Sparpaket

vonapa/red
Montag, 13. Februar 2012

Die Debatte ist eröffnet

  • Details über einzelne Maßnahmen kommen ans Licht - Neue Fragen und Kritikpunkte
 

Das rot-schwarze Sparpaket liegt nun am Tisch. Seit dem kommen immer mehr Details über die einzelnen Maßnahmen ans Licht, tauchen neue Fragen und Kritikpunkte auf. Die Debatte über das 26,5 Mrd. Euro schwere Konsolidierungspaket wird auch in den kommenden Tagen und Wochen weitergehen. Am heutigen Vormittag tritt der Vorstand der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst zusammen, um über die geplanten Sparmaßnahmen bei den Beamten, die einen großen Teil der Belastungen tragen, zu beraten. Neben der Nulllohnrunde für 2013 dürften dabei auch die Heeresbediensteten Thema sein; diesen drohen nämlich herbe Gehaltskürzungen.

Beraten wird kommenden Woche auch über den Sparbeitrag der Länder. Diese müssen in den kommenden fünf Jahren 2,6 Mrd. Euro einsparen. In den ersten beiden Jahren haben sie allerdings noch eine Schonfrist. Für 2012 und 2013 decken die zusätzlichen Steuereinnahmen, die die Länder aus den neuen Steuererhöhungen automatisch bekommen, beinahe ihren Gesamten Konsolidierungsbedarf ab. Erst ab 2014 werden echte Einsparungen nötig. Besprochen werden diese bei einem Treffen der Landesfinanzreferenten am Mittwoch.

GÖD will weiter verhandeln
Zuerst ist aber die GÖD am Wort. Der Chef der Beamtengewerkschaft, Fritz Neugebauer, hat zwar den Beitrag der Beamten zum Sparpaket in der Höhe von 1,8 Milliarden Euro außer Streit gestellt, er will aber noch darüber verhandeln, wie dieser genau erbracht wird. Die Regierung plant für die Staatsdiener 2013 eine Nulllohnrunde und 2014 nur eine moderate Gehaltsanpassung. Kanzler Werner Faymann und Vizekanzler Michael Spindelegger) haben Neugebauer in mehreren Zeitungsinterviews am Wochenende ausgerichtet, dass das Beamten-Sparpaket samt Nulllohnrunde fix sei und nicht nachverhandelt werde.

Heeresbedienstete wollen Rücknahme geplanter Maßnahmen
Vor allem die Heeresbediensteten verlangen dennoch die Rücknahme geplanter Maßnahmen. Rund 14.000 Soldaten des Bundesheeres drohen nämlich durch die Streichung einer Pauschalvergütung für die 41-Stunden-Woche Gehaltsverluste von bis zu 5,5 Prozent bzw. 1.163 Euro im Jahr. Die Nulllohnrunde 2013 und die moderate Lohnrunde 2014 kommen noch dazu.

Regierung bemühte sich um Verteidigung des Sparpaketes
Angesichts der zahlreichen Kritik war die Regierung am Wochenende bemüht, ihr Paket zu verteidigen. Die Pläne wurden als ausgewogen gepriesen und der Vorwurf, dass ein großer Brocken des Sparpakets noch gar nicht fix ist, zurückgewiesen. Tatsächlich sind viele der budgetierten Vorhaben der Regierung vorerst noch Wunschdenken. Der größte Unsicherheitsfaktor sind dabei die Einnahmen aus einer Finanztransaktionssteuer (FTT). Diese soll ab 2014 jährlich 500 Mio. Euro bringen. Basis für diese Annahme ist eine entsprechende EU-Maßnahme, die allerdings noch lange nicht beschlossen ist.

Gesundheitsreform muss weiter verhandelt werden
Auch die geplanten 1,37 Mrd. Euro an Ersparnis durch eine Gesundheitsreform und damit auch die Sparbeiträge der Länder müssen erst verhandelt werden. Gleiches gilt auch für die Einsparungen von 500 Mio. Euro mittels Kürzungen von Förderungen ab 2015. Gesundheidtsminister Alois Stöger ist dennoch überzeugt davon, die Einsparungen im Gesundheitsbereich erreichen zu könne. Im Gespräch mit der APA verwies Stöger darauf, dass man sich grundsätzlich mit den Ländern auf die Festlegung von Zielen auch im Spitalsbereich geeinigt habe. Bei Nicht-Erreichung der Ziele werde es "Konsequenzen" geben.

Hundstorfer ist skeptisch
Skeptisch zeigte sich dagegen Sozialminister Rudolf Hundstorfer was die von Vizekanzler und ÖVP-Obmann Michael Spindelegger genannte Anhebung des faktischen Pensionsantrittsalters betrifft. Hundstorfer rechnet damit, dass dieses mit den Maßnahmen des Sparpaketes bis 2020 um 2,5 bis drei Jahre steigen wird und nicht wie von Spindeleger behauptet um vier Jahre, sagte der Sozialminister am Sonntag in der ORF-"Pressestunde". Hundstorfer verteidigte die von der Regierung vereinbarten Maßnahmen und betonte erneut, dass Mindestrentner von den für 2013 und 2014 geplanten niedrigen Pensionsanpassung nicht betroffen sein werden.

Die im Sparpaket enthaltenen Maßnahmen im Pensionsbereich (Reha-Maßnahmen, erschwerter Zugang zu Frühpension und Altersteilzeit) wurden von Experten grundsätzlich positiv bewertet. Die Punkte "weisen in die richtige Richtung", erklärte der Arbeits-und Sozialrechtler Wolfgang Mazal. Auch der Pensionsexperte Bernd Marin hält die Maßnahmen für einen "sehr ambitionierten Versuch". Er sei "positiv überrascht".

Aiginger vermisst beim Budget Strukturreformen
Für Wifo-Chef Karl Aiginger ist das Sparpaket zwar "ein wichtiger Beitrag zur Wiedergewinnung des wirtschaftspolitischen Handlungsspielraums". Allerdings vermisst der Wirtschaftsforscher beim Budget Strukturreformen. Das Paket sei "unter Zeitdruck entstanden, das sieht man". "Es ist in weiten Teilen nicht in Reformkonzepte eingebettet", kritisierte Aiginger im APA-Interview.

So geht es weiter
Das ist aber erst der Beginn der Debatte. Kommende Woche werden die geplanten Maßnahmen in Gesetze gegossen und dann in Begutachtung geschickt. Dabei werden weitere Details bekannt und wohl auch von Betroffenen bekämpft werden. Anfang/Mitte März soll das Paket im Ministerrat und Ende März im Parlament beschlossen werden.

13.2.2012 07:50
Autor:apa/red
franzjosefs, 13. 02. '12 14:33
Ungerecht
Fritz ist zurück aus den Bergen. Jedes Jahr gehen Dutzende Lawinen ab, verschütten unzählige mehr oder weniger unschuldige Menschen. Aber den Neugebauer trifft nicht einmal ein verirrter Schneeball. Das Leben ist ungerecht.
http://gedaunknsplitta.blog.de
PAstorPeitl, 13. 02. '12 07:11
Korrektur
Korrektur: Diese Überschrift kann eigentlich nur "Debatte für das Sparpaket" lauten.

Wer nämlich glaubt, dass die Kaufkraft der Wirtschaft und damit die Klein- und Mittelwirtschaft mit diesem Sparpaket erhalten bleibt, kann eigentlich nur debatt sein.

Euer

Pastor Hans-Georg Peitl
Bundesobmann der
Freiheitlichen Christen Österreichs (FCÖ)
http://www.bedenklich.at
RobOtter, 13. 02. '12 07:55
Re: Korrektur
Der war gut!
Seneca22, 12. 02. '12 21:12
Postings Sparvorschläge
Zusammenstellung einiger geposteter Sparvorschläge:

- Besteuerung von Stiftungen überdenken
- Einführung von Luxuxabgaben (z.B. bei Autos über 150 kW jedes kW extra mit zweistelligen
Beträgen oder bei Jachten, Edelsteinen etc.)
- Föderalismusreform (z.B. „4 Regionen statt 9 Bundesländer“)
- Finanztransaktionssteuer einführen
- Pauschalierte Besteuerung bei Landwirten überdenken

Des weiteren sollte die europäische Union ernsthaft diskutieren, welche regulierenden Regelungen, die anlässlich der Weltwirtschaftskrise 1929/1930 eingeführt und im Laufe der 80er/90er bzw. im neuen Jahrtausend sukzessive abgebaut wurden, (auch auf internationaleer Ebene) wieder eingeführt werden sollten.
watelli, 13. 02. '12 06:50
Re: Postings Sparvorschläge
Nicht lange überdenken, sondern ehebaldigst einführen. Aber dazu gehört eine andere Regierung, aber die das dann umsetzt, muss erst erschaffen (Menschen mit Mut und Rückgrad) werden.