Lebens-Art
Kevin, Jacqueline & Co.
- David Pesendorfer über Namen, die im Magen liegen

Als wir selbst Kinder waren, reichte zur Befriedigung unseres Exotikbedürfnisses noch ein Toast Hawaii. Schmelzkäse, Ketchup und Dosenananas, das war der Geschmack der großen weiten Welt. Oder die Geschmacklosigkeit, die wir aus ihr machten. Heute, da wir selbst Kinder haben, sind unsere Globalisierungsversuche weit weniger magenschonend: Kevin, Jacqueline, Phönix, Kimberly mit Verlaub, einfach zum Kotzen!
Aus den jüngsten Babystatistiken sind die Problem-Namen zwar weitgehend verschwunden, ein Gutteil ihrer Träger sind nämlich bereits Teenager. Doch mit ihnen ist auch ihr Stigma gewachsen: "Kevin, das ist kein Name, sondern eine Diagnose", zitiert etwa der "Spiegel" eine deutsche Grundschullehrerin. Der Name stehe symbolisch für Verhaltensauffälligkeit, meint sie. Das ist zynisch.
Ich meine, er steht nur für ein ziemlich populäres Missverständnis: Alle reden von Grenzöffnung, Internationalisierung, dem globalen Dorf warum also sollte mein Kind nicht so heißen wie die Protagonisten amerikanischer Sitcoms? Ja, warum eigentlich nicht? Fix noch einmal, weil das einfach nicht zu meinem Nachnamen passt! Früher nannten wir es noch Toast Hawaii. Heute würden wir es Kevin Pesendorfer nennen.
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