Ägypten
Wird ElBaradei Premier?
- Druck auf Militär verschärft sich: Friedensnobelpreisträger will Übergangsregierung führen

·Neuer Übergangspremier
Ex-Ministerpräsident Kamal Ganzouri wurde mit Regierungsbildung beauftragt
·Wahl-Verschiebung?
Innenminister erwägt Verschiebung der Parlamentswahl. Militär schließt das aus.
·Es reicht nicht!
Trotz Zugeständnissen des herrschenden Militärrats gehen die Proteste weiter
·Tödliche Proteste
33 Menschen sterben bei Zusammenstößen. Regierung reicht Rücktritt ein.
In Ägypten hat Präsidentschaftskandidat ElBaradei angeboten, eine Übergangsregierung zu führen. Damit wird der Druck auf das Militär weiter verschärft, gegen dessen Herrschaft sich heftiger Protest regt. Der Ex-Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEO kündigte an, seine Präsidentschaftskandidatur fallenzulassen, falls er mit der Führung einer Regierung der nationalen Einheit beauftragt werde.
In Gesprächen mit Gegnern des Militärs sei die Bildung einer Übergangsregierung bis zu Präsidentschaftswahlen als einzig gangbarer Weg aus der Krise genannt worden, erklärte das Wahlkampfteam des Friedensnobelpreisträgers. Die Präsidentschaftswahlen sind bis Ende Juni geplant.
Besondere Vollmachten gefordert
ElBaradei hatte sich zuvor mit dem Chef der Militärrates, Hussein Tantawi, getroffen. ElBaradei sei aber nur unter der Bedingung bereit, dass seine Regierung mit besonderen Vollmachten ausgestattet werde, um die Übergangsphase zu überstehen, wieder für Sicherheit zu sorgen, die Wirtschaft anzukurbeln und die "Ziele der ägyptischen Revolution umzusetzen". Bereits Anfang der Woche war aus ägyptischen Armeekreisen mitgeteilt worden, dass der Militärrat erwäge, ElBaradei zum neuen Regierungschef zu ernennen. Demnach steht aber auch der frühere Muslimbruder Abdel Monem Abul Fotuh für das Amt zur Debatte.
ElBaradei demonstriert mit
Am Freitag beteiligte sich ElBaradei an der Demonstration auf dem Tahrir-Platz in Kairo, bei der zehntausende Menschen den sofortigen Rücktritt des Militärrates und die Aufarbeitung des gewaltsamen Vorgehens der Sicherheitskräfte gegen die Proteste gefordert hatten. Er erschien mit einer ägyptischen Fahne um die Schultern zum Freitagsgebet.
Erneute Zusammenstöße
Kurz vor dem für Montag angesetztem Beginn der Parlamentswahlen kam es erneut zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Die Demonstranten kritisieren, dass der Übergang zur Demokratie und einer zivilen Regierung zu schleppend vorangehe. Bei Straßenschlachten mit den Sicherheitskräften sind in den vergangenen Tagen mehr als 40 Menschen getötet worden. Der langjährige Machthaber Mubarak war im Februar in einem Volksaufstand gestürzt worden. Seitdem führt der Militärrat das Land. Die Parlamentswahlen dürften sich über mehrere Wochen hinziehen.
