Australian Open

vonapa/red
Sonntag, 29. Jänner 2012

"Queen Victoria"

  • Wiktoria Asarenka muss ihren Triumph erst verdauen. Wie lange hält sie sich an der 1?

 

Mit einem glatten 6:3,6:0-Erfolg über die routiniertere Maria Scharapowa hat sich Wiktoria Asarenka am Samstag in Melbourne zur neuen Nummer 1 des Damen-Tennis gemacht. Die erst 22-jährige Weißrussin, die schon seit einiger Zeit als möglicher neuer Superstar gehandelt wird, hat mit ihrem ersten Grand-Slam-Titel bei den Australian Open eine in den letzten Jahren außergewöhnliche Serie fortgesetzt. Alle vier aktuellen Grand-Slam-Siegerinnen haben ihren jeweils ersten Major-Titel inne.

Li Na bei den French Open in Paris, Petra Kvitova in Wimbledon und Sam Stosur bei den US Open in New York - und nun Asarenka in Melbourne. Die Zeiten der Seriensiege bei Grand Slams sind im Damentennis offenbar vorerst vorbei. Die Suche nach der wahren Nummer 1 im Damentennis geht weiter, denn abgesehen von Serena Williams gab es in den vergangenen Jahren immer wieder nur kurze Regentschaften oder wegen des fehlenden Major-Titels Diskussionen um die aktuellen Weltranglisten-Leaderinnen.

Wie lange hält sich Asarenka an der Spitze?
Asarenka hat mit dem ersten Triumph bei einem der vier Slams gleich zwei Fliegen auf einen Schlag erlegt. Ob Asarenka, die im Halbfinale auch die am Jahresende endgültig zurücktretende Kim Clijsters (BEL) ausgeschaltet hat, nun die Wachablöse ist oder ebenfalls nur ein Intermezzo darstellt wird, werden wohl schon die nächsten Monate weisen. Tatsache ist, dass so manche Spielerin am Druck der Nummer eins zerbrochen ist: Dinara Safina zum Beispiel, die mittlerweile ihren Rücktritt erklärt hat. Schwierigkeiten nach ihrem French Open-Titel 2008 und der Nummer-1-Position hatte auch Ana Ivanovic, auch ihre serbische Landsfrau Jelena Jankovic hielt sich nur 18 Wochen auf dem "Thron".

Weißrussland liegt ihr zu Füßen
Schon wurde Asarenka von der australischen Tageszeitung "Herald Sun" zur "Queen Victoria" erklärt, sie hat jedenfalls das Werkzeug zur neuen Tennis-Königin. In Weißrussland wird sie freilich als Nationalheldin geehrt. Der autoritäre Staatschef Alexander Lukaschenko verlieh ihr den drittwichtigsten Orden des Landes und schrieb in einem Telegramm: "Mit deinem heißen Tennis-Kampf hast du im Jännerfrost unsere Herzen angezündet." Die frisch gebackene Australian-Open-Siegerin ist jedenfalls die erste Vertreterin ihres Landes, die im Einzel ganz oben steht.

Asarenka muss es erst begreifen
Ein Umstand, den Asarenka erst einmal verdauen muss: "Gleich nach dem Sieg habe ich nicht verstanden, was da gerade passiert. Ich konnte nicht glauben, dass das Turnier vorbei ist. Der Weg seit Sydney war so lang", beschrieb sie ihre Gefühle nach dem verwerteten Matchball gegen Scharapowa. Für den Rest des Jahres 2012 hat die nach den Titeln in Sydney und Melbourne nun seit zwölf Matches Unbesiegte noch einiges vorgenommen: "Ich muss einfach so weitermachen wie bisher und ich möchte mich weiter verbessern." Schritt für Schritt möchte sie es nehmen, denn das Jahr werde noch sehr lange dauern.

Auch als Persönlichkeit hat sich Asarenka weiterentwickelt, erzählte sie. "Ich bin ein anderer Mensch, wenn ich nicht auf dem Platz stehe. Manche Leute beurteilen dich danach, wie du dich auf dem Platz verhältst, darum ist es wichtig, dass ich mich öffne und einfach ich selbst bin."

29.1.2012 12:49
Autor:apa/red