Werbung & Kindersnacks

vonKlara Vakaj
Mittwoch, 23. Mai 2012

Alles nur gelogen

  • Lebensmittel für Kinder: Angeblich gesund. In Wirklichkeit zu süß und zu fett.
Werbung & Kindersnacks • Alles nur gelogen
 

Sie machen Kinder froh, sind ideal für Zwischendurch und so wertvoll wie ein kleines Steak. Geht's darum, den kleinen Konsumenten und ihren Eltern Milchschnitte, Fruchtzwerg und Co. schmackhaft zu machen, kennt die Werbebranche keinen Genierer. Der Haken an der Sache: Der Großteil dessen, was uns die Werbung glauben machen will, ist schlichtweg falsch.

Wichtige Vitamine, viel Milch, wertvolles Getreide... Fast bekommt man den Eindruck, unsere Sprösslinge könnten ohne die angeblich kindergerechten Produkte gar nicht artgerecht aufwachsen. Das Gegenteil ist der Fall: Eine Studie der Universität Hamburg zeigte laut "orf.at", dass 98,2 Prozent der Lebensmittel, die als kindergerecht angepriesen werden, alles andere als gesund sind. Sie enthalten entweder zu viel Fett oder zu viel Zucker. Oder beides. Und noch etwas: Jene Produkte, für die die Werbetrommel am lautesten rührt, sind in der Regel die ungesundesten.

Gar nicht gesund
Dass die auf Kinder zugeschnittenen Lebensmittel oft alles andere als gesund sind, belegte bereits eine Studie der Arbeiterkammer aus dem Jahr 2009. Getestet wurden 41 Produkte, darunter Fruchtzwerge von Danone, Monte von Zott, Paula von Dr. Oetker, die allbekannte Milchschnitte, Kinder Pingui, der Kinderkäse kiri mit Joghurt von Fromagerie Bel und Knabbernossi Minis. Sechs der 41 Lebensmittel verzichteten von vornherein auf eine Nährwertkennzeichnung.

Zu fett und zu süß
Über zwei Drittel (24 der 35 beurteilten Produkte) hielten der ernährungswissenschaftlichen Bewertung nicht stand und wurden als nicht empfehlenswert eingestuft. 14 Prozent (fünf Produkte) wurden als bedingt sinnvoll beurteilt. Und nur sechs erwiesen sich als tatsächlich sinnvoll. Bei 54 Prozent war der Zuckergehalt zu hoch, bei 34 Prozent der Fettgehalt, bei elf Prozent der Salzgehalt. Zudem enthielten 92 Prozent der getesteten Lebensmittel diverse Zusatzstoffe. Darunter Farbstoffe, die im Verdacht stehen, Allergien auszulösen und zu Hyperaktivität beizutragen.

Essverhalten in Kindheit geprägt
Die Ergebnisse dieser Studie sind umso besorgniserregender, bedenkt man, dass gerade die frühe Kindheit für das spätere Ernährungsverhalten prägend ist. Während dieser Phase eingeübte Ernährungsgewohnheiten bleiben oft bis ins Erwachsenenalter bestehen. Wer sich demnach schon als Kind an stark verarbeitete, aromatisierte Fertigprodukte gewöhnt, wird die selbst zubereitete Mahlzeit später mal vermutlich naserümpfend beiseiteschieben.

Naive Konsumenten
Trotzdem werden die bunten Joghurtbecher, die kleinen Käselaibe und dergleichen gern von Groß und Klein gekauft. Warum? Weil wir's nicht besser wissen. Einer vom deutschen Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) in Auftrag gegebene Umfrage zufolge glauben 40 Prozent der Befragten, dass der Zucker-, der Fett- und der Salzgehalt in Kinderlebensmitteln den Bedürfnissen der Kids angepasst sind. Und die Kinder? Die können bis zum fünften Lebensjahr erwiesenermaßen gar nicht zwischen Werbung und anderen Inhalten unterscheiden.

Weiterführende Links
AK-Test Kinderlebensmittel
Kinderlebensmittel-Test des deutschen Verbraucherzentrale Bundesverband
abgespeist.de
orf.at

23.5.2012 15:52
Autor:Klara Vakaj
geronimo75, 27. 01. '12 13:18
Gesunde Menschen bieten geringe Absatzmärkte
Wer heutzutage immer noch glaubt, dass industriell angefertigte Nahrungsmittel wirklich einwandfrei sein und keine versteckten Krankheitserreger enthalten können, der hat die Profitgier so mancher Großkonzerne immer noch nicht durchblickt. Das Böse daran ist einzig und alleine, dass man dagegen gar nichts unternehmen kann. - somit gelte die mit Vorsicht zu geniessende Unschuldsvermutung.