Dorotheum-Privatisierung

vonapa/red
Donnerstag, 12. Jänner 2012

Neuer Verdacht aufgetaucht

  • Rätselhafte Bargeldtransporte von Wien nach Vaduz - auf Konto von Grasser?

 

Neue Details zum Korruptionsverdacht bei der Privatisierung des Dorotheums im Jahr 2001 unter dem damaligen Finanzminister Grasser: Die Ermittler rätseln über Bargeldtransporte von Wien nach Liechtenstein ab November 2001 auf ein Konto, das möglicherweise Grasser zugerechnet werden kann. Die Einzahlungen würden den Verdacht nähren, dass bei der Privatisierung illegale Provisionen geflossen sein könnten, schreibt "Format" in einer Vorausmeldung.

Grasser und die anderen Genannten bestreiten, dass damals Provisionen geflossen seien. Es gilt für alle Genannten die Unschuldsvermutung.

Parallelen zum Buwog-Verkauf
Details aus Polizeiberichten zur Einvernahme Grassers und anderer Beteiligter, wie Ernst Karl Plech und Walter Meischberger, zeigten Parallelen zum Buwog-Verkauf auf, so das Magazin. Demnach sei auch bei der Dorotheum-Privatisierung der Abstand der siegreichen Bieter zu den unterlegenen Mitbewerbern gering gewesen. Während das unterlegene Konsortium 950 Mio. Schilling (69,0 Mio. Euro) bot, obsiegte die andere Seite mit 955 Mio. Schilling.

"Meiner Auffassung nach ist das entweder ein Riesenzufall oder weist auf eine Preisabsprache hin", zitiert das Magazin aus der Befragung von Peter Newole, der zur unterlegenen "Valora"-Bietergruppe gehörte. Zu der Bietergruppe habe damals auch Ernst Plech und der Lobbyist Peter Hochegger gehört.

Walter Meischberger habe damals im Verkaufsfinale seine Dienste angeboten und horrende Forderungen gestellt, berichtete Newole laut "Format" als Zeuge der Polizei. Als er dies ablehnte, habe Meischberger das Treffen verlassen.

Verkauf an OneTwo
Meischberger habe auch seiner Gruppe damals Beratungsdienste angeboten, sagt Erwin Soravia zum "Format". Er habe aber seine Dienste nicht in Anspruch genommen. Parallel dazu habe Peter Hochegger damals offenbar bei Martin Ohneberg, Soravias Geschäftspartner, angefragt. Beide betonen, sie hätten nichts an Meischberger, Plech oder Grasser gezahlt. Das staatliche Auktionshaus wurde im September 2001 an die Bietergruppe OneTwoBeteiligungs- und Beratungs-GmbH von Christoph Dichand und Erwin Soravia junior verkauft.

Der Verdacht werde geprüft, ob es um die Weitergabe exklusiver Informationen gegangen sei, schreibt das "Format". Auffällig sind demnach Bargeldeinzahlungen auf ein Konto in Liechtenstein, zu dem im Zusammenhang mit der Buwog-Privatisierung ermittelt wird.

Konto von Grasser?
Laut der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft bestehe der Verdacht, dass dieses Konto Grasser zuzurechnen sei. Auf dieses Konto bei der Hypo Investmentbank Liechtenstein (HIB), auf das auch ein Teil der Buwog-Provision geflossen war, begannen im November 2001 Bargeldeinzahlungen. Bis September 2005 wurden 236.000 Euro eingezahlt. Laut Aussagen von Meischberger habe er das Geld von seinem Privat- bzw. Geschäftskonto abgehoben und einem Mittelsmann übergeben, der das Geld in bar nach Liechtenstein gebracht habe. Dafür gebe es aber keine Beweise, so das Magazin.

Weiterführender Link:
FORMAT.at

12.1.2012 15:49
Autor:apa/red
kirkfrank1, 12. 01. '12 23:22
KHG
wo Skandal draufsteht, ist Grasser drin. Diese Aussage stammt nicht von mir sondern aus der Presse. Wo ich den Typen bei Meinl und der Präsentation der "Produkte" wie Meinl Eurpean Land und dem Schmarren gesehen hat, hatte ich schon ein komisches Gefühl. Und dann später gings ja 'Schlag auf Schlag. Meinl, BUWog, jettzt noch Dorotheum die Liste hat kein Ende...
LandderHämmer, 12. 01. '12 18:42
Mittelsmann
War etwa Grasser sein eigener Mittelsmann. Als Finanzminister hätte sich ja auch ohne Diplomatenpass kein Zöllner getraut, in seinen Koffer zu schauen und zu fragen, woher er das Geld hat. KHG hat ja schon in der Homepage-Affäre gemerkt wie schwer es ist, "Schmiergeld" oder wie man das nennen will, am Fiskus vorbeizuschleusen. Da ist natürlich die Schleuse nach Liechtenstein eine gute Option. Wie wir ja sehen versickert dort das Geld, indem es über weitere Steueroasen-Stationen auf die Reise geschickt wird, bis keiner mehr weiß, woher es kommt und wem es gehört. Für solche herrenlosen Gelder würde ich mein Bankkonto zur Verfügung stellen.
brabus, 12. 01. '12 17:38
Privatisierungen in der Ära Schüssel / Grasser
Jetzt wo immer mehr Puzzleteile zusammengefügt werden kann man eine Gemeinsamkeit erkennen: das Volksvermögen (Besitz bzw Anteile des Staates) wurden offensichtlich zu sehr schlechten Bedingungen verkauft da der Bieter Wettbewerb aufgrund von Informationsflüssen durch die sogenannten Berater eingeschränkt wurde und darüber hinaus vermutlich auch noch Zahlungen für dieses Insiderwissen geflossen sind. Alles in Allem eine Riesenschweinerei die ihres Gleichen sucht. Der Steuerzahler kann daher von den Gerichten erwarten dass diese sich auch mit dem Verlust für den Staat beschäftigen um festzustellen, wieviel mehr eigentlich die Privatisierung der Staatskassa hätte bringen können um unseren Schuldenstand zu reduzieren und die Verursacher zur Zahlung dieser Differenzbeträge verurteilt werden.
LandderHämmer, 12. 01. '12 18:21
Re: Privatisierungen in der Ära Schüssel / Grasser
Auch wenn die Unschuldsvermutung auch für die größten Gauner gilt, weiß ich, dass das nicht mit ehrlicher Arbeit verdiente Vermögen des Herrn Grasser nicht ausreichen würde um den Schaden, den die Republik in seiner Amtszeit erlitten hat, wieder gutzumachen. Und mit "Tütenkleben" würde sein Leben nicht ausreichen. Das, was hier in letzter Zeit über diesen Sumpf berichtet wird, ist meistens mehrere Monate alt. Ich frage mich, wie lange wollen die ermittelnden Behörden noch zuwarten? Vielleicht bis die feinen Herren in Österreich über kein Vermögen mehr verfügen? Haben die Herren schon einmal von einem Sicherstellungsauftrag, Fluchtgefahr, Verdunkelungsgefahr gehört?