EURO 2012 Griechenland
Der Rehakles-Vergleich
- "Griechenland hat keinen Messi." Unter Santos ist die Taktik ähnlich wie mit Rehhagel.
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Die Vergleiche mit Otto Rehhagel kann Griechenlands Teamchef Fernando Santos nicht mehr zählen. Dem fast täglich wiederkehrenden Ritual entgegnet der griechische Teamchef mittlerweile mit dem taktischen Geschick eines Diplomaten. Vergleiche mit "Rehakles" sind nicht nur aufgrund der aktuellen EM-Erfolgsstory des Teams naheliegend. Wie der Deutsche setzt auch Santos auf eine wenig attraktive Defensivstrategie. Diese soll auch im EM-Viertelfinale gegen Titelfavorit Deutschland am Freitag in Danzig aufgehen.
Gerade einmal 14 Tore schoss Griechenland in zehn EM-Qualifikationsspielen, blieb dank nur fünf Gegentreffern aber ungeschlagen. Gegen kritische Kommentare von Fußball-Ästheten, die diese defensive Spielphilosophie als wenig zeitgemäß bezeichnen, setzt sich Santos zur Wehr. Seiner Meinung nach hat die griechische Mannschaft mehr zu bieten. "Wir wären nicht hier bei der EM-Endrunde, wenn wir nur in der Defensive gut wären", meinte der 57-Jährige. Er schränkte aber auch ein: "Griechenland hat keinen Messi, also hat die Taktik bei uns allererste Priorität."
Der Erfolg gibt ihm recht: Seit seinem Amtsantritt im Jahr 2010 hat Griechenland erst zwei Spiele verloren. Deshalb verlängerte der griechische Verband den Vertrag mit Santos bereits vor der EM bis 2014. Der gelernte Telekommunikations-Ingenieur hat große Pläne. Anders als Rehhagel hat er den heimischen Fußball auch auf Vereinsebene kennengelernt. Immerhin dreimal wurde Santos in der Super League zum Trainer des Jahres gewählt.
Neuordnung in Griechenland
Es sei wichtig, "die Strukturen des griechischen Fußballs neu zu denken", sagte Santos bei seiner Vertragsverlängerung im April. Das habe Rehhagel vernachlässigt. "Er war in Deutschland, kam zu den Spielen und kümmerte sich nur um die A-Mannschaft. Ich versuche jetzt, den Fußball von den Jugendmannschaften bis zu den Senioren zu organisieren", meinte der Portugiese unlängst in einem TV-Interview und vergas dabei für zumindest kurze Zeit sein diplomatisches Geschick.
Für den Portugiesen ist es schwer, aus dem langen Schatten seines Vorgängers zu treten. Rehhagels sensationeller EM-Triumph von 2004 gilt vielen Griechen als Maßstab. Aber Santos macht Fortschritte, der Viertelfinaleinzug verbesserte seinen Stellenwert in Griechenland beträchtlich. Mit dem 1:0 über Russland schlug die nach schwachem Turnierstart lauter werdende Kritik in Lob um.
Zu wenig Respekt
Im Ausland scheiden sich an den Vorstellungen der Griechen ohnedies die Geister. Ihr Motto "Effizienz vor Attraktivität" ist gerade wegen des für Fußball-Feinschmecker unverdienten EM-Titelgewinns vielen ein Dorn im Auge. Dabei fordern die Griechen nur eines für ihre Leistungen. "Die Griechen verdienen mehr Respekt", erklärte Santos. Er meinte dies nicht nur als Statement den Fußball betreffend, sondern auch mit Blick auf die politischen Aufforderungen an die von einer Wirtschaftskrise gebeutelte Nation. "Wir alle sollten ein wenig mehr Respekt vor ihnen haben. Es ist nicht angemessen, den Griechen Ratschläge zu erteilen."
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