Überschwemmungen von

Hochwasser: Bange Stunden

Zittern in Ober- und Niederösterreich - Erste Überflutungen auch in Wien

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    Ganz Österreich steht unter Wasser: Zahlreiche Häuser sind überflutet worden.

  • Hochwasser in Österreich: Zahlreiche Städte stehen unter Wasser.
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    In Wien ist die Stadteinfahrt der A4 überflutet.

Weiter keine Entspannung der Hochwassersituation: Während die westlichen Bundesländer bereits mit den Aufräumarbeiten der Schäden nach den verheerenden Überschwemmungen beginnen konnten, war am Dienstagabend die Situation vor allem in Ober- und Niederösterreich durchaus kritisch. Noch bangten die Gemeinden, ob der teils aufgeweichte Hochwasserschutz ausreichen wird. In der Wachau wurde der Hochwasser-Scheitel der Donau für die Nacht erwartet und damit etwas später als ursprünglich angenommen. In Wien waren unterdessen die ersten Ausläufe zu spüren.

Am späteren Dienstagabend gab es Hoffnung auf eine leichten Entspannung der Hochwassersituation in Österreich. Während im Westen und Süden bereits den ganzen Tag Aufräumarbeiten stattfanden, blieb der Pegelstand der Donau in Ober- und Niederösterreich weitgehend stabil bzw. stieg nur mehr langsam an. Für die Nachtstunden wurde ein Höchststand der Donau in der Wachau erwartet. Dort musste weiter gebangt werden, ob die Dämme der Belastung standhalten würden. In Krems sah es so aus als ob die Dammhöhe ausreichen könnte.Im Oberösterreichischen Grein gab es Anzeichen von Entspannung, während in anderen Orten Evakuierungen durchgeführt werden mussten.

Bundesregierung sagt Hilfe zu

Die Bundesregierung wird im Bedarfsfall die Mittel des Katastrophenfonds aufstocken, sollte dies in Folge des aktuellen Hochwassers notwendig sein. Der Katastrophenfonds sei "nicht limitiert" und könne aufgestockt werden, sagte Finanzministerin Maria Fekter vor Beginn des Ministerrats. "Egal, wie viel Geld notwendig ist es werden die Mittel zur Verfügung stehen", sagte Bundeskanzler Werner Faymann im Pressefoyer nach der Regierungssitzung. Man werde die Betroffenen nicht hängen lassen, ergänzte Vizekanzler Michael Spindelegger.

Besonders dramatisch war die Lage weiterhin in Ober- und Niederösterreich. In Niederösterreich haben Einsatzkräfte bis Dienstag 238 Menschen geborgen, sagte Franz Resperger vom Landeskommando der APA. Am Nachmittag kenterte auf der Donau bei Wallsee ein mit fünf Personen besetztes Motorboot. Die Jäger und Feuerwehrleute wurden in einer dramatischen Aktion gerettet. Ein 70-Jähriger wurde unterkühlt und mit medizinischen Problemen in ein Krankenhaus geflogen. Insgesamt standen in Niederösterreich 177 Feuerwehren mit etwa 3.000 Mann im Hochwassereinsatz. Dabei waren auch acht Katastrophenhilfsdienstzüge aufgeboten.

82 Häuser in Hainburg geräumt

In der Hochwasser-Situation an der Donau in Niederösterreich verzeichnen inzwischen auch die Feuerwehren im Bezirk Bruck a.d Leitha verstärkt Einsätze. "Hotspots" waren Hainburg, wo bereits 82 Häuser in zwei Siedlungen geräumt werden mussten, und Bad Deutsch Altenburg. In dem Kurort bilden 30.000 Sandsäcke wie schon 2002 einen Damm, sagte Johannes Dietrich vom Bezirksfeuerwehrkommando.

Östlich von Wien könnte der Pegel einen höheren Wert als vor knapp elf Jahren erreichen. Wurden am 15. August 2002 in Wildungsmauer 8,84 Meter gemessen, lautete die aktuelle Prognose auf der Homepage des Landes NÖ auf 9,07 Meter am Mittwoch. Am Dienstag gegen 21.30 Uhr waren es 8,27 Meter.

In Bad Deutsch Altenburg war neben mehreren lokalen Feuerwehren auch ein Zug des Katastrophenhilfsdienstes im Einsatz. Es galt u.a. das Kurhaus zu schützen. In Hainburg gab es neben den in der Wörtharm- und der Jägerhaussiedlung erfolgten Evakuierungen vor allem Dammsicherungsarbeiten durchzuführen, sagte Christian Schulz von der örtlichen Feuerwehr. Das Rote Kreuze hat laut Homepage des Bezirkskommandos ein Feldlager für etwa 50 Personen mit Feldbetten errichtet.

Entspannung in Grein?

Am oberösterreichischen Hochwasser-Brennpunkt Grein, wo am Dienstag kurz vor 21.30 Uhr ein Pegel von 14,55 Metern gemessen worden ist, könnte es in der Nacht bzw. am frühen Morgen zu einer ersten Entspannung kommen. Man hoffe, dass sich der Stand zumindest "um ein paar Zentimeter nach unten" bewegen wird, erklärte ein Mitarbeiter des Hydrografischen Dienstes des Landes auf APA-Anfrage.

Es könnte sein, dass das prognostizierte Maximum von 14,80 Metern nicht mehr erreicht wird, so der Experte. "Wir betrachten das mit Argusaugen." In Schärding, Linz und Mauthausen waren die Pegelstände am späten Abend weiter rückläufig.

Gespannte Situation in Ober- und Niederösterreich

Die Donau in Niederösterreich sollte am Dienstagabend und Mittwoch ihren Höchststand erreichen. Der Pegel steige "schleichend", hieß es am Nachmittag beim Hydrografischen Dienst. Am Pegel Kienstock in der Wachau wurden gegen 17.00 Uhr 10,69 Meter gemessen. Die Prognose für Mitternacht bis in die frühen Morgenstunden lautete 10,90 Meter. Einen "Hotspot" gab es seit den frühen Morgenstunden in der Gemeinde Mautern. Dort war im Ortsteil Hundsheim vermutlich unter der Schutzwand Wasser eingedrungen. Eine Kleingartensiedlung wurde überflutet. Die Feuerwehr rückte mit Großpumpen aus. Dürnstein war nur mehr per Bahn und für Einsatzfahrzeuge erreichbar. Die Trinkwasserversorgung in der Gemeinde wurde wegen des Hochwassers außer Betrieb genommen. In Melk, wo 25 Menschen evakuiert wurden, überfluteten die Wassermassen das Feuerwehrhaus.

Auch in Oberösterreich hat sich die Hochwasserlage am Dienstag noch nicht entspannt. In Ottensheim (Bezirk Urfahr-Umgebung) gab es in der Nacht auf Dienstag Probleme mit dem Damm, die Lage sei aber unter Kontrolle, teilte das Landesfeuerwehrkommando mit. Zittern hieß es nach wie vor für die Bewohner von Grein (Bezirk Perg). Es sei nach wie vor eine Frage von Zentimetern, ob der Hochwasserschutz in Grein hält oder nicht, hieß es. Wann der prognostizierte Höchststand von 14,80 Metern erreicht wird, lasse sich seriös nicht abschätzen. Laut Feuerwehr könnte der Damm durch Treibgut beschädigt werden, so der Hydrografische Dienst. In Schärding wurden am Nachmittag 5,61 nach 6,36 Metern am Vormittag gemessen, in Linz waren es 8,84 nach 9,17 Metern und in Mauthausen 8,36 nach 8,53 Metern.

Auch Wien betroffen

Menschen, die am Montag in Linz im Bereich der Oberen Donaulände evakuiert worden waren, konnten wieder in ihre Häuser zurückkehren. Im stark betroffenen Bezirk Urfahr-Umgebung wurden bis zum Nachmittag mehr als 110 Personen in Sicherheit gebracht, 22 davon per Hubschrauber. Sie kamen bei Angehörigen und Bekannten unter. In Gramastetten wurde eine 20-jährige Frau vermisst, die zuletzt am Wochenende auf einem Fest gesehen worden war. Ob ihr Verschwinden etwas mit dem Hochwasser zu tun hat, war vorerst nicht klar. In Goldwörth, das am Vormittag laut Augenzeugen "ein einziger See" war, ging das Wasser zurück. In Oberösterreich waren laut Auskunft des Landes bisher in Summe über 28.000 Freiwillige im Einsatz, teilweise seit Freitag.


Katastrophale Zustände gab es weiterhin in der Gemeinde Ebensee (Bezirk Gmunden) im oberösterreichischen Salzkammergut. Zwar sank der Pegel des Traunsees, 50 Häuser standen jedoch noch immer unter Wasser, zwei Ortsteile waren komplett von der Außenwelt abgeschnitten, ganze Straßen wurden weggeschwemmt. In Uttendorf (Bezirk Braunau) musste wegen des Hochwasser die Geburt eines Mädchens im Rot-Kreuz-Wagen stattfinden. Das Rettungsfahrzeug kam aufgrund der Überflutungen zu langsam voran. Mutter und Kind sind wohlauf.

Während in den Bundesländern noch gegen die Wassermassen angekämpft wurde, bereitete sich am Dienstag Wien auf mögliche Überflutungen vor. Die Wiener Gewässerabteilung MA 45 rechnete damit, dass die Werte der Flut von 2002 in den nächsten 24 bis 48 Stunden überschritten werden. Die Häfen Lobau und Albern sowie die Copa Cagrana und die Sunken City an der Neuen Donau standen bereits unter Wasser. Auch der Donaukanal trat zum Teil über die Ufer, etwa in einer A4-Unterführung stadteinwärts im Bereich der Stadionbrücke. Diese musste gesperrt werden.

Sperre der B311 in Taxenbach zeitweise aufgehoben

Die Sperre der Pinzgauer Straße (B311) im Ortsgebiet von Taxenbach im Salzburger Pinzgau aufgrund von Vermurungen wird zeitweise aufgehoben. Der Bereich ist von heute, Dienstag, 17.30 Uhr, bis morgen, Mittwoch, 8.00 Uhr, einspurig passierbar, informierte die Pressestelle der Landespolizeidirektion Salzburg. Der Verkehr wird durch eine Ampel geregelt.

Der betroffene Straßenabschnitt werde am Mittwoch von 8.00 Uhr bis 12.00 Uhr wieder zur Gänze für jeden Verkehr gesperrt, hieß es. Nach 12.00 Uhr sei aber angedacht, den Bereich in Taxenbach einspurig passierbar zu machen.

Kommentare

brauser49

Wäre es nicht moeglich einen einheitlichen Wasserstand anzugeben, ausgehend von normal (NN) da die unterschiedlichen in verschiedenen Orten kaum Aussagekraft haben. Es wäre auch hoechste Zeit dass das BH nicht "Gewehr bei Fuss" steht sondern Gummistiefel anzieht und endlich mithilft !

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