ORF-Streit um Niko Pelinka
Plädoyer für mehr Sachlichkeit
- ORF-Kommunikationschef: "ORF so frei wie schon lange nicht"

·Aufstand im ORF
Personalpaket sieht Posten vor, die es nicht gibt - Redakteure drohen mit Klagen
·"Gar nicht versuchen"
Kommentar von NEWS-Chefredakteur Peter Pelinka zum Streit um Niko Pelinka.
ORF-Kommunikationschef Martin Biedermann, ehemaliger Büroleiter von Alexander Wrabetz, plädiert in NEWS für weniger Scheinheiligkeit in der Debatte.
Vorab zwei Feststellungen, die in der aktuellen Debatte von ORFinternen wie -externen Kritikern zugestanden werden und offenbar unstrittig sind. Erstens: Der ORF ist in Sachen Objektivität und Unabhängigkeit unter GD Wrabetz so frei wie schon lange nicht. Zweitens: Der ORF-Generaldirektor hat das Recht, sich seinen Büroleiter höchstpersönlich auszuwählen.
Die aktuelle Debatte rankt sich somit primär um Symbole (junger gelackter Partei-Schnösel), Befürchtungen (Büroleiter greift in Berichterstattung ein), Mutmaßungen (Wrabetz wurde erpresst) und Unterstellungen (Pelinka nicht qualifiziert), die allesamt nicht fair und nicht belegt sind und darüber hinaus jeglicher empirischer Erfahrung im Wrabetz-ORF zuwiderlaufen.
Ich war selbst Büroleiter bei Alexander Wrabetz und weiß daher, dass die Mythen, die jetzt rund um diesen Job gesponnen werden, nichts mit der Realität zu tun haben. Es ist eine Assistenten- Funktion mit 14-Stunden- Arbeitstagen und Zuarbeit für den Chef ohne Entscheidungskompetenzen. Ich kenne Niko Pelinka und bin überzeugt, dass er dieser Funktion absolut gewachsen ist. Ich kenne Alexander Wrabetz und weiß, was er von einem Büroleiter erwartet und dass es seine Idee und sein Wunsch waren, Niko Pelinka in sein Büro zu holen.
Der scheinheiligste Aspekt dieser ORF-Debatte sind wohl die Krokodilstränen mancher Zeitungen und kommerzieller deutscher TVKonzerne, die, wenn sie sich nicht gerade um uns sorgen, eifrig an der Demontage des ORF arbeiten. Diese Konkurrenz-Medien führen den größten Teil der Debatte über den ORF, womit der öffentliche Diskurs zu einem Zerrbild wird.
Nicht nur der ORF, auch sein Aufsichtsgremium, der Stiftungsrat, wird dieser Tage diskreditiert. Auch dazu ein Wort: In diesem Gremium sitzen zahlreiche hochrangige ExpertInnen, die persönlich für ihre Entscheidungen haften. Es findet eine professionelle Auseinandersetzung mit komplexen betriebswirtschaftlichen und rechtlichen Materien statt.
Über Verbesserungen der Corporate-Governance-Richtlinien kann und soll man immer nachdenken. Eine pauschale Verunglimpfung des ORF wie auch seines Aufsichtsgremiums beschädigt aber die Institution öffentlich-rechtlicher Rundfunk und ist einer konstruktiven Debatte sicher nicht zuträglich.
Ich appelliere, sich an die Fakten und vor allem an die Erfahrungen der vergangenen Jahre zu halten und der Geschäftsführung Wrabetz II sowie den Führungskräften und JournalistInnen des ORF den Vertrauensvorschuss zu geben, den sie sich wohl verdient haben.
