Kältewelle

vonapa/red
Donnerstag, 2. Februar 2012

Zwei neue Todesopfer

  • Niederösterreich: 83-jährige erfriert im Wald - Weitere Leiche in Steiermark entdeckt

 

Die sibirische Kälte hat in Österreich zu zwei neuen Todesfällen geführt: Eine 83-jährige Frau ist am Mittwochnachmittag in einem Wald in Niederösterreich erfroren, wie die Polizei berichtete. Unterdessen haben Donnerstagfrüh Schulkinder in einem Park in der Steiermark eine männliche Leiche entdeckt. Da der Tote keine äußeren Anzeichen eines Gewaltverbrechens aufwies, ging die Sicherheitsdirektion vorerst von einem Erfrierungstod aus.

Die 83-Jährige stürzte offensichtlich im Wald im Gemeindegebiet von Langegg (Bezirk Neunkirchen) und schaffte es nicht mehr aufzustehen. Als die Frau innerhalb von zweieinhalb Stunden nicht zurückkehrte, alarmierte ihr Lebensgefährte die Polizei. Eine Stunde später wurde sie gefunden, war aber bei minus neun Grad trotz Winterkleidung bereits erfroren.

Steirer in Park erfroren
In der südsteirischen Grenzstadt Bad Radkersburg entdeckten Schüler gegen 7.30 Uhr im an die Volksschule angrenzenden Park die Leiche eines 50 Jahre alten Radkersburger. Er war als Alkoholiker bekannt. Sie verständigten ihren Klassenvorstand, der wiederum die Polizei alarmierte. Die Todesursache konnte bisher nicht eindeutig festgestellt werden. Die Leiche wies keine sichtbaren Verletzungen auf, Spuren im Schnee müssten erst ausgewertet werden. "Es geht darum zu klären, wie der Mann den Weg von seiner Wohnung in den Park zurückgelegt hat", so ein Polizist. Der 50-Jährige trug keine Winterbekleidung, weder Mantel noch Handschuhe, berichtete die Polizei.

Über 120 Todesopfer in Europa
Den ersten Kältetoten hat es am Montag gegeben. Nach einem nächtlichen Unfall im Gebiet von Herzogenburg (Bezirk St. Pölten) ist ein 72 Jahre alter Mann erfroren. Er war mit seinem Auto in einen Bach gestürzt. Auch in Osteuropa haben die niedrigen Temperaturen bereits zahlreich Menschenleben gefordert. Insgesamt hat der Extremfrost die Zahl der Kältetoten in Europa auf über 120 steigen lassen: In der Ukraine sind bisher 63 Menschen erfroren, wie das Zivilschutzministerium am Donnerstag mitteilte. In Polen starben nach Angaben des Innenministeriums in Warschau bisher 29 Menschen.

Wien: Ansturm auf Notquartiere
Die eisigen Temperaturen sorgten unterdessen für einen großen Andrang auf die Wiener Notschlafstellen. Die Plätze in den Quartieren wurden zum Teil bereits aufgestockt. Auch jenen Obdachlosen, welche die Nächte trotz der Kälte im Freien verbringen, wird geholfen: Sozialarbeiter verteilten auch vergangene Nacht wieder Schlafsäcke oder Decken.

"Der Andrang steigt, aber wir sind gerüstet", versicherte eine Sprecherin des Fonds Soziales Wien (FSW) am Mittwoch. Damit es keine Engpässe gibt, werden derzeit zusätzliche Plätze geschaffen - zehn weitere sind etwa aktuell dazugekommen. Nun gibt es bereits Gespräche zum Beispiel mit dem Roten Kreuz, um bei Bedarf weitere Unterkünfte einzurichten. Insgesamt fördert bzw. betreut der FSW derzeit insgesamt 422 Notquartiersplätze.

"Gruft" fast ausgelastet
Nahezu ausgelastet sind auch die Einrichtung der Caritas, also die "Gruft" unter der Barnabitenkirche in Wien-Mariahilf sowie die zweite Gruft in Wien-Neubau. Laut einem Caritas-Sprecher haben etwa in ersterer vergangene Nacht 75 Personen übernachtet. Restkapazitäten, so betonte er, gebe es aber dort noch.

Trotzdem wird nun vorgesorgt: Die Caritas plant, bis Ende der Woche ein weiteres zusätzliches Winterquartier einzurichten. Dazu gebe es derzeit Gespräche mit der Stadt, wie der Sprecher berichtete. 40 bis 50 Plätze sollen dort zur Verfügung stehen. Wo sich die neue Schlafstelle befinden wird, ist noch nicht fix. Sie solle, so betonte man bei der Caritas, jedenfalls dazu beitragen, dass jeder, der einen Schlafplatz sucht, auch einen findet.

Einige hundert Menschen schlafen im Freien
Zahlreiche Betroffene verbringend die derzeit klirrend kalten Nächte aber trotz des Angebots nicht unter einem schützenden Dach. Laut Caritas dürften es einige hundert Menschen sein, die im Freien, in WC-Anlagen oder in Abbruchhäusern schlafen. Sie werden ebenfalls von Caritas-Mitarbeitern betreut. Die Streetworker verteilen unter anderem Decken oder Schlafsäcke.

Spenden sind nun, so betont die Caritas, wichtiger denn je: Hilfe ist unter anderem durch die Finanzierung eines "Gruft-Winterpakets" möglich. Dieses kostet 50 Euro und besteht aus einem Schlafsack, einem warmen Essen und der Möglichkeit, sich in der Gruft aufzuwärmen. Auch Sachspenden wie warme, waschbare Wolldecken werden benötigt, hieß es.

Allzeit-Kälte-Rekorde an ZAMG Wetterstationen (je Bundesland):

© ZAMG

2.2.2012 12:40
Autor:apa/red