Karl-Heinz Grasser

vonKurt Kuch
Dienstag, 15. Mai 2012

Sein Buchkonzept

  • Tiefe Einblicke in fabelhafte Welt des Ex-Finanzministers: Geld, "Täter" und sein Fall.
 

Dienstag, 8. Mai 2012. Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser ist Auskunftsperson im parlamentarischen Untersuchungsausschuss. Der grüne Abgeordnete Peter Pilz konfrontiert Grasser mit Unterlagen, die bei einer Hausdurchsuchung bei Grasser sichergestellt wurden: einem Konzept für ein Buchprojekt Grassers. Pilz zitiert ausführlich die möglichen Buchtitel, die sich Grasser notiert hatte: „KHG – Alleine gegen die Mafia; KHG – der verfolgte Shooting-Star; KHG – Ich überlebe die Jagd; KHG – Ihr bekommt mich nie; KHG – Die Vertreibung aus dem Paradies; KHG – Das Vollgasleben; KHG – Das Leben ist ein Krimi“. Grassers Replik: Das seien beschlagnahmte „private“ Unterlagen. Wenn man schon über das Papier sprechen wolle, dann solle man über das gesamte Papier diskutieren und nicht über einzelne Teile davon. Grassers Wunsch kann erfüllt werden. NEWS liegt das 17 Seiten starke komplette Buchkonzept Grassers vor.

Ob das – nicht verwirklichte – Buchprojekt zur Aufklärung der Korruptionsfälle hilfreich gewesen wäre, darf bezweifelt werden. Allerdings gewährt das Konzept erhellende Einblicke in die Welt des Karl-Heinz Grasser, der dort von einem „Justizskandal“ spricht, von einer „beispiellosen Verfolgung“, einem „unfairen Verfahren“.

Doch auch weltpolitisch macht sich Grasser Gedanken: Gleich nach dem „Justizskandal“ steht als nächster Punkt „Europa am Scheideweg. Die Weltwirtschaft – quo vadis?“ Ernst wird es dann bei „So soll man KHG fertig machen“, wie Grasser in einer Skizze der Struktur des Buches notierte. Dem Punkt „Die schlaflosen Nächte“ folgt dann Höheres: „Das Gebet – Maria Muttergottes, Gott, der Glaube“.

Unter „Zielbotschaften / Was soll über bleiben“ notierte Grasser: „KHG kompetent / arbeitet sehr viel!!! Sehr guter Finanzminister, viel für Österreich geleistet. Mag die Menschen / hat es gerne gemacht / Europ. Niveau / international angesehen“. Dann schreibt er: „KHG ehrlich, korrekt, integer, nichts angestellt / nichts gemacht, würde es nie tun.“

„Man tut alles, um ihn zu erwischen – fast um jeden Preis“, schreibt Grasser über sich selbst. „Jeder“, der „gegen KHG“ sei, sei „super“. Im „Zusammenspiel mit Journalisten“ wolle man ihn „fertigmachen“. „Neid, Hass und Missgunst“ werden gesät. Auftragstäter gäbe es im „ORF“. „KH leidet“, schreibt er. Und auch finanziell sei es schwierig: „Das Geschäft gibt es nicht mehr. Man wird wirtschaftlich umgebracht.“

Die frühere Justizministerin Claudia Bandion-Ortner sei „eine überforderte Frau Justizministerin“ und „niemand ermittelt gegen die TÄTER“. Die „Täter“ nennt er dann auch beim Namen: seinen Trauzeugen Walter Meischberger und den Lobbyisten Peter Hochegger. Dort schreibt Grasser dazu: „Aufträge geradezu unglaublich“ und „die Rolle der Freimaurer“. Unter „wie bewältigt man solche Probleme“ schreibt Grasser dann: „Der unbändige Optimismus“ und „Der Glaube – die Talismänner“ sowie „Die Kristallkugel“. Unter „Die schlechte Optik“ nennt Grasser wieder drei Namen: Jene von Meischberger und Hochegger sowie den des Immobilienmaklers Ernst Plech.

Unter „Die Angreifer“ nennt Grasser die Politiker Gabi Moser, Peter Pilz, Günther Kräuter, Hannes Jarolim sowie „FPÖ/BZÖ“. Dann seinen früheren Mitarbeiter Michael Ramprecht, den „Format“- Journalisten Ashwien Sankholkar und die Zeitschriften „Falter“ und NEWS, selbst den Namen des früheren Rechnungshofpräsidenten Franz Fiedler schreibt Grasser unter diesem Punkt nieder.

Unter „Alle in Deckung (volle)“ schreibt Grasser: „Keiner will was damit zu tun haben.“ Sich selbst findet er offenbar ziemlich attraktiv: „Am medial Attraktivsten bleibt alles hängen.“ Überhaupt sei das alles „die schwierigste Phase meines Lebens“, so Grasser, der aber auch schreibt, es handle sich um eine „sehr wertvolle Erfahrung“. Nachsatz: „Auch wenn man auf so eine Erfahrung gerne verzichten könnte.“

Das „Nichtstun“.
Unter „Das Umgehen mit dem Nichtstun“ schreibt Grasser: „Man schreibt ein Buch, man kämpft um Projekte“ und auch unter anderem: „lernt Sprechen / liest Warren Buffett“. Dann folgt „Das Geld geht aus!!!“ Und dazu der Satz: „Je mehr man hat, umso größer die Sorgen.“ Dann folgt eine Aufzählung, die mit „der Lebenswandel“ beginnt und mit „Verkauf von Beteiligungen“ und „Verkauf von …“ endet. Zu Österreich fällt Grasser Folgendes ein: „Ich liebe Italien und die Anonymität.“

Grassers Wohnung im Netz.
Zu Grassers Sorgen um das Geld passt wohl, dass seit kurzem Grassers Penthousewohnung im Internet zum Verkauf angeboten wird. Christie’s, spezialisiert auf die Vermarktung von Luxusimmobilien, bietet das Penthouse unter „Imperial Vienna“ auf seiner Homepage an. Der stolze Preis: „14.237.639 US-Dollar beziehungsweise elf Millionen Euro.“ Laut Christie’s ist das Penthouse 416 Quadratmeter groß und verfügt über vier Schlaf- und vier Badezimmer. Ob sich bei einem Preis von elf Millionen Euro tatsächlich ein Käufer finden wird, bleibt abzuwarten. Denn: Grasser ist nicht Eigentümer der Wohnung. Das gesamte Haus gehört der Wiener Städtischen Versicherung. Grasser hat lediglich das Mietrecht, das er veräußern kann. Das bedeutet: Wer immer als Käufer zuschlägt, müsste zusätzlich zu den elf Millionen Euro auch noch eine monatliche Miete in Höhe von mehreren tausend Euro zahlen.

Aus den Ermittlungen ist bekannt, dass Grasser die Hälfte des Mietrechts als Sicherheit für ein Darlehen der zypriotischen Levesque Holding verpfändet hatte. Die Levesque gewährte dafür ein 3,7-Millionen- Euro-Darlehen. Eigentümer der Levesque ist die von Grasser gegründete Liechtensteiner Silverland-Stiftung.

Grassers Penthousewohnung im Internet:
Christie’s

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15.5.2012 12:51
Autor:Kurt Kuch
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