ORF-Personalia
Pelinka sagt ab
- Keine ORF-Bewerbung: "Ich ziehe mich von dieser Ausschreibung zurück"

·Sagt Pelinka ab?
Laut Medienbericht soll Niko Pelinka nun doch nicht Büroleiter des ORF werden
·Wrabetz unter Druck
Zentralbetriebsrat droht mit Klage - Keine Stellungnahme vom ORF-Generaldirektor
·Pelinka-Nachfolger fix
Casinos-Austria-Vorstand übernimmt Posten im ORF-Stiftungsrat
·Protest-Video
ZiB-Redaktion veröffentlicht Video gegen hausinterne Personalentscheidungen
Niko Pelinka wird nun doch nicht Büroleiter von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz. Nach wochenlangen Protesten gegen die geplante Postenbesetzung hat der ehemalige Leiter des SPÖ-"Freundeskreises" seine Bewerbung am Donnerstag von sich aus zurückgezogen. Wohin es den 25-Jährigen stattdessen beruflich hinverschlagen wird, war nicht in Erfahrung zu bringen.
Pelinka zog seine Bewerbung um die Büroleitung des Generaldirektors zurück, nachdem die "andauernde öffentliche Debatte über meine Person und meine mögliche Bestellung zum Büroleiter ein Ausmaß erreicht hat, das nicht mehr akzeptabel ist". Sowohl er als auch Wrabetz betonten, sie wollten dem ORF eine Weiterführung der Diskussion nicht zumuten und Schaden für das Ansehen des Hauses abwenden. Wrabetz meinte, "notorische ORF-Gegner" würden versuchen, "die Debatte in eine für den ORF negative Richtung zu lenken" und Pelinka sprach von einem "unwürdigen Theater". Dass er "die falsche Person für diesen Posten" sei, findet Pelinka indes nicht und Wrabetz betonte, dass die Bestellung Pelinkas "ebenso wenig Gegenstand einer parteipolitischen Absprache wie sein nun bekanntgegebener Rückzug" gewesen sei.
Wrabetz nimmt weitere Postenvergaben zurück
Nach der Bekanntgabe von Pelinkas Rückzug nahm Wrabetz nicht nur die Ausschreibung für seine Büroleitung, sondern auch weitere der am 23. Dezember verkündeten Postenvergaben zurück. So will er auf die Dienststelle "Koordination Landesstudios" verzichten, für die der bürgerliche Zentralbetriebs- und Stiftungsrat Robert Ziegler vorgesehen war. Seine Bestellung soll eine Forderung der ÖVP gewesen sein. Ziegler reagierte nicht überrascht und meinte, er sehe ein, "dass nach dieser wochenlangen Diskussion, in die ich meiner Meinung nach ungerechtfertigt hineingezogen worden bin, eine Lösung zu finden war".
Die Bundesländerkoordination soll künftig auf Projektebene weiterverfolgt werden, ebenso wie die für Wrabetz' bisherigen Büroleiter Kurt Reissnegger vorgesehenen Aufgaben"Strategische Planung und medienübergreifende Programmprojekte". Büroleiter bleibt "bis auf weiteres" Reissnegger. Auf die Zukunft des ehemaligen Onlinedirektors und geplanten Vize in der Technischen Direktion, Thomas Prantner, ging Wrabetz in seiner Aussendung am Donnerstag nicht ein.
Redakteure erfreut
Der Redakteursrat sprach nach Pelinkas Rückzug von einer "entscheidenden Stärkung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks", so Vorsitzender Fritz Wendl. Es sei "in den vergangenen vier Wochen gemeinsam mit einer breiten, wachsamen Öffentlichkeit gelungen, die Bedeutung eines wirklich unabhängigen ORF eindrucksvoll zu vermitteln". Nun müsse es auch zu den längst überfälligen Änderungen des ORF-Gesetzes kommen, außerdem dürfe im ORF "ab nun keinerlei, wie immer geartete, Fortsetzung unternehmensschädigender Postenvergabe mehr möglich sein". Die Vorsitzende des ORF-Stiftungsrates, Brigitte Kulovits-Rupp, bezeichnete Pelinkas Rückzug als "vernünftige Entscheidung" und äußerte die Hoffnung, "dass dieser Schritt zur Beruhigung der sehr aufgeheizten Situation beiträgt".
ÖVP: "Unrühmliches Ende einer Tragikomödie"
Häme gab es von ÖVP und FPÖ. ÖVP-Mediensprecher Karlheinz Kopf bezeichnete den Rückzug Pelinkas als "unrühmliches, aber logisches Ende einer Tragikkomödie". Die FPÖ ortete eine "schwere Schlappe für die SPÖ" und meinte, mit dem Rückzug Pelinkas sei "dem Medien-System Faymann-Ostermayer erstmals erfolgreich ein Riegel vorgeschoben worden".
Der Mediensprecher der Grünen, Dieter Brosz, betonte, Alexander Wrabetz hätte nun "eine historische Chance, sich gegen die Personalwünsche der Parteien zu stellen" und solle die öffentliche Debatte dafür nutzen, "um einen Schlussstrich unter politische Tauschgeschäfte zu ziehen". Das BZÖ wies darauf hin, dass es "ein ganzes System infrage zu stellen" gelte und es im ORF viele weitere "schwarze, rote und grüne Pelinkas" gebe.
