Oscars 2012
Souverän verstaubt
- Die große Oscar-Gala barg wenig bis keine Überraschungen. Frischer Wind ist gefragt.

·Alle Gewinner
Die Oscars 2012 sind vergeben - alle Preise in allen 24 Kategorien im Überblick
·Frankreichs Clooney
Der beste Oscar-Hauptdarsteller hat keine große Lust auf Hollywood bekommen
·Großer Oscar-Sieger
Auch ohne Töne eine lautstarke Verneigung vor der Traumfabrik - jetzt im Kino.
·Scorsese-Traum
3D-Märchen mit Jude Law, Ben Kingsley und Sacha Baron Cohen. Film holt 5 Oscars.
·Georges Lebenskrise
Oscar favorisierter Clooney-Film überzeugt mit humorvoller Lakonie und Tiefgang
Die 84. Oscar-Gala ist in der Nacht über die Bühne gegangen und somit auch schon wieder Geschichte. Gottseidank, wie sich so manch ein Zuseher denken mag. Die Verleihung war zwar solide und souverän, strotzte aber im Großen und Ganzen nur so vor Langeweile.
Billy Crystal moderierte die Oscars zum neunten Mal. Somit war von vorn herein klar, dass es auf diesem Gebiet keine große Überraschung geben wird. Der Komiker erledigte seine Sache souverän und ließ sich selbst bis auf die unabwendbare Eröffnungs-Musical-Einlage aus dem Fokus. Das sei ihm auf jeden Fall hoch anzurechnen.
Zirkus oder Film?
So wie Crystal gestaltete sich auch der Rest des Abends bzw. der Nacht: Solide, aber ohne große Höhen. Die Show war ein schnell abgespultes, jahrelang einstudiertes Prozedere, das nichts Neues zuließ. Ein Gesang zu Beginn, ein paar Scherzchen (mit mäßigem Erfolg) hie und da und die gewohnte Verkündung der GewinnerInnen. Ein kleiner Tiefpunkt war die Einlage des Cirque du Soleil. Nicht, dass sie schlecht gewesen wäre, doch wozu ein Zirkus bei einer Film-Gala auftritt, bleibt wohl ein Geheimnis. Ebenso wie die Antwort auf die Frage, weshalb Apple-Gründer Steve Jobs unter der Kategorie verstorbene Menschen aus Kino und Film gedacht wird.
Highlight sind die Nicht-Gewinner
Auch bei den Gewinnern zeigte sich dasselbe Bild: Nicht nur keine großen, sondern gar keine Überraschungen hielt die Akademie parat. Meryl Streep, Jean Dujardin, The Artist, alles wie auch schon bei vorangegangenen Preisverleihungen gehabt. Dass Woody Allen für Midnight in Paris einen Drehbuch-Oscar bekam, kann ebenfalls als kleiner Tiefpunkt bezeichnet werden. Ein netter Film, aber im Angesicht dessen, was Woody Allen sonst für Filme geschaffen hat, ein Wehrmutstropfen, dass es genau hierfür die angeblich höchste Auszeichnung im Filmgeschäft gibt. Viel mehr kann und muss zu den Gewinnern/Verlierern des Abends auch gar nicht gesagt werden, mit der Ausnahme, dass es positiv erwähnenswert ist, dass Spielbergs neuester Streich War Horse leer ausgegangen ist, ebenso wie der völlig überbewertete weil 08/15-Baseball-Streifen Moneyball.
Frischer Wind gefragt
Alles in allem eine Oscar-Verleihung, die wohl kaum in die Geschichtsbücher eingehen wird. Im Gegensatz zum Vorjahr vielleicht eine kleine Steigerung, vor allem die Moderation betreffend, und alles in allem solide und souverän, doch ein frischer Wind in Form einer Generalüberholung des Gesamt-Konzeptes würde der inzwischen schon mehr als nur leicht angestaubten Veranstaltung wahrlich nicht schaden.

