Akademikerball

vonCorinna Milborn
Donnerstag, 15. März 2012

Boku-Ball muss FPÖ weichen

  • Veranstaltung der Uni wurde ohne Vorwarnung verlegt. Erboster offener Brief als Protest
Akademikerball • Boku-Ball muss FPÖ weichen
 

Erst im Dezember beschloss die Betreiber-Gesellschaft der Hofburg, den umstrittenen WKR-Ball ab 2013 aus den imperialen Räumen zu verbannen. Der Grund: Der Ball des Wiener Korporationsring war nicht nur die Feier der Burschenschafter, sondern zugleich ein Treffen rechtsextremer und deutschnationaler Größen aus ganz Europa. Heuer rief das besonders viele Proteste hervor, da der Ball am Ausschwitz-Gedenktag stattfand. Die FPÖ – auf dem Korportierten-Ball stets prominent vertreten – ließ die Verbannung nicht auf sich sitzen und meldete für den 1. Februar 2013 einen „Akademikerball“ in der Hofburg an. Sie bekam die Räume. Die israelitische Kultusgemeinde und SOS Mitmensch protestierten heftig.

Nun regt sich auch Protest von unerwarteter Seite: Der Rektor und die Hochschülerschaft der Universität für Bodenkultur schrieben heute einen erbosten offenen Brief an die Hofburg-Betreiber. Der Grund: Ohne Vorwarnung oder Information wurde der Ball der Uni zugunsten der FPÖ um eine Woche vorverlegt. Der Boku-Ball findet traditionell zu Semesterende statt, das Datum für 2013 war seit fünf Jahren fixiert und bereits an Gäste kommuniziert. Von der Verschiebung erfuhr die Uni nur durch Zufall aus einem E-Mail-Anhang. Rektorat und ÖH wehren sich nun gegen „die offensichtliche und unkommentierte Bevorzugung anderer Veranstalter“.

Daniel Böhm, Vorsitzender der ÖH Boku, sagt dazu: „Offenbar sind deutschnationale Burschenschafter unter dem Deckmantel eines ,Akademikerballs’ wichtiger als Studierende der Bodenkultur, die den größten Uni-Ball Österreichs feiern wollen. Dieses Vorgehen zeigt, wie tief immer noch rassistische, antisemitische und sexistische Tendenzen in unserer Gesellschaft verwurzelt sind.“

Die FPÖ wies jeden Zusammenhang ihres neuen Akademikerballs mit dem WKR-Ball zurück. Sie hat die Hofburg auch sonst als Veranstaltungsort für sich entdeckt: Im Juni findet dort der Landesparteitag statt.

15.3.2012 13:55
Autor:Corinna Milborn
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