Meinung
Wie riecht Wien? Für 400.000 Euro!
- Pohl-Position von Walter Pohl

Wenn eine Stadt wie Wien im Weltmaßstab gemessen in absolutem Überfluss lebt, kann es schon mal vorkommen, dass sich die politischen Köpfe zu dem einen oder anderen Nonsens hinreißen lassen. Auch wenn er was kostet.
Zum konkreten Fall der Schildbürgerei: Am vergangenen Samstag meldete Wien heute das Ergebnis einer Studie, deren Ziel es gewesen war, herauszufinden, wie Wien riecht. Gut, grübelt man, Schnapsideen sind im Fasching keine Seltenheit und somit von doppelter Wortbedeutung.
Die Studienleiterin wurde dazu in dem Beitrag über das Ergebnis befragt. Heraus kamen folgende olfaktorische Ergebnisse von gewaltiger Erkenntnisweite: Wien riecht nach Flieder und Rose (wahrscheinlich im Frühling, gell?), aber auch nach Wasser von der Donau (wenn man an der Donau steht, oder?). Und dann die Jahrhundertbotschaft: Die Kaffeehäuser in Wien riechen nicht nach Kaffee, sondern eher nach Tabak und Putzmittel.
Die Ergebnisse der Untersuchung sollen auch für die Wiener Tourismuswerbung eingesetzt werden, hieß es im Beitrag (da würde ich die Putzmittel weglassen, nicht wahr?). Und dann: Die Erstellung der Schnüffel-Studie habe die Stadt 400.000 Euro gekostet.
Da wars um mich geschehen, und ich begann zu rechnen: Wie viele Notunterkünfte mit Gulaschkanonen und Teeküchen könnte man für die Tausenden Frierenden dieser Tage einrichten? Für die in den Wohnungen ohne Heizung, auf der Straße, ohne Decken. Was kostet so eine Einheit für drei Wochen? 2.000 Euro, 4.000 Euro? Keine Ahnung. Vielleicht kann mich ja jemand aus dem Rathaus aufklären. Mit ein wenig Schuldgefühl
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