Theater-Premiere
"Peter Pan" im Burgtheater
- Rothaut, Feenstaub und Johnny Depp: Das Märchen von der ewigen Kindheit
"Peter Pan" - das ist das Märchen von der ewigen Kindheit, vom frechen Zauber der Fantasie, vom aufmüpfigen, aufregenden Kick des Abenteuers. Das Wiener Burgtheater hat die kultige Geschichte von James Matthew Barrie nun als hübsche, aber ziemlich brave Vorweihnachts-Familienunterhaltung auf die große Bühne gebracht. Bei der Premiere ließ sich das junge und nicht mehr ganz junge Publikum dennoch gern mitnehmen nach Nimmerland - und spendete Rothaut, Feenstaub und dem Johnny Depp-Imitat Captain Hook kräftig Beifall.
Immer wenn ein Kind aufhört an Feen zu glauben, dann stirbt irgendwo eine - so eine der bekannten Thesen aus "Peter Pan".
Zauberhafte Mavie Hörbiger
Tinkerbell, seine eigene Haus- und Hoffee, ist allerdings quicklebendig, schimpft in holländischem Kauderwelsch vor sich hin und kann dermaßen cholerisch werden, dass Tütü und Seidenflügel nur so schlackern. Eine zauberhafte Mavie Hörbiger wütete sich in der zierlichen Feenrolle gleich von Anfang an in die Publikumsgunst. Sie ist mit Peter ins Hause Darling gereist, um seinen Schatten wieder einzufangen - doch dann nehmen die beiden auch gleich die beiden Kinder der Darlings, Wendy und Mike, mit ins Nimmerland.
Verdrehtes Nimmerland mit viel Liebe zum Detail
Piraten und Indianer, verlorene Kinder ohne Eltern, fantasiertes, fantastisches Essen, lässige Nixen, die am Todesfelsen ein Sonnenbad nehmen, winzige Schlafkabinen mit funkelnden Lustern, vergiftete Smarties-Torten und erbarmungslose Polsterschlachten: Das verdrehte Nimmerland hat Bernhard Kleber auf eine Drehbühne gesetzt, die Regisseurin Annette Raffalt mit viel Originaltreue bespielt. Dabei hätte man bei so viel Huldigung an die Imagination doch manche überholte Fantasielosigkeit durchaus sparen können: den schwarz angefärbelten Slightly bei Truppe der lustigen Kids zum Beispiel oder die wiederum rotangemalten Indianer, die in Karl May-Indianerdeutsch Kriegssprüche klopfen.
Captain Hook orientiert sich an James Sparrow
An anderen, moderneren Stereotypen orientiert sich Dietmar König als Captain Hook: Seine Captain-Sparrow-Perücke ist nicht die einzige Referenz an den berühmten Filmkollegen, auch in Körpersprache und exaltiertem Wesen gemahnt er durchaus an das Vorbild - auch wenn er betont, früher "viel bekannter als Johnny Depp" gewesen zu sein. Neben der biederen Wendy (Liliane Amuat) und dem harmlosen Dauerspringingkerl Peter (Markus Meyer) kann Hook freilich ohnehin mit Charakter punkten - und seine Szenen motivieren das kindliche Publikum mit der linken Hakenhand zum fröhlichen Einwerfen und Zwischenrufen.
Vorweihnachtszeit kann kommen
Am Ende will man dann aber doch nicht für immer ein Kind bleiben. Und so kehren Wendy und Mike, aber auch die ganze Bande der verlorenen Kinder - Sven Dolinski, Simon Kirsch, Simon Harlan und Marie Nest - ins warme elterliche Heim zurück, wo sie gleich alle abdiziert, apportiert oder doch adoptiert werden. Papa (Hans Dieter Knebel) wartet in der Hundehütte, Mama (Petra Morze) hat das Fenster weit offen gelassen. "Die beste Mama der Welt". Die Vorweihnachtszeit kann kommen.
