Ägypten
Mubaraks schweres Erbe
- Jahrestag seines Rücktritts: Der Pharao ist weg - Aber die Probleme sind geblieben

·Finanzamt in Flammen
Ausschreitungen in Kairo dauern an. Mindestens 12 Tote bei Zusammenstößen.
·Erneutes Chaos am Nil
Nach Fußball-Blutbad: Zwei Tote und mehr als 600 Verletzte bei Zusammenstößen
·Von Lima bis Kairo
Schier endlose Geschichte von gewaltsamen Krawallen rund um Fußballspiele
Ein Jahr ist vergangen seit die Ägypter ihren "Pharao" in die Wüste geschickt haben. Für die Revolutionäre von einst war es ein Jahr der enttäuschten Hoffnungen. Sie rufen jetzt zum Streik auf. Freudentaumel, Enttäuschung und Wut - die ägyptische Protestbewegung hat seit dem Sturz von Präsident Hosni Mubarak vor einem Jahr ein Wechselbad der Gefühle erlebt.
Bahnen und Busse in der Hauptstadt Kairo fuhren wie gewohnt. Geschäfte hatten geöffnet, auch aus dem Flughafen wurde regulärer Betrieb gemeldet. Die das Parlament beherrschenden, islamistischen Muslimbrüder hatten sich gegen Streiks ausgesprochen. Viele Ägypter lehnten Arbeitsniederlegungen mit der Begründung ab, sie schadeten der Wirtschaft. Auch Geistliche der koptischen Kirche verurteilten den Aufruf zum Streik.
Demos seit der Früh An den wichtigsten Universitäten des Landes begannen am "Tag des zivilen Ungehorsams" aber bereits in der Früh Demonstrationen. Auf dem Tahrir-Platz in Kairo sollte es eine Kundgebung geben. Ein australischer Journalist und ein US-amerikanischer Student wurden im Zusammenhang mit Streikaufrufen festgenommen.
Am Freitagabend hatte der Oberste Militärrat bekräftigt, nicht vor "Drohungen" oder "Druck" zu weichen. In einer im Fernsehen verlesenen Erklärung warnte er vor einem "Komplott" gegen Ägypten. Es gebe "Verschwörungen gegen die Nation", welche die Institutionen des ägyptischen Staates schwächen, den Staat selbst stürzen und Chaos verbreiten wollten. Der Militärrat bekräftigte zugleich, die Macht bis Juli abzugeben.
In der Nähe des Verteidigungsministeriums in Kairo hatten am Freitag tausende Menschen unter der Parole "Nieder mit der Militärmacht" demonstriert. Am Samstag bekundeten im selben Viertel Dutzende Demonstranten ihre Solidarität mit dem Obersten Militärrat.
Prozess gegen Mubarak
Der Prozess gegen Ex-Machthaber Mubarak (83) läuft unterdessen weiter. Bis Mitte Februar sollen die Verteidiger ihre Plädoyers abgeschlossen haben. Dann wird verkündet, wann der Richterspruch fällt.
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