Eiseskälte in Europa
Die Ursachen der Kälte
- Paradox: Forscher sehen aktuelle Temperaturen als Bestätigung für Erderwärmung

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Warum ist es derzeit so kalt in ganz Europa? Die Hauptschuld trägt die sibirische Kaltluft, die sich über den ganzen Kontinent verbreitet hat. Aber: Laut aktuellen Klimastudien ist auch die Erderwärmung eine der Ursachen für die tiefen Temperaturen.
"Hier zeigen wir, dass der anormale Rückgang des winterlichen Meereises in der Barents-Kara-See extrem kalte Zeitenspannen bringen könnte, ähnlich wie die im Winter von 2005/2006", schrieben Vladimir Petoukhov vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und Vladimir Semenov vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften in Kiel in einer Studie von 2010. Ihr Computermodell ECHAM5 zeigt: Eine Erwärmung der Luft in der Barents-Kara-See nördlich von Skandinavien und Russland kann kalte Winterwinde nach Europa bringen.
Im Klartext: Wenn das Eis in der Arktisregion weiter so stark schmilzt, könnte dieses Phänomen die Wahrscheinlichkeit für extrem kalte Winter in Europa und Nordasien sogar noch verdreifachen.
Noch kältere Winter
Forscher am Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven kamen wenig später zu ähnlichen Ergebnissen. "Die Wahrscheinlichkeit für kalte, schneereiche Winter in Mitteleuropa steigt, wenn die Arktis im Sommer von wenig Meereis bedeckt ist", schrieb das AWI erst am 26. Jänner 2012.
Und das geht so: Das Sonnenlicht erwärmt die dunkle Meeresfläche stärker als eine helle Eisdecke. Aufgrund der kleiner werdenden Eisfläche wird demnach mehr Wasser erwärmt, wodurch sich die Lufttemperaturen in der Arktisregion bis in Herbst und Winter erhöhen. "Dies lässt durch komplexe Wechselwirkungen den Luftdruckgegensatz zwischen der Arktis und den mittleren Breiten Europas geringer werden und kalte arktische Luft kann im Winter besser bis nach Europa vordringen", erläuterte AWI-Forscher Ralf Jaiser, der zusammen mit Kollegen im Jänner eine entsprechende Studie im Journal "Tellus A" veröffentlicht hat. Dies sei natürlich keine "wasserdichte Prognose", räumt er ausdrücklich ein. "Dafür ist das Klima zu komplex und es sind tatsächlich zu wenige Details verstanden."
Kälte kein Beleg gegen den Klimawandel
Sicher ist aber, dass die Thesen der Extremtemperaturen im europäischen Winter nicht die globale Erderwärmung oder den Weltklimareport infrage stellen. Sie beziehen sich vielmehr nur auf einen Teil der Winterzeit in einer Region der Erdoberfläche. "Wir sagen, dass es in der Arktis wärmer und bei uns kälter wird", erläuterte Jaiser. "Auf Spitzbergen ist es im Moment ungewöhnlich warm und es regnet." In der vergangenen Woche habe es auf dieser nördlich von Skandinavien liegenden Inselgruppe einen Regenrekord gegeben.
"Europa ist eine relativ kleine Region und die Winter sind nur eine von vier Jahreszeiten. Die anderen werden durchaus wärmer", betonte Jaiser. Das äußere sich bereits durch längere Vegetationszeiten. "Unsere Studie ist ein Puzzlestück im großen Klimageschehen."
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