Causa Bawag
Luxusurlaub statt Häf'n
- Ex-Generaldirektor Zwettler vom Gericht als "vollzugsuntauglich" eingestuft. Aber ...
Johann Zwettler, einst Generaldirektor der Bawag, wurde im Prozess zur Bawag-Affäre zu fünf Jahren Haft verurteilt. Im Dezember des Vorjahres musste sich auch der Oberste Gerichtshof mit dem Fall befassen: Dabei wurde die von der ersten Instanz gegen Zwettler ausgesprochene Dauer der Haftstrafe bestätigt - während bei den meisten anderen Angeklagten die Urteile aufgehoben wurden.
Einzig: Johann Zwettler musste nie in Haft. Im Mai 2011 wurde bekannt, dass er haftunfähig sei. Sein Anwalt hatte zuvor einen Antrag auf "Vollzugsuntauglichkeit gestellt, das Gericht hatte daraufhin zwei Sachverständige aus den Bereichen Orthopädie und Neurologie bestellt. Deren Gutachten bescheinigen Zwettler nun, gesundheitlich schwer angeschlagen zu sein. Deshalb wurde der 70-Jährige als vorübergehend vollzugsuntauglich eingestuft, wie Christian Gneist, der Sprecher des Wiener Straflandesgerichts, heute bekannt gab. Endgültig ist diese Entscheidung nicht, im Jänner 2012 muss sich der 70-Jährige einer Nachkontrolle unterziehen.
Luxusurlaub in Amalfi
Umso mehr erstaunt folgende Sichtung im Flieger von Wien nach Neapel am Samstag, 1. Oktober: An Bord befand sich Exbanker Zwettler, der am 27. September seinen 70. Geburtstag gefeiert hatte. Schon damals war aus seinem Umfeld zu hören, dass ein Italienurlaub anstehe. Am 2. Oktober 2011 wurde der haftunfähige Banker dann im Luxushotel "Il San Pietro di Positano gesichtet - und auch gleich fotografiert.
Das "San Pietro ist ein Fünf-Sterne-plus-Hotel an der Amalfiküste und gilt als die Nobelunterkunft schlechthin. Das Luxushotel, Mitglied der noblen Vereinigung "Relais & Châteaux, kann sich jedenfalls nicht jeder leisten. Das günstigste Zimmer (25 bis 30 Quadratmeter) kostet schlappe 550 Euro pro Nacht, Zimmer mit Terrasse und Meerblick schlagen mit wohlfeilen 1.450 Euro pro Nacht zu Buche. Die exklusive Anlage verfügt über eine atemberaubende Terrasse, die zum Teil in den Fels geschlagen wurde, einen großzügigen Pool, einen eigenen Tennisplatz, zwei Luxusrestaurants und bietet Fahrten mit dem eigenen Motorboot an. Einen detaillierten Überblick über die Annehmlichkeiten verschafft die Webpage www.ilsanpietro.it.
Günstig ist die Angelegenheit in keinem Fall: Schon der Konsum eines einzigen Campari-Soda kostet 13,50 Euro.
Wie haftunfähig ist Zwettler?
Der krankheitsbedingt von Haft verschonte Ex-Banker erweckte während seines Urlaubs keineswegs den Eindruck bemitleidenswerter Vollzugsunfähigkeit: In Badehose und Bademantel genoss er die Annehmlichkeiten des "Il San Pietro in vollen Zügen - sehr zum Ärger anderer anwesender Österreicher, die Zwettlers Vorgeschichte kannten.

