Causa Grasser

vonapa/red
Dienstag, 31. Jänner 2012

Ex-Finanzminister massiv belastet

  • Verdacht auf Schmiergeld. Polizei sieht Schwiegermuttergeschichte widerlegt

 

Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser wird in einem dem "Falter" zugespielten Dossier von der Wirtschaftspolizei schwer belastet. Grasser habe bei den Einvernahmen die Widersprüche, die sich aus den bisherigen Kontenöffnungen, Treuhand-Unterlagen und Verhören ergeben hätten, "nicht aufklären" können. "Seine Aussagen sind großteils realitätsfremd und stimmen mit dem Erhebungsergebnis nicht überein", zitiert die Wiener Wochenzeitung in ihrer am Mittwoch erscheinenden Ausgabe. Grasser versuche sich mit falschen Angaben über sein Vermögen "der strafrechtlichen Verfolgung zu entziehen."

Auf drei Konten wollen die Ermittler Bestechungsgeld gefunden haben: Auf einem Konto bei der Meinl Bank, das der Treuhandfirma Ferint AG gehört, auf einem Konto bei der Raiffeisenlandesbank Liechtenstein, das der Treuhandfirma "Mandarin" mit Sitz in Belize gehört, und auf einem Konto bei der Hypo-Bank Liechtenstein mit der Nummer "15444", das von seinen früheren Freunden Walter Meischberger und Ernst Plech verwaltet wurde. Alle drei Konten seien Grasser zuzuordnen, so die Ermittler laut "Falter". Über diese Konten soll der Ex-Finanzminister Schmiergeldzahlungen erhalten haben, wird vermutet. Grasser bestreitet diese Vorwürfe.

Beweismittelfälschung?
Im Zusammenhang mit dem Ferint-Konto, auf das Grasser laut eigenen Angaben 500.000 Euro in bar einbezahlt hat, die er zuvor von seiner Schwiegermutter Marina Giori-Lhota bekommen haben will, hegt die Wirtschaftspolizei auch den Verdacht der Beweismittelfälschung. Ein Vertrag, der beweisen soll, dass das Geld der Schwiegermutter gehört, soll gefälscht sein: "Es besteht der Verdacht, dass dieser Vertrag nachträglich angefertigt wurde, um die Einzahlungen auf das Konto der Ferint AG durch (...) Grasser so darzustellen, als würde das Geld von seiner Schwiegermutter (...) stammen", heißt es laut "Falter im Polizeibericht. Grasser sei auch mehrere Male aufgefordert worden, das Original beizubringen, was aber bisher nicht geschehen sei. "Es besteht der Verdacht, dass dass der Originalvertrag deshalb nicht vorgelegt wurde, um eine etwaige kriminaltechnische Untersuchung bzw. Altersbestimmung des Dokuments nicht zu ermöglichen", heißt es weiter.

Schwiegermuttergeschichte "äußerst unglaubwürdig"
Grasser, so die Ermittler, habe als Finanzminister der Republik Österreich jedenfalls nicht über ein solches Einkommen verfügt, welches Einzahlungen in dieser Höhe plausibel machen würde. Es seien "weder die Herkunft, noch der wirtschaftliche Hintergrund der Einzahlungen in der Gesamthöhe von 570.000 Euro (...), welche Mag. Karl-Heinz Grasser zuzuordnen sind" geklärt. Für die Wirtschaftspolizei erscheint die Rechtfertigung Grassers, seine Schweigermutter sei die wirtschaftlich Berechtigte, aufgrund des Ermittlungsergebnisses als "äußerst unglaubwürdig". Grassers Verhalten ziele hingegen vielmehr darauf ab, seine wirtschaftliche Berechtigung geheim zu halten.

Ratlosigkeit über Herkunft der Gelder
Auch hinter dem "Mandarin"-Konto und dem "15444"-Konto soll laut den Ermittlern in Wahrheit Grasser stehen. Über die Herkunft der Gelder auf dem "15444"-Konto sind sie dagegen noch ratlos: "Die Herkunft der Mittel konnte bis dato nicht geklärt werden", so das Bundeskriminalamt laut "Falter".

Weitere Ermittlungen
Wie der "Falter" weiters berichtet, wird nun auch gegen Meinl-Bank-Vorstand Günter Weiß und Grassers Treuhänder Heinrich Schwägler ermittelt. Weiß soll Grasser in puncto Schwiegermuttergeld durch eine falsche Zeugenaussage gedeckt haben, so der Vorwurf. Auch Schwägler soll falsch ausgesagt haben. Die Meinl Bank weist die Vorwürfe zurück, Schwägler war für den "Falter" für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Die Wirtschaftspolizei ist laut "Falter" am Ferint-Konto auch in anderer Sache fündig geworden. Sie habe dort 13 Millionen Euro entdeckt, die angeblich der Mutter des Grasser-Treuhänders Heinrich Schwägler gehören sollen. In Wahrheit, so die Wirtschaftspolizei, seien die Millionen aber dem Bankier Julius Meinl zuzuordnen. Die Meinl Bank bestätigte gegenüber dem "Falter", dass die Meinl Bank das Ferint-Konto treuhänderisch für einen Immobiliendeal benutzte.

Grasser stärker im Visier bei Terminal Tower
Bei den Ermittlungen rund um Korruptionsverdacht bei der Einmietung der Finanz im Linzer Terminal Tower gibt es laut einem Bericht der Tageszeitung "Standard" (Mittwochausgabe) einen neuen und "schwerwiegenden" Schmiergeldverdacht. Unter Mitwirkung von Immobilienmakler Ernst Karl Plech soll für die Einmietung ein "Einmalbetrag von 700.000 Euro" zugunsten von Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser (V) geflossen sein, schreibt die Zeitung in der Mittwochausgabe unter Berufung auf ihr vorliegende Dokumente.

Laut dem Zeitungsbericht hegt die Justiz den Verdacht der Untreue, der Geschenkannahme durch Beamte (Beihilfe) und Bestechung, indem man "Grasser den dargelegten Vermögensvorteil für die Vornahme eines pflichtwidrigen Amtsgeschäftes gewährt" habe. Die Justiz untermauert ihre Sicht der Dinge mit einer Chronologie aus dem Schlussbericht der Internen Revision im Finanzministerium. Für alle Genannten gilt die Unschuldsvermutung

31.1.2012 20:39
Autor:apa/red
abuklaus, 01. 02. '12 00:14
Zollbestimmungen
Dachte dass man Beträge über € 10.000,00 deklarieren muss. Oder gilt das nur für Otto Normalverbraucher?
higgs70, 01. 02. '12 08:03
Re: Zollbestimmungen
Gilt wahrscheinlich für alle, die keinen Diplomatenpässe besitzen;-))

Das ist nämlich das Schöne am österreichischen Staat,er stellt durch laxe Judikatur für Unterschleif im Amt nicht nur die Möglichkeit zur Selbstbereicherung zur Verfügung,sondern mit Diplomatenpässen für jedermann auch gleich die Schutzmechanismen vor Strafverfolgung,
eine durchaus runde Sache.
War-Lord, 31. 01. '12 23:18
Hausdurchsuchung...Hausdurchsuchung...und wieder Hausdurchsuchung...!!!
bin wieder für 5 unangekündigte Hausdurchsuchungen...auch zur Abwechslung bei der Schwiegermami...die hatte eh schon lange keine mehr *grins... Wie wär s mit Ostern, zum Geburtstag, Weihnachten, Silvester und eine noch zwischendurch *gg
technik01, 31. 01. '12 21:53
schlecht gelaufen mit der Schwiemu
das auch die Schwiegermutter von Herrn Grasser gelogen haben dürfte ist dann mit einer Strafe von? bis zu hinterfragen oder? Schließlich deckt die Dame dann ja eine Straftat oder?
cocobeach, 31. 01. '12 21:13
Bananenrepublik
unabhängige Justiz ? uuups !
Gewaltenteilung ? hmmh ?
Rechtsstaatlichkeit ? was ?
Mobuto, Gadaffi und Konsorten lassen grüßen
...ich frage mich schon , was noch alles passieren muss, bis dieses arrogante A...(andersartige Wesen) endlich "in Häfn" geht ! Der Champagner ist jedenfalls seit langem eingekühlt !
Liebe Herren/Damen Richter und Staatsanwälte wacht endlich auf und rettet am Image der Justiz , was noch zu retten ist !
HC-Krache, 31. 01. '12 20:08
Verdammt noch einmal! Hier geht es schon längst nicht mehr um Grasser!
Sondern viel mehr um einen nicht funktionrierenden Rechtsstaat! Dieser Eiertanz (bewusst verzögernde Ermittlungen, keine U-Haft, keine Kontoöffnungen, verschwundene Akten in Lichtenstein, Berichterstattung der Staatsanwälte an das Justizministerium was gleich kommt wie ein direkter Bericht an die ÖVP Zentrale, immer noch ein Diplomatenpass, offen zur Schau gestellte Freundschaftsbeziehung der EX-Justizministerin zum Anwalt der ehrenwerten Gesellschaft usw) um einen "WAHRSCHEINLICH" kriminell korrupten Politiker ist ein Staatsstreich (AMTSMISSBRAUCH!!!) von ganz oben.........und das ist der eigentliche SKANDAL!!!!!
torkwato, 31. 01. '12 20:32
Re: Verdammt noch einmal! Hier geht es schon längst nicht mehr um Grasser!
Stimmt. Auch für "Falter" und die Wirtschaftspolizei gilt die Unschuldsvermutung. Dass Ermittlungsdossiers (lange vor rechtskräftigen Urteilen) bestimmten Medien "zugespielt" werden, geschieht wohl aus reinem Altruismus? Vielleicht gibt es auch hier Gegenleistungen: Geld, gute Presse, Befriedigung von Eitelkeiten und Geltungssucht, Begleichung alter Rechnungen, Aussicht auf Auflagensteigerung etc. Zu einem funktionierenden Rechtsstaat gehört auch das nicht, was immer man Grasser vorwerfen mag.
HC-Krache, 01. 02. '12 05:21
Antwort > torkwato
Sie haben Recht dass es zu einem funktionierenden Rechtsstaat zu keiner (vorher) Verurteilung durch die Presse kommen darf. "ABER" wenn es zum Beispiel den Falter u. andere mutige Jornalisten nicht gäbe, hätten wir nie erfahren, dass Staatsanwalt Walzi von der Wiener Staatsanwaltschaft eine Anzeige gegen den damaligen Innenminister Strasser wegen Amtsmissbrauch bis zur Verjährung ganz bewusst nicht verfolgte. Das wurde übrigens auch der Presse illegal (war das Geltungssucht oder Eitelkeit wie sie meinen?) zugespielt. Kein Wunder dass Österreich im Korruptions-Ranking mit solchen Staatsanwälten ganz nach unten rutschte und das Vertrauen der Bevölkerung in den Rechtsstaat im Keller ist.
Finanzbeamter, 31. 01. '12 19:49
Unschuldsvermutung
Grasser ist genauso unschuldig wie meine Katze, der noch die Federn aus dem Maul schauen, am Tod eines Spatzen. Wenn er während seiner Amtszeit nicht so überheblich arrogant gewesen wäre, hätte er bemerkt, dass die Finanz schon mehrere Steuersünder aus dem Steuerparadies Liechtenstein wieder nach Österreich gezerrt hat, und dies zu Zeiten, wo Karl Heinz noch zur Schule ging. Aber mit subalternen Beamten hat er sich nicht abgegeben. Er hat sich auf Roadshows, in Monaco, Paris und Brüssel viel wohler gefühlt. Das war der Duft der "großen weiten Welt", in die zu gehören glaubte. Vielleicht wird er den Duft der großen weiten Welt bald mit dem Mief einer Zelle tauschen?