Raucher-Debatte
Es wird weiter gequalmt
- Österreichische Nichtraucherschützer schimpfen auf den Gesetzgeber

·Verbot wirkungslos
Vor allem in Clubs und Konzerthallen schert sich kaum jemand um die Einhaltung
·Kampf den Tschik
Straßenumfrage: Was sagen die Österreicher zu den geplanten strengen EU-Gesetzen?
·Bedenken trotz Schutz
NEWS: Sozialmediziner Kunze befürchtet stärkere Schädigung der Raucher
·"Ja" zu Raucherabteil
NEWS.AT-Umfrage: Mehrheit der User hat nichts gegen das Qualmen im Zug
"Das Tabakgesetz ist in weiten Teilen gescheitert." So lautet das Fazit von Robert Rockenbauer, Leiter der Österreichischen Schutzgemeinschaft für Nichtraucher. Laut Rockebauer verstoßen immer noch 80 Prozent der Wirte von Mehrraumlokalen gegen die Vorgaben. "Schuld daran hat einmal mehr der Gesetzgeber".
Das seit 2009 bestehende Tabakschutzgesetz bringt die Köpfe der Nichtraucherschützer auch 2012 zum Rauchen. Das geltende Gesetz ist dem Leiter der Schutzgemeinschaft zufolge eine "typisch österreichische Lösung und war von Anfang an zum Scheitern verurteilt". Statt einer "gerechten Lösung, Rauchverbot für alle Lokale, haben wir jetzt ein Wirrwarr, mit dem weder Wirte, Raucher noch Nichtraucher zufrieden sein können", kritisierte der Leiter der Schutzgemeinschaft. Dabei wäre der Nutzen eines generellen Verbotes für das Gesundheitssystem und auch für die Gastronomie "riesig".
Zu lasches Gesetz und ignorante Wirte
Doch nicht nur, dass das Gesetz zu lasch sei, es wird Rockenbauer zufolge von den Wirten auch weitestgehend ignoriert. Der Hauptraum in Mehrraumlokalen sei vielfach immer noch die Raucherzone zusätzlich seien die Türen zwischen den beiden Bereichen fast immer offen. "Von Nichtraucherschutz kann keine Rede sein", ärgerte sich Rockenbauer. Der Gesetzgeber sollte den Wirten genau vorschreiben, wie ein Raucherraum auszusehen haben soll, nämlich "mit Unterdruck, automatischen Türschließer und eigenem Belüftungssystem".
Konsequenter Schutz gefordert
Ausweg aus der Misere liegt der Schutzgemeinschaft zufolge nur in einem Tabakgesetz mit einem "konsequenten und ausnahmslosen Nichtraucherschutz". Dieses könnte auch wesentlich leichter kontrolliert werden, als das derzeit bestehende. "Dazu braucht es keine umständlichen Verwaltungsstrafen durch die Behörde, sondern eine einfach Kontrolle durch die Polizei, die eine Zuwiderhandlung sofort mit einem Bußgeld - wie beim Falschparken - ahnden soll", forderte Rockenbauer. Die Kontrolle müsse zudem zu hundert Prozent der Staat übernehmen, anstatt sie - "wie bisher" - der Bevölkerung aufzubürden.
Ihre Forderungen unterstrich die Schutzgemeinschaft mit drei Studien, die in Wien und Graz durchgeführt worden sind. Dabei waren in Hauptstadt der Steiermark 77 Prozent von Gästen in Lokalen mit dem Gesetz unzufrieden, 62 Prozent forderten ein generelles Rauchverbot. In Wien waren 58 Prozent unzufrieden und 51 Prozent sprachen sich für eine Verbannung des blauen Dunstes aus. "Die höhere Zustimmungsrate in der Steiermark hängt mit der geringeren Raucherquote und dem höheren Prozentsatz von Personen zusammen, denen bewusst ist, dass ihnen Tabakrauch gesundheitliche Probleme macht", so Manfred Neuberger, Facharzt für Hygiene und Präventivmedizin.
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