Oper
Muti triumphiert in Rom
- Der Maestro aus Neapel begeistert mit Salzburger "Macbeth"
Da glaubt man, eine Aufführung sei an Qualität nicht einzuholen und dann wird man wenige Monate später eines Besseren belehrt. So geschehen in Rom zum Saisonbeginn der Opernsaison.
Riccardo Muti hatte in Salzburg mit Verdis Macbeth fulminant vom Opernbetrieb an der Salzach nach vier Jahrzehnte langem Wirken Abschied genommen. Im Triumph eröffnete er mit der nämlichen Produktion die Saison der Oper in Rom. Alle sieben Abende waren mehrfach überbucht. Das Haus nahe der Piazza della Repubblica war wochenlang im Ausnahmezustand.
Mit seinem Dirigat hatte Muti in Salzburg die Wiener Philharmoniker zur Höchstleistung geführt. Archaik, Präzision, Feinklang, Schärfe ergänzten die Bilder, die Peter Stein für die Felsenreitschule geschaffen hatte. Die Wiener zeigten sich als Verdi-Orchester in Vollendung.
Und nun dasselbe Schauspiel in Rom, nur mit geänderter Besetzung. Im Graben das Orchester der Römer Oper. Welche Urgewalt drang da hervor. Spannungsgeladen wurde da musiziert, der Klangkörper, eine Einheit. Gewaltige Bläser, sanfte Pianissimi bei den Stpetreichern, atemberaubend und präzise. Unvergleichlich innig, authentisch das Patria Opressa!.
Und auf der Bühne dominiert in Peter Steins auf die kleinere Bühne des Opernhauses angepasster Regie die Russin Tatiana Serjan als Lady Macbeth. Sie zeigte bereits in Salzburg mit ihrem mezzo-gefärbten Sopran, dass sie heute in dieser Partie nicht zu übertreffen ist.
Der junge Tenor Dario Solari aus Uruguay fällt durch seine gute Stimmführung auf. Antonio Poli (Macduff) besticht durch seinen klaren Tenor. Eine denkwürdige Aufführung, ein Fest für Verdi.
Bei der sechsten Vorstellung ehrte das Haus seinen Maestro. Zum tosenden Schlussapplaus senkte sich ein Transparent mit der Aufschrift: Maestro Muti, questo teatro ti amo auf die Bühne. Muti wurde mit dem goldenen Schlüssel und dem Titel direttore onore a vita (Ehrendirigent auf Lebenszeit) geehrt.
Bereits im Mai hatte der Maestro im NEWS-Interview (NEWS " Nr. 30/11 vom 28.07.2011) angekündigt, Oper werde ich nur noch in Rom und konzertant mit meinem Orchester in Chicago dirigieren.
Wir vermissen ihn hier schon jetzt. Im Mai aber folgt in Rom Verdis Attila.
