Schottland

vonapa/red
Montag, 30. Jänner 2012

Braveheart, Teil zwei

  • Regierende Nationalpartei will sich von London lösen - Volk soll 2014 entscheiden

 

Der schottische Freiheitskämpfer William Wallace (bekannt aus dem Film "Braveheart") wird sich dieser Tage wohl im Grab umdrehen - vor lauter Freude: Die regierende schottische Nationalpartei SNP treibt ihre Unabhängigkeitsbestrebungen weiter voran. Geht es nach der SNP, sollen die Schotten in der zweiten Hälfte 2014 über ihre Unabhängigkeit von Großbritannien abstimmen. In London ist man höchst besorgt.

Ein Abspaltung Schottlands wäre für die Zentralregierung in London ein Horrorszenario. Nicht weil die Engländer die Schotten besonders lieb haben, vielmehr stehen wirtschaftliche Interessen im Vordergrund: Die Steuereinnahmen aus dem erdölreichen Schottland fließen allesamt nach London und werden dort neu verteilt. Edinburgh glaubt, dabei zu kurz zu kommen. London hingegen argumentiert, Schottland bekomme mehr Mittelzuweisungen aus London als andere Regionen Großbritanniens. "Lasst uns unser Land zusammenhalten", flehte Premierminister David Cameron Anfang Jänner die Abgeordneten im Parlament geradezu an.

Auch Labour-Partei besorgt
Auch der Chef der führenden britischen Oppositionspartei Labour, Ed Miliband, hat am Montag in Glasgow einen Appell an die Schotten gerichtet. "Die Fortschrittsbemühungen der Schotten sind am besten innerhalb des Vereinigten Königreichs aufgehoben", sagte Miliband in Richtung der "arbeitenden Menschen" in Schottland. Die Leute sollten sich nicht von SNP-Anführer Alex Salmond (im Bild) beirren lassen.

Milibands große Befürchtung: Kämen ihm seine schottischen Abgeordneten im britischen Unterhaus abhanden, wäre die Mehrheit der Konservativen um Premier Cameron wohl auf Jahre einzementiert.

Salmond lässt sich davon nur wenig beeindrucken. Vergangene Woche hat er erstmals konkrete Pläne für die schottische Unabhängigkeit vorstellt. Demnach sollen die rund fünf Millionen Schotten in der zweiten Hälfte 2014 folgende Frage in einem Volksentscheid beantworten: "Stimmen Sie zu, dass Schottland ein unabhängiges Land sein soll?"

Auch wirtschaftliche Unabhängigkeit denkbar
Ein Sprecher von Salmonds linksliberaler Nationalpartei SNP (Scottish National Party) machte später allerdings deutlich, dass bei dem Referendum eine zweite Frage gestellt werden könnte, die nicht die volle Unabhängigkeit, sondern nur ein Maximum an wirtschaftlicher Selbstständigkeit beinhalte. "Das ist nicht unsere Politik, aber wir sind offen dafür, wenn es etwa Kräfte aus der Wirtschaft oder von gemeinnützigen Vereinigungen wollen", sagte der SNP-Sprecher. Der Konsultationsprozess endet am 11. Mai. Bis dahin sind weitere innenpolitische Gefechte mit London programmiert.

Die SNP hatte mit dem Thema Unabhängigkeit im Mai 2011 die Regionalwahl in Schottland mit einem Erdrutschsieg für sich entschieden und die absolute Mehrheit im Regionalparlament in Edinburgh geholt. Seitdem treibt Ministerpräsident Alex Salmond eine Entscheidung zu einer Abspaltung vom Vereinigten Königreich voran. Schottland wolle als souveräner Staat alleine entscheiden können, aber die Queen als Staatsoberhaupt sowie das britische Pfund als Währung behalten.

30.1.2012 17:41
Autor:apa/red