Griechenland
Neue Milliarden gesucht
- Nächstes Rettungspaket muss laut EU-Diplomaten größer sein als angenommen

·Geld für Essen fehlt
Schüler in Ohnmacht gefallen - Regierung verteilt Lebensmittelcoupons
·Kein Schuldenerlass
Verhandlungen mit Banken vorerst beendet - Athen wehrt sich gegen Überwachung
Die internationalen Geldgeber brauchen für ein neues Rettungspakt für das hochverschuldete Griechenland mehr Milliarden als bisher angenommen. Extra-Mittel seien nötig, da die Wirtschaft in dem Krisenland schlechter laufe als erwartet, sagten EU-Diplomaten in Brüssel.
Das neue Paket könnte einen Umfang von 145 bis 150 Mrd. Euro haben. EU und Internationaler Währungsfonds (IWF) waren bisher von 130 Mrd. Euro ausgegangen. Die "Troika" mit Experten von Kommission, IWF und Europäischer Zentralbank (EZB) verhandelt derzeit in Athen über die neuen Hilfen.
Diplomaten berichteten, dass die Kommissionsvertreter in der Troika mehr auf die Budgetsanierung pochten, während die IWF-Mitglieder auf Strukturreformen drängten. Umstritten sind demnach vor allem Lohnkürzungen.
Schuldenschnitt reicht nicht
Deutlich sei inzwischen, dass die Einbeziehung von Banken und Versicherungen - sie nehmen einen Schuldenschnitt hin - nicht ausreicht, um Griechenland auf die Beine zu bekommen. "Die Privatsektorbeteiligung reicht nicht aus, um den Schuldenstand bis zum Ende des Jahrzehnts auf 120 Prozent der Wirtschaftsleistung zu drücken", sagte ein Experte.
Die Geldgeber setzen darauf, dass auch die EZB und nationale Notenbanken an Bord kommen. Da die EZB griechische Staatsanleihen unter Marktwert gekauft habe, könnte sie auf künftige Gewinne verzichten. Das Vorhaben ist aber heikel, da die Notenbanken unabhängig sind und von der Politik nicht gezwungen werden können, bei der Griechenland-Rettung mitzuziehen. Der Schritt müsste also freiwillig sein.
Neues Paket erst nach Verhandlungen
Griechenland hat bereits ein Paket mit einem Umfang von 110 Mrd. Euro, das aber nach Einschätzung der Euro-Finanzminister aus dem Ruder gelaufen ist, weil sich Athen nicht an Vereinbarungen hielt. Das neue Paket kann erst endgültig geschnürt werden, wenn in Athen die Verhandlungen zwischen Bankenvertretern und der Regierung beendet werden. Das soll in den nächsten Tagen geschehen.
Die EU-Staats- und Regierungschefs hatten die Kassenhüter aufgefordert, das neue Hilfspaket rasch zu billigen. Damit wird Anfang kommender Woche gerechnet.
