Drive
Kultverdächtiger "Drive"
- Rasanter Action-Thriller mit Shooting-Star Ryan Gosling überzeugt und fesselt
·Die Vergessenen
Die Nominierungen wurden verkündet, doch diese Top-Favoriten gingen leer aus
·Nichts für Idealisten
Clooneys zynisches und realitätsnahes Polit-Drama mit brillantem Ryan Gosling
Bei den Oscars als auch bei den Golden Globes wurde an Drive vorbeinominiert bzw. prämiert. Für den Spielfilm des dänischen Regisseurs Nicolas Winding Refn mag das jedoch gar nichts heißen, außer vielleicht, dass der Streifen etwas abseits des Hollywood üblichen Mainstreams liegt. Und das ist wahrlich keine schlechte Eigenschaft.
Der Driver (fabelhaft gespielt von Ryan Gosling) ist tagsüber als Stunt-Fahrer engagiert. Seine große Stärke dabei ist es, ohne zu murren in die Autos einzusteigen und die gefährlichsten Stunts ohne an jegliche Risiken zu denken, auszuführen. Ist seine Arbeitszeit vorüber, bedeutet das für den Driver noch lange nicht, vom Gas zu gehen. Des Nächtens übt der wortkarge Sympathieträger einen zweiten Job aus: Er fungiert als Chauffeur für diverse Gangster und rast mit seinen Fahrgästen kreuz und quer durch ein schlafendes Los Angeles. Dazwischen schraubt er in einer Werkstatt an Autos herum.
Verhängnisvolle Gefühle
Würden diese Aufgaben wohl die meisten Menschen bereits in Stress oder zumindest Stress-ähnlichen Zustand versetzen, so ist es für den Driver bloßer Alltag ohne jegliche Aufreger. Diese werden erst durch eine Frau in sein Leben gebracht. Die süße Nachbarin Irene (Carey Mulligan) und ihr Sohn Benicio treten plötzlich in das Leben des Fahrers und es beginnt eine zarte, wenngleich unausgelebte Romanze. Und die Gefühle für Irene sind es auch, die dem sonst so standfesten Driver zum Verhängnis werden: Durch einen Coup hilft er, Irenes aus der Haft entlassenen Ehemann von dessen Schulden zu befreien. Doch etwas geht schief und so beginnt eine Hetzjagd durch Los Angeles.
Pokerface im Wandel
Mit Ryan Gosling steht und fällt dieser rasante Film, mit dem der Shooting-Star wohl den vorläufigen Höhepunkt seiner Karriere erreicht. Nicht das Zeigen von Gefühlen oder die Darstellung dieser ist es, die den Driver so interessant machen, sondern das genaue Gegenteil: Sein Pokerface, seine Wortkargheit und das Nicht-Wissen, was dieser Mann gerade denkt oder fühlt. Aber fasziniert gerade die Wandlung beziehungsweise die sich ändernde Wahrnehmung des Zusehers im andauernden Fortlauf des Filmes. Assoziiert man anfangs mit dem Pokergesicht Unsicherheit und Zerbrechlichkeit, so wird man, je länger der Film dauert, eines besseren belehrt.
Überraschungen inklusive
Und gerade diese Wandlungsfähigkeit ist es, die den Film so auszeichnet: Mutet Drive in den ersten Szenen wie ein typischer Wohlfühl-Indie-Streifen an, dessen Ausgang man zu kennen meint, so wird man spätestens ab der Halbzeit vor Überraschung hochschrecken, denn dann mutiert der Film zu einem rasanten Action-Thriller inklusive Slasher-Elementen. Der einzige kleine Wehrmutstropfen ist, dass die Story im Endeffekt allzu konstruiert wirkt. Doch aufgrund der atypischen Haken, die Drive schlägt, den brillanten Schauspielern (neben Gosling auch Bryan Cranston als sein Mentor, Ron Pearlman als Obergangster und Albert Brooks als zwielichtiger Filmproduzent) sowie der eindringlichen musikalischen Untermalung (für den Tonschnitt gab es immerhin eine Oscar-Nominierung), die auf einen Road-Trip durch die Stadt der Engel macht, kann dieses Manko als klitzekleiner Schönheitsfehler abgehakt werden. Fazit: "Drive" hat gar keinen Oscar nötig.
Link: Drive - Website

