Anonymous

vonB. Kellhofer, C. Milborn
Donnerstag, 6. Oktober 2011

AnonAustria im Online-Interview

  • NEWS: Web-Aktivisten sprechen über Datensicherheit, die aktuellen Fälle und ihre Ziele

 

Die Internet-Gruppe Anonymous beherrscht seit Wochen durch Hacker-Attacken und Datenklaus die Schlagzeilen. Die Angriffe auf österreichische Institutionen waren der letzte Höhepunkt ihrer Aktivitäten. NEWS fand die Web-Aktivisten von Anonymous Austria und führte – natürlich online – ein Gespräch über Datensicherheit, die aktuellen Fälle und die Ziele des Kollektivs.

NEWS: Wer sind Sie im realen Leben?
Anonymous: Wir sind alle. Schüler, Taxifahrer, Angestellte, Polizisten, Politiker. Anonymous ist überall.

NEWS: Im Ernst? Polizisten machen auch bei Anonymous mit?
Anonymous: Ja. Jeder Österreicher kann Anonymous sein. Darum lässt sich die Zahl schwer abschätzen. Im öffentlichen Chat hat sich die Anzahl der Teilnehmer bei 15 bis 25 eingependelt. Über das, was im Hintergrund läuft, möchten wir nicht sprechen. Außerdem gibt es viele Anons, die im realen Leben auf der Straße ihren Beitrag leisten. Einige wollen die Welt verändern, andere sind aus Spaß dabei, weil sie es können.

NEWS: Was sind die Ziele der Bewegung?
Anonymous: Grundsätzliche Ziele sind Meinungs-, Presse- und Informationsfreiheit. Auf diesen baut alles andere auf wie der Kampf gegen Korruption, Überwachung und Unterdrückung durch staatliche Institutionen.

NEWS: Das Motto „Wir vergessen nicht, wir verzeihen nicht“ klingt nach schwerer Drohung.
Anonymous: Als Drohung müssen das nur jene auffassen, die Entscheidungen gegen den Willen des Volkes treffen. Es ist eher ein Hinweis darauf, dass wir immer und überall präsent sind. Im Grunde genommen gibt es keine Grenzen. Jeder muss selbst entscheiden wie weit er gehen will.

NEWS: Zu den aktuellen Fällen: War es schwierig, an die Daten von Polizei und Krankenkasse zu kommen?
Anonymous: Da wir nicht aktiv in die Systeme eingedrungen sind, können wir das nicht beurteilen. Im Fall der Tiroler Gebietskrankenkasse haben wir die Daten zufällig und für jeden verfügbar auf einem Filehoster entdeckt.

NEWS: Sie haben vier Institutionen bloßgestellt. Was läuft in Österreich mit dem Datenschutz schief?
Anonymous: Es gibt kein Bewusstsein, dass Daten äußerst sensibel sind und in den falschen Händen Schaden anrichten können. Es gibt unsichere Systeme, in denen nahezu jede Information über einen Menschen an einem zentralen Punkt gespeichert wird. Das ist die Vorgangsweise totalitärer Überwachungsstaaten. Erst wenn die Sammelwut aufhört und keine Daten mehr gespeichert werden, sind sie sicher.

Das ganze Interview und alle Informationen zu der Internetaktivisten-Gruppe Anonymous lesen Sie im neuen NEWS (Nr. 40 / 2011)!

6.10.2011 07:03
Autor:B. Kellhofer, C. Milborn
brabus, 06. 10. '11 14:15
Datenschutz ?
Größtenteils ein Fremdwort, insbesonders bei öffentlichen Stellen (wo der fünfte in der Reihe hinter einem noch mitbekommt, was der Beamte am Schalter lauthals von sich gibt), am Bankschalter, am Schalter bei Ärzten, usw.
Der Grund dafür ist einfach erklärt: der Arbeitgeber legt keinen Wert auf eine fundierte Schulung des Arbeitnehmers im Umgang mit personenbezogenen Daten, ob nun sensible (zB sexuelle Vorlieben, Krankheiten) oder weniger sensible Daten (Name und Telefonnummer). Und die wenigsten investieren in einen entsprechenden Datenschutz für ihre Computer (da gibts Leute, die bringen ihren Datenstick von zuhause in die Firma mit und stecken ihn an den PC an um Daten rauf oder runter zu laden, inklusive möglicher Viren und Trojaner, die dann den Hackern 'von innen' die Tür öffnen.