Wien

vonred
Montag, 6. Februar 2012

Tests an Heimkindern?

  • Malaria-Versuche an Kindern in 60er Jahren. Betroffener erhebt schwere Vorwürfe.

 

Schwere Vorwürfe gegen die Wiener Universitätsklinik: In den 60er Jahren sollen Heimkinder im Rahmen einer Versuchs gezielt mit dem Malaria-Erreger infiziert worden sein. Ein Betroffener berichtet nun von seinem Martyrium.

Wilhelm J. soll in 1964 laut einem Ö1-Bericht zwei Wochen lang bis zu 42 Grad Fieber gehabt haben. Auch in den Jahrzehnten danach will er immer wieder Fieberschübe gehabt haben. Nachgewiesen ist, dass er als Heimkind mit 16 Jahren einen Monat lang in der Klinik Hoff an der Wiener Universitätsklinik war. Die damalige - aus heutiger Sicht sehr fragwürdige - Diagnose lautete "Psychopathie". Er soll daraufhin einen Monat lang mit einer "Malaria-Kur" behandelt worden sein.

Wilhelm J. berichtet weiter, es sei ihm Blut einer anderen Person in einen Muskel injiziert worden. Die behandelnde Ärztin hätte ihm erzählt, dass er Teil eines Versuchs wäre. Da man ihm gedroht hätte, er würde auf eine geschlossene Anstalt in ein Gitterbett verlegt werden, wenn er sich wehren würde, ließ er die Prozedur über sich ergehen.

Gemeinsam mit Ö1 versuchte der Betroffene, an seine Krankengeschichte zu kommen - bisher ohne Erfolg. In den einzigen gefundenen Unterlagen kommt der Begriff "Malaria-Therapie" nicht mehr vor. Der Kinderpsychiater Ernst Berger, der laut Ö1 mit Wilhelm J. gesprochen hat, hält die Aussagen für glaubwürdig. Psychiater und Zeitzeuge Bernd Küfferle bestätigte, dass die Klinik damals versuchte, den Malaria-Erreger in Patienten am Leben zu erhalten, um ihn für die Behandlung von Syphilis verfügbar zu haben.

Wilhelm J. hat einen Antrag auf finanzielle Entschädigung bei jener Kommission gestellt, bei der sich Opfer von Missbrauchsfällen in Wiener Kinderheimen melden können. Der Antrag werde derzeit bearbeitet, sagte Marianne Gammer, Geschäftsführerin des "Weißen Rings". Der Weiße Ring wickelt die Hilfeleistungen ab.

Weiterführender Link
orf.at

6.2.2012 12:52
Autor:red
wrangler109, 07. 02. '12 18:05
Heimkinder
Man wird wahrscheinlich nie erfahren, wieviele daran gestorben sind und es vertuscht worden ist.
Aber die, die das überlebt haben, haben ebenso Anspruch auf lebenslange Entschädigungen, Steuerbefreigungen und auch deren Nachkommen....