Illegale Tests in Tirol
Kommission geplant
- Medizin-Uni richtet Hotline für Opfer ein - Psychiatrie-Chef fordert Untersuchung

·Tiermedizin für Kinder?
Neue Vorwürfe: Experimente an "sexuell übererregten" Mädchen in Innsbruck
·Entschädigung?
Bürgermeister Häupl: Bemühen uns um eine Wiedergutmachung für Betroffene
·Heim unter Verdacht
Erzieher soll in einem Heim der Volkshilfe mehrere Kinder misshandelt haben
·50 Meldungen
Zahlreiche Opfer kontaktieren Kommission für Missbrauchsfälle in Kinderheim
Nach dem Bekanntwerden von zweifelhaften Therapiemethoden an der Innsbrucker Kinderpsychiatrie soll nun eine externe Expertenkommission die Geschehnisse aufarbeiten. Das Gremium soll "vor allem aus Kinderpsychiatern, Historikern und Mitgliedern der Opferschutzkommission des Landes" gebildet werden, sagte der Innsbrucker Psychiatrie-Chef Wolfgang Fleischhacker.
Fleischhacker rechnet für die Expertenkommission mit grünem Licht seitens des Landes, wie die "Tiroler Tageszeitung" berichtete. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das Land gegen diesen Plan ausspricht", betonte er gegenüber der Zeitung.
Hotline für Betroffene
Indes gab die Medizin-Uni die Telefonnummer der gebührenfreien Hotline für die Opfer bekannt. Sie soll für Betroffene eine erste Anlaufstelle bieten, hieß es in einer Aussendung. Die Nummer 0800/800012 wird ab kommenden Mittwoch freigeschalten und soll dann von Montag bis Donnerstag von 11.00 bis 12.00 und 14.00 bis 16.00 Uhr, am Freitag von 11.00 bis 12.00 Uhr erreichbar sein. Die Anrufe werden von Mitarbeitern des Departments für Psychiatrie und Psychotherapie entgegengenommen.
Kinder sollen Tiermedikament erhalten haben
Unter anderem soll in der Kinderpsychiatrie in den 1970er Jahren das Tiermedikament Epiphysan angewandt worden sein, um "sexuell auffällige Mädchen ruhig zu stellen". Das Mittel aus der Tiermedizin wurde auch verwendet, um das Brunftverhalten bei Kühen zu unterdrücken. Federführend soll laut dem Historiker Horst Schreiber die 1998 verstorbene Psychiaterin Maria Nowak-Vogl gewesen sein.
Bereits 1980 hatte die Staatsanwaltschaft Innsbruck ein Ermittlungsverfahren in dieser Causa eingeleitet, nachdem die Vorwürfe durch einen ORF-Bericht bekanntgeworden waren. Das Verfahren wurde laut dem Sprecher der Innsbrucker Anklagebehörde, Hansjörg Mayr, aber eingestellt, nachdem ein Gutachten zu dem Schluss gekommen war, dass bei dem verabreichten Mittel Epiphysan mit keinen Nebenwirkungen zu rechnen sei. Gutachter sei Cornelius Kryspin-Exner gewesen, damals seines Zeichens Chef von Nowak-Vogl. Laut Mayr wurden damals aber zusätzlich zu dem Gutachten Stellungnahmen weiterer Ärzte eingeholt. Auch diese hätten darin übereingestimmt, dass nach damaligem Stand keine Nebenwirkungen bei Epiphysan zu erwarten gewesen seien.
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