Dancing Stars
Doll doller Dolly
- Vor NEWS vollzog das neue ORF-Betthupferl den privaten Seelenstrip.

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Noch ehe sie den ersten Ausfallschritt im Ball-Room des ORF riskierte, trampelte man ihr schon auf die Zehen. Mit Dolly Busters Verpflichtung zur siebenten Dancing Stars-Staffel (ab 9. Marz, ORF eins), schaumte Niki Lauda, habe das offentlich-rechtliche Niveau seinen Tiefpunkt erreicht. Untergriffe bin ich gewohnt, erwidert die Inhaberin eines Porno-Imperiums und fruhere Horizontalcineastin beim exklusiven NEWS-Interview im Eigenheim im norddeutschen Nest Wesel.
Gelassen nippt die 42-Jahrige am Kaffee, hinter ihr prunkt eine goldene Palme in spatem Bordell-Barock. Ich kann Herrn Lauda verstehen, sauselt sie teuflisch konziliant. Kurze Pause, dann: Es muss fur österreichische Prominente ein Schlag ins Gesicht sein, dass nicht sie, sondern ich gebeten wurde, an der Show teilzunehmen.
NEWS: Frau Buster, waren Sie erstaunt, als der ORF anrief und Sie zur Teilnahme an der TV-Show Dancing Stars einlud?
Dolly Buster: Ich fühlte mich geehrt, da ich diese Show cool finde und sie in einem öffentlich- rechtlichen Sender stattfindet. Die sind für mich seriös.
NEWS: Manche, etwa Niki Lauda, empfinden Sie hingegen für einen öffentlich rechtlichen Sender als nicht seriös genug.
Buster: Daruber kann ich mich nur amüsieren. Poltern gehört zum Showgeschaft dazu. Wenn Conchita Wurst mitgemacht hätte, dann hatte man sich über sie erregt. So regt man sich uber mich auf. Auch wenn dabei alles in einen Topf geworfen wird und diese ganze undifferenzierte Brühe über meinem Kopf ausgeschüttet wird letztlich ist der Wirbel gut fur mich. Mir tun allein die anderen Kandidaten leid, fur die sich niemand mehr zu interessieren scheint. Deren Fotos werden neben meinen ja nur mehr in Briefmarkengröße abgedruckt. Das ist unfair.
NEWS: Steigt die Doppelmoral von Männern direkt proportional zum Alter?
Buster: Tatsache ist: Wenn ich Autogrammstunden gebe oder durch die Stadt gehe, interessieren sich ausschließlich junge Menschen, dabei vor allem Frauen, fur mich. Die haben keine Beruhrungsängste. Ältere gucken mich hingegen eher bösartig an. Da kommt es auch zu Verbalattacken. Wobei, Untergriffe bin ich gewohnt. Man kann mich nicht verletzten. Mir tut einzig weh, dass jeder Diskussion die Sachlichkeit fehlt. Alles, was ich tue, wird kommentiert. Dazu fühlt sich anscheinend jedermann berufen. Und alles wird miteinander vermischt, so wie es einem gerade in die Argumentation passt.
NEWS: Nach Ihrer Teilnahme an der RTL-Show Ich bin ein Star Holt mich hier raus! haben Sie gemeint, Sie ließen sich immer wieder zu Blödsinn überreden, der Ihnen im Nachhinein leid täte. Keine Angst, auf dem ORF-Parkett zu scheitern?
Buster: Das Dschungelcamp war eine Show, für die ich mich rechtfertigen musste. Das ist bei Dancing Stars nicht der Fall. Ich könnte jetzt natürlich Floskeln von mir geben, dass ich mich auf die Herausforderung freue, tanzen zu lernen, blablabla
Aber das wäre gelogen. Hatte ich jemals tanzen lernen wollen, hatte ich es längst getan und nicht gewartet, bis man mich zu Dancing Stars einlädt.
NEWS:: Ehrliche Worte. Vielleicht können viele mit Ihrer Offenheit nicht umgehen?
Buster: Ich denke, es ist neu, dass jemand ungeschont und ungehemmt sagt, was Sache ist. Wir leben noch immer in einem Zeitalter, wo schöne Worte Hochkonjunktur haben. Jemand, der die Fassade unserer heilen Welt zum Bröckeln bringt und offenlegt, was sich dahinter verbirgt, erregt die Gemüter. Der passt nicht ins Bild, gegen den wird gehetzt. Häufig werde ich mit Vorwürfen konfrontiert, die vollkommen aus der Luft gegriffen sind und mit mir gar nichts zu tun haben. Diese Mentalität, gegen alles Andersartige zu hetzen, das ist noch immer in den Köpfen der Mitteleuropäer drinnen. Hetze hatten wir schon einmal. Und die Dynamik des Mitlaufertums, die Hetze erzeugt, ebenfalls. Wir wissen, wie beides endet. Zugegeben, da bekomme ich Angst. Nicht um meine Person, sondern um unsere Gesellschaft.
NEWS: Dabei wären Sie ein Paradebeispiel für eine Frau mit Migrationshintergrund, die ihr eigenes Firmenimperium aufgebaut hat. Buster: In Tschechien wird gerade diskutiert, ob ich mich, aufgrund der freien Wahlen, als Kandidatin für die Prasidentschaftswahl aufstellen lassen soll. Ohne mein Zutun heißt es, Dolly soll auf die Prager Burg! Natürlich will ich das gar nicht, aber es zeigt, wie unkompliziert die Tschechen mit meinem Karriereweg umgehen. Im Gegensatz zu den Deutschen.
NEWS: Immerhin kennen 98 Prozent der Deutschen Ihren Namen. Würden Sie sich als emanzipierte Frau bezeichnen?
Buster: Emanzipation ist ein überholter Begriff, für mich so etwas wie Selbstverständlichkeit. Gerade Frauenrechtlerinnen haben mir gegenüber oft Vorurteile. Erst wenn sie mich besser kennen, revidieren sie diese. Ich bin sicher keine Frau, die versucht, ein besserer Mann zu sein, um in einer von Männern dominierten Welt Erfolg zu haben. Karriere darf sich nicht an der Kürze des Rocks und an der Höhe der Absätze bemessen lassen. Ich wollte nie andere von mir überzeugen, sondern bloß sein, wie ich bin. Die Leute sollen sich dann ihre eigene Meinung bilden.
NEWS: Denken Sie, dass man ein falsches Bild von Ihnen hat?
Buster: Das meiste ist eine verzerrte, einseitige Darstellung meiner Person. Solange ich medial existiere, wird es diese Verzerrungen geben. Das ist der Preis, den ich zahlen muss. Das ist mir klar. Ich wollte immer berühmt werden und habe gerne Kontakt zum normalen Publikum, zu normalen Menschen. Da habe ich Spaß dran. Keinen Spaß habe ich an Interviews, die so geschnitten werden, dass exakt das Gegenteil von dem herauskommt, was ich gesagt habe. Da denke ich mir, lange mache ich dieses Spiel nicht mehr mit
NEWS: Sie investierten Ihre Energie in die Karriere. Sind Sie ein Burnout-Kandidat?
Buster: Ich stehe gerade kurz davor. Dabei haben die Proben zu Dancing Stars noch gar nicht begonnen. Ich war vor Jahren mit dem konfrontiert, was man heute Burnout nennt, denn ich bin eine zwanghafte Perfektionistin. Ich musste mir eine Auszeit nehmen und diese Krankheit zuhause ausstehen. Diese Erfahrung war dramatisch, aber sie hilft mir heute, den Moment zu erkennen, wann ich die Notbremse ziehen muss. Ich weiß jetzt schon, dass auch bei den Dreharbeiten zu Dancing Stars der Punkt kommen wird, wo ich in mein Hotelzimmer renne und sage, Ich breche ab. Das ist keine Allüre, sondern bloß Selbstschutz.
NEWS: Sie heißen eigentlich Nora Baumberger. Verstecken Sie hinter Dolly Buster Ihre eigentliche Persönlichkeit?
Buster: Dolly Buster ist keine Kunstfigur. Ich habe keine unterschiedlichen Persönlichkeiten. Ich gebe mich eins zu eins. Das geht auch gar nicht, da ich eine Person bin, die von den meisten sofort erkannt wird. Verona Pooth hat abseits des TV-Studios fast keinen Wiedererkennungswert. Ich hingegen falle auf: die blonden Haare, meine Brust ist groß
Da kann ich nicht etwa im Supermarkt sagen, Moment mal, heute bin ich nicht Dolly Buster, sondern Frau Baumberger. Das würde niemand verstehen, und das würde ich auch gar nicht wollen. Wobei, mittlerweile wünsche ich mir ab und zu, nicht immer auf dem Präsentierteller zu liegen. Ich kann nichts tun, ohne dass es öffentlich ist. Das ist nicht immer lustig. Das ist ein enormer Druck.
NEWS: Welchen Druck erfahren Sie als Unternehmerin punkto Weltwirtschaftskrise?
Buster: Wir befinden uns in einer Zeit, in der es bergab geht. Aber letztens habe ich gehört, dass die Österreicher 2011 mehr konsumiert haben als zuvor. Das finde ich sehr sympathisch und klug, denn die Deutschen machen das nicht. Sobald hierzulande eine Negativmeldung über den Äther geht, machen die Leute die Geldbörse zu. Mit dem Resultat, dass sie erst recht untergehen. Wirtschaftlich totgestellt ist erst recht gestorben.
NEWS: Ihre Expertise für Liebe, Sex und Zärtlichkeit anno 2012?
Buster: Liebe ist einer der höchsten Werte, die wir haben, und man darf Liebe nicht automatisch mit Sex gleichsetzen. Was die Erotik betrifft, kann ich gar nicht sagen, ob wir over- oder underfucked sind. Beides ist schlecht. Letztens habe ich einen Bericht gesehen, in dem Nutten berichten, dass der Konsum zurückgeht. Ist das ein Zeichen der Wirtschaftskrise? Wenn ja, erklärt das den Frust, den wir verspüren. Frustration resultiert aus Mangel an Sex. Sex wird ja heute mehr zerredet als praktiziert. Ich bin sehr misstrauisch, wenn Menschen viel über ihr Sexleben erzählen, denn das sind meist Leute, die in den seltensten Fällen Sex haben.
NEWS: Ist Tanz eine Form der Erotik?
Buster: Sicher. Aber ich bin die schlechteste Tänzerin der Welt. Eigentlich mag ich Tanzen nicht. Diese bodenlangen Kleider finde ich furchtbar. Und Walzer ist doch spießig, oder? Das alles zusammen demonstriert für mich etwas sehr Altmodisches, das ich im Grunde genommen ablehne. Ich weiß, dass ist nicht die beste Voraussetzung für einen Sieg bei Dancing Stars. Dazu kommt, dass der Mann führt. Das geht für mich gar nicht. Ich war bisher gewohnt, die Regie zu übernehmen. Vielleicht klappts ja, wenn ich eine besonders devote Haltung einnehme.
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