WKR-Ball
"Wir sind die neuen Juden"
- FPÖ-Chef Strache beklagt sich über Angriffe auf Burschenschafterbuden

·"Bin kein eitler Pfau"
FPÖ-Chef Strache meldet sich zu Sparpaket und seinem Orden zu Wort
·Uniform verboten
Verteidigungsminister Norbert Darabos verweigert die nötigen Bewilligungen
Nach den Protesten gegen den WKR-Ball in Wien ist FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache erneut in die Opferrolle geschlüpft: "Wir sind die neuen Juden", soll sich Strache laut einem Medienbericht zu später Stunde gegenüber Ballgästen beklagt haben. Die Angriffe auf Burschenschafter-Buden vor dem Ball seien "wie die Reichskristallnacht gewesen", so Strache. Klaus Nittmann, Geschäftsführer des FPÖ-Bildungsinstituts, soll noch ergänzt haben: "Unternehmen, die für den Ball arbeiten, bekommen den Judenstern aufgeklebt."
In der FPÖ sieht man die inkriminierten Sager, über die "Der Standard" berichtet hatte, "verzerrt dargestellt". Strache habe lediglich gemeint, dass es "methodisch an die grausamen Berichte über die unselige NS-Zeit erinnere, wenn Studentenhäuser mit Brandsätzen attackiert und Menschen verleumdet, tätlich angegriffen und geradezu gejagt würden", äußert sich Generalsekretär Vilimsky in einer Aussendung. In keiner seiner Aussagen habe Strache das Leid, das den Juden angetan wurde, relativieren wollen, so der FPÖ-General.
Kritik von SP, VP, Grünen und ÖH: "Absurdes Geschichtsbild"
Scharfe Kritik über das Strache zugeschriebene "Neue Juden"-Zitat kommt von SPÖ, Grünen und der Österreichischen HochschulerInnenschaft (ÖH): "Die Vergleiche sind geschmacklos und zeugen vom verfälschten Geschichtsverständnis innerhalb der FPÖ", so das ÖH-Vorsitzteam in einer Aussendung. "Strache verhöhnt die Millionen Opfer des Holocaust sogar am internationalen Gedenktag auf widerwärtigste Art und Weise. Wer solche Aussagen tätigt, ist in einer Demokratie unwählbar."
Strache propagiere ein "absurdes Geschichtsbild", das vor "verharmlosender Relativierung der NS-Gräuel" nur so strotze, meinte Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas am Montag. Die Grüne Klubobfrau Eva Glawischnig zeigte sich zutiefst erschüttert. "Er hat jegliche Legitimation als Politiker verspielt", sagte sie vor Journalisten. Strache sei "für das österreichische Parlament absolut untragbar". Die ÖVP empfiehlt Strache Nachhilfe in Geschichte.
Auch in der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) wertet man den Sager als "ungeheuerliche Provokation". Für Strache könnte die Geschichte auch strafrechtlich heikel werden: Die IKG will der Staatsanwaltschaft eine entsprechende Sachverhaltsdarstellung wegen Verdachts auf Verstoß gegen das NS-Verbotsgesetz übermitteln und fordert den FPÖ-Chef auf, den Nationalrat um eine Aufhebung seiner Immunität als Abgeordneter zu ersuchen.
Uniform-Verbot: FPÖ-Mandatar droht Strafe
Am Montag wurde zudem bekannt, dass der Besuch des WKR-Balls für den FPÖ-Abgeordneten Elmar Podgorschek Konsequenzen haben könnte: Weil der Hauptmann der Miliz in seiner grauen Ausgehuniform erschienen ist, was von Verteidigungsminister Darabos (S) verboten worden war, droht ihm u.a. eine Verwaltungsstrafe.
Bei den Demonstrationen gegen den WKR-Ball sind am Freitag in Wien 20 Demonstranten festgenommen und neun Personen verletzt worden. An der Kundgebung gegen den Burschenschafterball nahmen nach Polizeiangaben rund 2.500 Personen teil. Die Demo-Organisatoren sprachen von bis zu 10.000 Menschen.
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