Chef-Etage

vonEva Rohrhofer, Markus Leeb, Tatjana Duffek, Stephan Scoppetta
Donnerstag, 12. Jänner 2012

Wirtschaft wird weiblich

  • Österreich braucht mehr weibliche Führungskräfte. Aufstiegschancen so gut wie nie.

 

In den letzten zwanzig Jahren hat sich das weibliche Rollenbild stark verändert. Frauen verfügen mittlerweile über das gleiche Bildungsniveau wie Männer. Immer mehr Frauen, vor allem Mütter, sind berufstätig. Eine stetig wachsende Anzahl an Machtpositionen ist mit Frauen besetzt. Die derzeitige, von Männern geprägte Wirtschaftskultur neigt sich dem Ende zu.

Der Ruf nach mehr Frauen an der Spitze tönt schon lange. Nun wird er auch unter Männern laut: Österreichs Top- Manager wünschen sich mehr weibliche Kollegen an ihrer Seite. Die Aufstiegschancen für Frauen sind so gut wie nie. Christoph Leitl, Präsident der Wirtschaftskammer Österreich, fordert: „Das weibliche Potenzial soll nicht brachliegen. Ich sage den Frauen: Wir brauchen euch, besonders für Führungspositionen. Stellt euch zur Verfügung.“

„Megatrend“ Frauen
Angesichts des Status quo in Österreichs Führungsgremien kommt diese Aufforderung genau richtig. Denn das Management der 200 größten heimischen Unternehmen war 2011 nur zu 4,4 Prozent weiblich. Das bedeutet im Vergleich zu 2010 einen Rückgang um etwa einen Prozentpunkt. In den Aufsichtsräten ist nur jeder zehnte Sitz mit einer Frau besetzt.



Noch sind Frauen die eindeutige Minderheit in Führungsetagen. „Doch die Tendenz ist stark steigend“, beobachtet Gerald Steger, Boss der internationalen café+co- Gruppe, auch im eigenen Unternehmen. „Nur die Leistung ist entscheidend, ob jemand eine Führungsposition erlangt. Das Geschlecht ist kein Grund, einen Unterschied zu machen“, erklärt Steger. Familiäre Erfahrung sieht er als möglichen Vorteil: „Wer eine Familie gut managen kann, der hat die nötigen sozialen Kompetenzen für eine Führungsposition.“

Zukunftsforscher Matthias Horx widmet dem „Megatrend Frauen“ in seinem neuen Buch „Das Megatrend-Prinzip. Wie die Welt von morgen entsteht“ gar ein eigenes Kapitel. „Megatrends – so auch der Mega trend Frauen – sind langfristige Veränderungen, die sich über Jahrzehnte hinweg in eine Richtung bewegen. Dazwischen kann es aber auch Unterbrechungen geben“, so Horx. Irgendwann sei der Sättigungspunkt erreicht. „Dann kippt das System. In diesem Fall die von Männern dominierte Macht- und Wirtschaftskultur.“

Der Industrielle Hannes Androsch bestätigt den Frauen- Trend voll und ganz, wurden doch in seinem global erfolgreichen Leiterplattenkonzern AT&S erst vergangenes Jahr zwei Frauen neu in den Aufsichtsrat geholt. Androsch ortet aber noch Verbesserungsbedarf. „Wir brauchen ein flächendeckendes Angebot von Ganztagsschulen und ganztägigen Vorschulen, damit mehr Frauen, die Kinder haben, Karriere machen können. Wir hinken hier anderen Industriestaaten hinterher“, bemerkt der engagierte Industrielle.

Karrierehindernisse
Dass es nur schleppend voranund manchmal auch zurückgeht, ist nach wie vor auf Karrierehemmnisse zurückzuführen, die speziell Frauen am Aufstieg hindern. „Kinderbetreuung ist für Männer kein Thema. Pflege- und Karenzurlaube werden fast nur von Frauen in Anspruch genommen“, bringt es Sozialwissenschaftler Rainer Münz auf den Punkt.

Die ganze Geschichte lesen Sie ab Donnerstag im neuen NEWS 02/12

12.1.2012 07:02
Autor:Eva Rohrhofer, Markus Leeb, Tatjana Duffek, Stephan Scoppetta
Lisa2388, 08. 02. '12 21:36
Karriere ?
Christoph Leitl:" Wir brauchen euch, besonders für Führungspositionen. Stellt euch zur Verfügung.“
Also ich weiß nicht, aber Karriere ist nicht alles und soweit ich das von den Eltern meiner Freunde und Freundinnen, die Karriere gemacht haben, mitbekomme, ist deren Leben nicht wirklich erstrebenswert. Man/frau sollte sich diese Schritte doch sehr gut überlegen, denn mancher Schritt nach vorn, kann ein Schuß nach hinten sein. Vor allem die über 50jährigen Führungskräfte werden meiner Beobachtung nach oft (ungewollt) in den Vorruhestand und die Selbstständigkeit gedrängt. In einem Fall hat eine Führungskraft keinen Job am Wohnort mehr gefunden und arbeitet 350km weit weg und das mit 6jährigem Sohn, der massiv leidet.http://www.profil.at/articles/1202/574/316508/elfriede-hammerl-rampensau
Seneca22, 24. 01. '12 21:42
Halbe - Halbe gesetzlich festlegen !
Gesetzliche Festlegung der "operativen Verpflichtungen" aus der Obsorge im Verhältnis der im Dienstvertrag festgelegten Arbeitszeit (also "Halbe/Halbe für Haushalt und Kinderbetreuung") wäre ein Ansatz....
Vielfach beobachte ich, dass das höhere Einkommen des Mannes dessen stärkere Beteiligung an unbezahlter Tätigkeit im Rahmen der Kinderobsorge und /oder Haushaltstätigkeit zu hemmen scheint;