Kartnig-Prozess
Hohe Strafe gefordert
- Staatsanwalt: "Er hat den Verein geführt wie er Roulette gespielt hat"

·Urteil am Freitag?
"Das ist keine Talkshow": Staatsanwalt und Verteidiger kriegen sich in die Haare.
"Kartnig hat den Club ruiniert, er hat die Geleise gelegt, auf dem der Verein in den Abgrund gefahren ist" - Harte Worte für den angeklagten Ex-Präsidenten von Sturm Graz fand der Staatsanwalt, nachdem die Verlesungen im Prozess um Kartnig und sieben Mitangeklagte rund um Sturm Graz beendet waren und die Plädoyers begannen. Der Ankläger forderte eine Geld- und "hohe Freiheitsstrafe" für Kartnig.
Johannes Winklhofer hatte Kartnig schweren Betrug, betrügerische Krida, grob fahrlässige Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen sowie Steuerhinterziehung vorgeworfen. Die Hauptschuld sah der Staatsanwalt bei Kartnig. "Er hat den Verein geführt wie er Roulette gespielt hat, wo man am Spieltisch das Geld verschnalzt", so der Ankläger in aller Deutlichkeit. Man habe "viel zu teure Spieler mit zu hohen Gehältern gekauft", prangerte der Ankläger an.
"Kein Kavaliersdelikt"
Die Steuerhinterziehungen in der Höhe von insgesamt rund zehn Millionen Euro - und zwar bei Sturm und bei Kartnigs Firma - seien "kein Kavaliersdelikt". Dazu kommt noch der Betrugsschaden durch nicht bezahlte Lieferanten, den Versuch, beim Land Steiermark Geld zu bekommen und vor allem der Vertrag mit Frank Stronach, den der Staatsanwalt ebenfalls dazu rechnete, obwohl sich Stronach nach eigenen Angaben nicht geschädigt fühlt.
Winklhofer listete nochmals penibel alle Punkte auf, die zum Konkurs und letztlich zur Anklage geführt hatten, wobei er auch ausdrücklich auf die Mitschuld der angeklagten ehemaligen Vorstandsmitglieder hinwies. "Die sind ja alle nicht blind und taub in den Vorstandssitzungen gesessen", meinte er. Es sei allerdings Kartnigs Schuld, dass Leute wie die Vorstandsmitglieder ins Kriminelle abgedriftet seien. "Das traut man denen nicht zu, aber wenn es um eine Lederkugel mit Luft drin geht, riskieren sie ihre Existenz", formulierte es der Ankläger.
Schilcher "einziger Fußballexperte"
Etwas milder beurteilte er lediglich den ehemaligen Sportdirektor Heinz Schilcher, der seiner Meinung nach der "einzige Fußballexperte" gewesen sei und nur die Schwarzzahlungen an die Spieler mitzuverantworten habe. Beim angeklagten Ex-Club-Sekretär gab Winklhofer zu bedenken, dass dessen umfassendes Geständnis mildernd zu werten sei. Für Kartnig forderte er allerdings eine hohe Freiheitsstrafe, denn "sonst verliert alles seine Verhältnismäßigkeit".
Urteil verschoben
Das Urteil verzögerte sich erneut: Kartnig-Verteidiger Michael Pacher hatte in seinem Schlussplädoyer aufgezeigt, dass nie überprüft wurde, ob die zugesagten Kfz- und Wohnungszuschüsse an die Spieler je bezahlt wurden. Da sich die Frage nicht sofort klären ließ, wird der Prozess nächste Woche fortgesetzt.
Der Rechtsanwalt hatte mit seinem Plädoyer eine verbale Bombe gezündet, indem er anmerkte, dass weder Finanz noch sonst jemand je überprüft habe, ob die Spieler tatsächlich Schwarzgeld in Form von Wohnungs- und Autozuschüssen bekommen haben. Diese Beträge - auch wenn sie in Verträgen aufscheinen - können daher weder für das Finanzstrafverfahren noch für das Betrugsfaktum gewertet werden, meinte der Verteidiger.
Daraufhin unterbrach Richter Karl Buchgraber für eine Stunde die Verhandlung, doch der Sachverhalt ließ sich auf die Schnelle nicht aufklären. Daher verfügte der Richter, dass bis auf das letzte alle Plädoyers gehalten werden. Dann soll es nächste Woche noch einen Verhandlungstermin geben, wo der strittige Punkt geklärt werden soll. Dann wird das letzte Plädoyer gehalten werden und dann sollte einem Urteil endgültig nichts mehr im Weg stehen.
