Terror in Norwegen

vonapa/red
Freitag, 12. August 2011

Polizei nicht erreichbar

  • Attentäter Breivik versuchte mehrmals vergeblich mit der Exekutive zu telefonieren

 

Der Attentäter von Norwegen, Anders Behring Breivik, hat nach eigenen Angaben zehnmal bei der Polizei angerufen, als er auf der Ferieninsel Utöya 69 Teilnehmer eines Jugendlagers erschoss. Breviks Anwalt Geir Lippestad berichtete der Zeitung "Aftenposten" von entsprechenden Aussagen seines Mandanten. Breivik hat demnach vor seiner Verhaftung bei der Polizei angerufen, um sich zu ergeben. Er sei aber nur zweimal durchgekommen.

Breivik wollte laut Lippestad eine Bestätigung, dass die Polizei seine Kapitulation annehmen würde. Während er auf einen Rückruf wartete, habe er nicht geschossen. Diese Aussage wird möglicherweise von Aussagen von Überlebenden unterstützt. Sie hatten berichtet, dass Breivik für kurze Zeit das Feuer einstellte.

Breivik habe "darüber nachgedacht, Selbstmord zu begehen oder mit seiner "Operation" weiterzumachen, und entschied sich, bis zum Eintreffen der Polizei fortzufahren", berichtete Lippestad. Der Attentäter wollte nicht von der Polizei erschossen werden. Ein Polizeisprecher sagte, es gebe eine Aufzeichnung von einem Anruf Breiviks. Er konnte aber nicht bestätigen, dass es weitere Anrufe gab.

Beginn der Auswertung
Ministerpräsident Jens Stoltenberg gab am Freitag die Namen der Mitglieder einer Kommission zur Untersuchung der Vorfälle vom 22. Juli bekannt. Die zehn Kommissionsmitglieder sollen "alle relevanten Aspekte untersuchen und Fakten auf den Tisch bringen", sagte Stoltenberg.

Regierungschef Jens Stoltenberg erklärte am Freitag, für die Betroffenen stellten sich zahlreiche Fragen, die beantwortet werden müssten. "Für sie ist es entscheidend, eine Antwort zu bekommen auf die Fragen: Was ist passiert? Und warum konnte das passieren?" sagte Stoltenberg.

Für sein Land sei es wichtig, diese Fragen zu klären. "Wir müssen die Lehren aus diesen terroristischen Angriffen ziehen. Das Ziel ist es, dass sich das nicht wiederholen kann, das Ziel ist mehr Sicherheit", sagte der Regierungschef. Es müsse ein Bild entstehen von allen Dingen, die um die Ereignisse des 22. Juli herum gut funktionierten, "aber auch von dem, was nicht funktioniert hat, ohne Ausflüchte".

Fahrlässsigkeit bei der Exekutive?
Die Polizei steht in der Kritik, weil nach dem ersten Hilferuf mehr als eine Stunde verging, bis ein Einsatzteam auf der rund 40 Kilometer nördlich von Oslo gelegenen Insel Utöya eintraf. Auch kam in den Medien die Frage auf, weshalb Behring Breivik nicht im Voraus als potenzieller Attentäter von den Ermittlungsbehörden identifiziert werden konnte.

Die Kommission, die von der Regierung nicht Untersuchungs-, sondern Auswertungskommission genannt wird, wird von der Juristin Alexandra Bech Gjoerv geleitet. Sie soll ihre Arbeit am 10. August kommenden Jahres beenden.

12.8.2011 16:08
Autor:apa/red