Anschläge in Norwegen
Österreich trauert mit
- Norwegens Botschafter in Wien: "Wir spüren die Solidarität hier sehr stark"
·Breivik entging dem Tod
Polizei: Schießbefehl wurde in allerletzter Sekunde wieder zurückgenommen
·"Vollkommen böse"
Geheimdienst: Ist ein zurechnungsfähiger Mensch - Keine Hinweise auf Mittäter
·Mission beginnt erst
Norwegen-Attentäter Breivik will im Gefängnis "Kreuzritter-Bewegung" gründen
·Breivik war bekannt
Norwegischer Geheimdienst wurde schon im März auf Breivik aufmerksam
·Horror auf der Insel
Überlebende berichten von Utöya: "Ich glaubte, ich sei die einzige Überlebende"
·Breivik: "Nicht schuldig"
Haftprüfung: Acht Wochen U-Haft verhängt - hatte der Attentäter Komplizen?
Vor der norwegischen Botschaft herrscht Stille. Friedhofskerzen leuchten, Blumen sind an das Außentor gelehnt, Briefe hinzugefügt. "Liebe ist stärker als Hass" ist auf einem zu lesen. Österreich nimmt Anteil nach den blutigen Attentaten in Norwegen. Anders Behring Breivik hat mindestens 76 Menschen getötet. Die norwegische Seele konnte er durch seine Horrortat aber nicht verletzen. "Ganz im Gegenteil", sagt der norwegische Botschafter in Österreich, Jan Petersen.
Norwegen präsentiert sich gerne offen - keine Zäune, unbenutzte Schlösser. Der norwegische Vertreter in Österreich möchte sich von dem Attentäter nicht in seinen Grundfesten erschüttern lassen: "Ich glaube, die norwegische Seele wurde eher gestärkt. Wir sind stärker in unserem Glauben und in unseren grundlegenden Werten, als wir es jemals waren."
Schlange vor Kondolenzbuch
Ohne Unterlass strömen Menschen in die Botschaft, um ihrer Bestürzung und Trauer durch einen Eintrag im Kondolenzbuch Ausdruck zu verleihen. "Dafür brauche ich keinen Bezug zu Norwegen. Es war mir ein großes Bedürfnis, meine Gedanken niederzuschreiben", erzählt uns eine Mitfühlende mit Tränen in den Augen. Neben Wienern und Touristen machen auch immer wieder schwarze Limousinen mit der Kennzeichen-Endung "WD" Halt vor dem Gebäude in der Reisnerstrasse im 3. Wiener Gemeindebezirk. "Für uns als Vertretung hier war es wichtig, den Norwegern unser tiefes Mitgefühl auszusprechen, weil es eine sehr tragische Attacke, ein unaussprechliches Unglück war", so ein Vertreter der liechtensteinischen Botschaft.
"Wir bekommen zahlreiche Anrufe, e-Mails, viele Blumen und Kerzen wurden vor der Botschaft und meiner Residenz abgelegt. Die Schlange vor dem Kondolenzbuch nimmt kein Ende. Sowohl die Norweger hierzulande, als auch viele Österreicher fühlen sich zum Teil als Norweger. Wir spüren die Solidarität hier sehr stark", so der Botschafter.
Warum kam die Polizei so spät?
Ein Detail macht den Norwegern besonders zu schaffen und sorgt für große Fragezeichen: Warum hat von kurz nach 17 Uhr bis 18.27 Uhr gedauert, bis die Einsatzkräfte bei dem Jugendcamp der Sozialdemokraten angekommen sind? Jan Petersen: "Ich möchte von hier aus in Wien sitzend nicht verurteilen. Aber wir sollten daran denken, dass die Entfernungen in Norwegen sehr weit sind. Außerdem war das ein sehr spezieller Einsatz, für den man die Experten der Polizei gebraucht hat. Die Insel Utöya, die der zweite Schauplatz war, ist weit vom Stadtzentrum Oslo entfernt."
"Man konnte es nicht vorhersehen"
Von strengeren Gesetzen oder mehr Überwachung hält er - wie Bundespräsident Heinz Fischer - nicht viel: "Das ist die selbe Reaktion wie jene in Norwegen. Aber niemand möchte in einem Polizeistaat leben. Es ist einfach unglaublich schwer, sich vor solch einem Menschen zu schützen. Breiviks Vorgeschichte lässt ihn wie einen gesetzestreuen Mitbürger aussehen. Es sieht so aus, als hätte es keine Möglichkeit gegeben, es zu verhindern. Meinen Informationen nach war er ein 'einsamer Wolf', hat versucht nach den Gesetzen zu leben und genau das macht es so angsteinflößend - das so ein Mann plötzlich so eine Tat begehen kann."
Lehren für Österreich
Jan Peterson möchte keinen Bezug zur österreichischen Innenpolitik aufgrund der Anschläge in seinem Heimatland herstellen: "Ich richte sicher nicht über die politische Szene in Österreich. Wir haben mehr als genug damit zu tun, mit der Katastrophe zuhause in Norwegen zurechtzukommen."
Das Kondolenzbuch liegt in der Norwegischen Botschaft bis einschließlich Freitag, 29. Juli bis 15.00 Uhr auf.
www.norwegen.or.at/
