1. November - Zurück am Tennis-Olymp:
Melzer triumphiert in der Wiener Stadthalle

28-Jähriger bezwingt Kroaten Marin Cilic im Finale Melzer tritt damit in die Fußstapfen von Horst Skoff

1. November - Zurück am Tennis-Olymp:
Melzer triumphiert in der Wiener Stadthalle © Bild: APA/Fohringer

Jürgen Melzer hat sich in der Wiener Stadthalle einen Bubentraum erfüllt und 21 Jahre später Horst Skoff als bisher einzigen Wien-Sieger beerbt. Der 28-jährige Niederösterreicher feierte mit einem 6:4,6:3-Erfolg über den topgesetzten Kroaten Marin Cilic, die Nummer 13 der Welt, seinen bisher größten Triumph. Melzer durfte sich zum zweiten Mal in seiner Karriere und zum ersten Mal in Österreich als Turniersieger feiern lassen.

Nach 92 Minuten riss Jürgen Melzer beide Arme in die Höhe und machte einen kleinen Knicks in Richtung Publikum. Endlich hatte er den dritten Matchball verwertet, endlich die lange Durststrecke des österreichischen Herren-Tennis in Wien beendet und endlich auch dem heimischen Publikum sein bestes Tennis gezeigt. Abgesehen von seinem Titel 2006 in Bukarest war er sechs weitere Male in einem ATP-Finale gestanden, doch erst in seinem insgesamt achten durfte er wieder ganz am Schluss lachen.

"Es ist etwas ganz Besonderes, in Österreich ein Turnier zu gewinnen. Ich habe in St. Pölten ein Finale verloren, in Kitzbühel ein Finale verloren - ich hätte alles am Platz gelassen, um dieses Finale zu gewinnen, dass ist mir zum Glück gelungen", freute sich Melzer, der abermals eine ausgezeichnete Leistung gezeigt hatte. "Es ist so schwierig, das Ganze in Worte zu fassen. Man wird irgendwann aufwachen und realisieren, was ich eigentlich erreicht habe."

Siegerbusserl von Jukic
86.500 Euro Preisgeld, 250 Punkte für die Weltrangliste und ein langes Siegerbusserl seiner Freundin Mirna Jukic sowie ein kollektives Aufatmen in der österreichischen Tennis-Szene. Melzer hatte in seiner Tennis-Karriere schon viele Enttäuschungen einstecken müssen, besonders wenn die Aufmerksamkeit der Fans in der Heimat stark auf ihm ruhte. Trotz komfortabler Führung noch Matches zu verlieren, wie heuer zum Beispiel beim Davis Cup in Garmisch-Partenkirchen, ließ dem Deutsch Wagramer ein bisschen ein Loser-Image anhaften, wie auch Thomas Muster am Halbfinaltag in Wien bestätigte.

Zu Unrecht, denn Melzer hält sich nun schon seit Jahren in der erweiterten Weltspitze, die Ausreißer nach oben - wie er es selbst nannte - fehlten ihm halt.

In Wien ging ihm jedoch der Knopf auf. Dabei hatte er am Wochenende vor Beginn noch über sein Antreten spekuliert, weil er eine Verletzung an der rechten Ferse erlitten hatte. "Für mich war es so, dass ich nicht wusste, ob ich überhaupt die Woche durchspielen kann. Ich habe höchstens immer nur eine halbe Stunde trainiert bis Dienstag. Ich habe genügend Schmerzmittel intus gehabt die ganze Woche", so Melzer.

Zweiter Turniersieg nach Bukarest
Im Endspiel schaffte er vor rund 5.000 Zuschauern, - die Veranstalter hatten vergeblich auf eine restlos ausverkaufte Halle am Finaltag gehofft -, das Break zum 4:3. Mit zwei weiteren Breaks zum 3:2 und 6:3 im zweiten Satz stellte Melzer seinen zweiten Turniersieg nach Bukarest vor drei Jahren sicher.

Niederlage im Double-Finale
Nichts wurde es hingegen aus dem Wien-"Double" für Melzer. Der Niederösterreicher hatte mit seinem Partner Julian Knowle bei 9:7 im dritten Satz gegen die polnisch-österreichische Paarung Oliver Marach/Lukasz Kubot zwei Matchbälle, doch am Ende durften Kubot/Marach über einen 2:6,6:4,11:9-Erfolg nach 90 Minuten jubeln.

Marach war damit der erste österreichische Doppelsieger in Wien seit Alexander Antonitsch, der wie Skoff im Einzel vor 21 Jahren 1988 gewonnen hatte - und zwar mit Balasz Taroczy. Marach/Kubot stehen mit einem Fuß im ATP-World-Tour-Finale der besten acht Doppel-Paare in knapp drei Wochen in London, brauchen aber noch Punkte, um dies endgültig zu fixieren. Für Marach war es sein insgesamt fünfter ATP-Doppel-Titel, schon der dritte 2009 nach Belgrad und Casablanca (heuer alle drei mit Kubot).
(apa/red)