen", meinte Paischers Trainer Udo Quellmalz und erzählte.

Gleich zum Aufakt hatte Paischer einen souveränen Eindruck hinterlassen und den Marokkaner Younes Ahmadi nach nur 1:17 Minuten mit Ippon auf die Matte geschickt, bereits zuvor hatte er eine Zehnpunkte-Wertung gelandet. In Runde zwei wartete mit dem Briten Fallon ein Angstgegner, jedoch gelang dem rot-weiß-roten Zeitsoldaten die Revanche für die Final-Niederlage 2005 bei der WM in Kairo und heuer beim Weltcup in Vösendorf. ÖJV-Nationaltrainer Quellmalz hatte Paischer optimal auf seinen früheren Schützling Fallon eingestellt. Fallon hatte ein Cut über dem Auge erlitten, kämpfte aber weiter. Paischer indes nahm sich viel Selbstvertrauen und meinte. "Nun fühle ich, dass ich jeden schlagen kann."

Fallon war die Initialzündung
Der Kampf gegen Fallon war ebenso über die gesamten fünf Minuten gegangen, wie jener gegen die folgenden Kontrahenten. Den Nordkoreaner Kim Kyong Jin machte Bodenkämpfer Paischer mit Festhaltegriff angriffsuntauglich, im Duell um den Poolsieg setzte er sich gegen den Franzosen Dimitri Dragin durch, den er schon bei der WM 2007 in Rio de Janeiro besiegt hatte. Unterstützung bekam Paischer von einer 13-köpfige Fangemeinde aus seiner Heimat, darunter die Eltern, die Freundin und Clubtrainer Gerhard Dorfinger. Großen Beifall gab es vom Publikum, als er nach dem Finale den siegreichen Koreaner sehr herzlich umarmt hatte.
Zwei wichtige Kämpfe gegen Cho hat Paischer in seiner Karriere nun verloren. Aber man trifft sich im Leben bekanntlich (mindestens) dreimal. Und dann kann er den noch offenen Kreis schließen.

Der Weg Ludwig Paischers zu Olympia-Silber in Peking in der Klasse bis 60 kg:

1. Runde: Ludwig Paischer (AUT) s. Younes Ahmadi (MAR) mit Ippon
2. Runde: Paischer s. Craig Fallon (GBR), Kampf über die Zeit
3. Runde: Paischer s. Kim Kyong Jin (PRK), Kampf über die Zeit
Semifinale: Paischer s. Dimitri Dragin (FRA), Kampf über die Zeit
Finale: Cho Min Ho (KOR) s. Paischer , mit Ippon

(apa/red)