NEWS.AT EURO-Tagebuch

vonPatrick Fischer
Donnerstag, 14. Juni 2012

Gebraucht, aber sauber

  • Donezk ist eine Bergbaustadt. Dreck sucht man aber vergeblich.
NEWS.AT EURO-Tagebuch • Gebraucht, aber sauber
 

Ich habe bislang viel über die kuriosen Seiten von Donezk und der Ost-Ukraine erzählt. Zeit, sich auch den wirklich positiven Aspekten zu widmen. Donezk ist zum Beispiel eine saubere Stadt. Angeblich sogar die sauberste Industriestadt der Welt. "Wir sind froh, dass die EM hier ist. Unsere Stadt ist deutlich schöner geworden", erzählen die Einheimischen. Sauber dürfte es aber vorher auch schon gewesen sein.

Denn ich wohne in einem Stadtteil, von dem auch die Donezker zugeben, dass er kein Geld aus den Euro-Vorbereitungen gesehen hat. Und ja, manches sieht einigermaßen heruntergekommen aus. Aber Dreck? Fehlanzeige. Ganz im Gegenteil. Zigarettenstummel auf der Straße? Nein. Müll? Gar nichts. Ich habe in den Tagen hier noch keinen Menschen gesehen, der auch nur ein kleines Papier einfach fallen lässt. Offenbar achtet man auf das, was da ist. Anders ist auch nicht zu erklären, warum der LKW, den Sie auf dem Foto sehen, noch fährt.

Dieser offensichtliche Sinn für Hygiene ist jedenfalls auch bei den Donezker Imbissbuden anzutreffen. Sogar in Wien wird mir mitunter Angst und Bang, wenn ich eine "Eitrige" kaufe. Hier könnte man sich zwar manchmal fürchten, dass das ganze Gebilde über einem zusammenbricht, aber wenn man hineinschaut - blitzsauber! Dass mir die freundliche Dame am Abend nichts verkauft hat muss andere Gründe gehabt haben. Vielleicht haben wir uns einfach mißverstanden. Aber der Ukrainer vor mir musste auch ohne Essen abziehen. Die Ukrainerin nach mir übrigens ebenfalls. Das könnte ihnen bei einem klassischen Wiener Kellner aber auch passieren.

Sauber trotz Bergbau
Dass Donezk dermaßen sauber - und wahnsinnig grün - ist, wird umso beeindruckender, wenn man sich vor Augen führt, wovon diese Region lebt: Bergbau. Und das ist ja nun nicht unbedingt die sauberste Branche. Wo man auch hinschaut im weitläufigen Donezk, riesige Abraumhalden. Allein in Blickweite der Donbass Arena konnte ich sieben Stück zählen.

Wo in Wien die U-Bahnen fahren, wird hier also Kohle abgebaut. "Die Oligarchen sitzen auf der hochwertigen Ware", erklärt mir ein Einheimischer. Die staatlichen Minen hätten nur mehr minderwertige Kohle. "Das ist nur eine andere Form von Arbeitslosengeld", stellte mein "Reiseführer" fest. Die riesigen Hügel der Bergwerke gehören jedenfalls zum Stadtbild - und da viele davon grün überwachsen sind, sehen sie sogar nett aus.

Sauber und auch billig
Donezk ist aber nicht nur sauber, sondern sogar während der EURO ausgesprochen günstig. "Hier kostet alles soviel wie sonst auch", sagen mir die Ukrainer. Ich bin, vorsichtig gesagt, überrascht. Was die Hotelpreise anbelangt, kann ich mir das zwar nicht vorstellen. Aber der Rest? Ich bin geneigt, ihnen zu glauben. Das Preisniveau ist nämlich tatsächlich überschaubar. Drinks und Essen? Kalkulieren sie bestenfalls die Hälfte der heimischen Preise. Sogar beim Taxifahren wurde ich nur einmal abgezockt. Bei der Menge an Fahrten allerdings eine zu vernachlässigende Quote. Die erreicht man in Wien mit etwas Pech auch.

14.6.2012 18:28
Autor:Patrick Fischer


pixel