Weltuntergang

vonDaniela Schmied
Freitag, 16. März 2012

Geschäft mit dem Endzeit-Hype

  • Vom Film bis zum Bunker: Unternehmer machen mit der Angst vor dem Untergang Profit
Weltuntergang • Geschäft mit dem Endzeit-Hype
 

Am 21. Dezember endet der Maya-Kalender. Je nachdem, wie man diese Tatsache interpretieren will, geht an diesem Tag die Welt unter - oder auch nicht. Fest steht jedenfalls, dass sich mit der Angst vor der möglichen Apokalypse gutes Geschäft machen lässt.

Der wohl bekannteste und auch erfolgreichste Abräumer auf diesem Gebiet ist Roland Emmerichs Film "2012". Das Endzeitspektakel, das den von den Maya angeblich prophezeiten Weltuntergang propagiert und in dem ein Überleben nur in einer der eigens erbauten Rettungsarchen
für einen Teil der Menschheit möglich ist, spielte weltweit rund 770 Millionen US-Dollar ein.

Weltuntergang als Werbehit
Doch nicht nur am Big Screen beschäftigt man sich mit dem Maya-Kalender. Auch die Werbewirtschaft weiß sich besagtes Thema zunutze zu machen. So wirbt etwa das niederländisch-britische Unternehmen Unilever mit einem Spot der etwas anderen Art für die neueste Duftkreation seines bekannten Männerdeodorants Axe: Ein junger Mann baut aufgrund des drohenden Endes eine große Arche aus Holz. Passagiere auf dem Schiff sind allerdings keine Tiere, sondern ausschließlich schöne Frauen, die - angezogen von dem sinnlichen Duft von "2012 - Final Edition" - in Scharen auf das Schiff strömen.

Bei Campari setzt man mit der Schauspielerin Milla Jovovich auf ein ähnlich morbiderotisches Szenario und produzierte einen Kalender mit dem Titel "It's the end of the world, baby!".

Die Autohersteller General Motors und Kia befriedigen bei ihrer Werbung ganz bewusst die fatalistische Neugier der Menschen auf die Apokalypse. So garantiert etwa GM, dass ein Überleben nur mit einem Chevrolet Pick-up möglich sei. Kia lässt hingegen die Welt durch drei kleine Hamster, die natürlich einem ihrer Autos entsteigen, vor bösen Alien-Robotern retten.

Die belgische Biermarke Shock Top wiederum wird durch einen charmanten Mann angepriesen, der empfiehlt, die letzten Monate auf Erden gut zu nutzen, beispielsweise mit dem Konsum besagter Biermarke. Und schließlich kann in heimischen Drogeriemärkten seit Herbst ein Weichspüler von Lenor mit dem bezeichnenden Namen "Mystic Maya" erstanden werden.

Verkaufsschlager "2012"
Am Merchandising-Sektor war man allerdings ebenfalls nicht untätig. So kann alles online gekauft werden, was sich mit Endzeitsprüchen bedrucken lässt. Die Auswahl ist vielfältig: Von T-Shirts mit Texten wie "2012 - Party like there's no tomorrow", "I survived 2012" oder "Weltuntergang 2012 - der Letzte macht das Licht aus" über Krawatten und Unterwäsche bis hin zu Trinkbechern mit Aufdrucken wie "2012 – Game Over".

Wer davon noch nicht genug in finale Stimmung gerät, kann sich zusätzlich noch eine der zahlreichen Apps, auf denen Anzeigetafeln die verbleibende Zeit bis zum Tag X rückwärtszählen, am Smartphone installieren.

Selbstverständlich boomt auch der Buchsektor. Einschlägige Esoteriklektüre ist gefragt wie nie. Bände mit Titeln wie "Faszination Apokalypse" oder "2012 - oder wie ich lernte, den Weltuntergang zu lieben" sind genauso zu finden wie "2013 - spirituelles Erwachen" oder
"Ein neuer Anfang" für die - wahrscheinliche - Zeit danach. "Kunden zeigen starkes Interesse an diesem Thema und sprechen unsere Mitarbeiter auch darauf an, um sich zu informieren", so Josef Janitschek, stellvertretender Filialleiter im Buchgeschäft Thalia in Wien-Mariahilf. Vor allem im Oktober und November habe eine erhöhte Nachfrage nach dieser Art Literatur bestanden. Janitschek rechnet nochmals mit einem starken Verkaufsanstieg im Herbst "bis kurz vor dem 21. Dezember".

Selbst "echte" Apokalyptiker kommen im World Wide Web im wahrsten Sinne des Wortes auf ihre Kosten: So liefern Seiten wie 2012base.com, blog.2012pro.com oder pecangroup.org/surviving-the-day/howto-build-a-bunker-on-a-budget eine Auswahl an Bunker-Verkäufern oder Bauanleitungen für selbigen. Sogenannte "Survival- Kits" bekommt man beispielsweise auf Amazon oder 2012-disaster-preparation.com. Alles zum "Schnäppchenpreis", versteht sich - garantiertes Überleben inbegriffen.

Am meisten profitieren von dem Hype über den Weltuntergang dürfte allerdings die Heimat der Maya selbst. So erwartet die mexikanische Tourismusbranche in den nächsten 13 Monaten ein Plus von 12 Millionen Urlaubern. Das bedeutet unter anderem Mehreinnahmen von knapp 15 Milliarden Dollar.

Rot-weiß-rote Gelassenheit
Dass sich das Land über vermehrte Urlauberströme freuen dürfe, bestätigt auch Josef Peterleitner von Tui Österreich: "Die Nachfrage nach Mexikoreisen ist in diesem Jahr größer als 2011. Wir sprechen hier sogar von einem Anstieg im zweistelligen Prozentbereich."

Trotz allem sieht man das Thema in Österreich gemäßigter. Wobei auch hierzulande durchaus der eine oder andere clevere Geschäftsmann mit dem Thema umzugehen weiß. So hat etwa der Verlag Red Bulletin ein eigenes Magazin mit dem passenden Titel "2012 - das vielleicht letzte Magazin der Welt" herausgebracht. Die nicht ganz ernst gemeinte Zeitschrift im A5-Format erscheint monatlich auf ein Jahr beschränkt und will sich den Grundfragen der Menschheit widmen.

Auch die heimische Kabarettszene kann an dem Thema nicht ganz wortlos vorbeigehen. Und so startet Thomas Strobl zur "geistigen und seelischen Vorbereitung auf den prophezeiten Weltuntergang" eine neue Kabarettreihe im Wiener Metropol, ganz nach der Devise: "Geht die Welt am End' auch unter, wir Wiener bleiben fesch und munter."

16.3.2012 15:07
Autor:Daniela Schmied


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