Nach Anschlägen
"Gibt es auch bei uns"
- Internet-Forensiker und Polizist Uwe Sailer über Norwegen und die Gefahr in Österreich

Hätte man einen Attentäter wie Anders Behring Breivik hierzulande schon früher gefangen? Internet-Forensiker und Polizist Uwe Sailer spricht im NEWS-Interview über Täterfahndung im Web und welche Probleme dabei auftreten. Außerdem verrät er, dass es Typen wie den 32-jährigen Norweger auch in Österreich gibt. Und zwar Dutzende Male ...
NEWS: Was muss getan werden, um Taten wie jene in Norwegen schon im Vorfeld zu erkennen?
UWE SAILER: Viel. Sehr viel. Die Kontrolle von auffälligen Personen im Internet muss so intensiv werden wie physische Patrouillengänge der Polizei. Außerdem müssen sich gefährdete Staaten logistisch zusammenschließen, sozusagen ein IT-Netzwerk bilden.
NEWS: Schöne Worte, aber wer macht das?
SAILER: Die von der Innenministerin geforderten 300 Beamten sind das absolute Minimum. Ein Anfang. Aber die müssten übermorgen zu arbeiten anfangen.
NEWS: Woher nehmen? Man kann doch nicht einfach Streifenpolizisten umschulen.
SAILER: Das ist das nächste Problem. Es ja nicht nur eine eigene IT-Ausbildung nötig. Diese Leute sollten alle Vollprofis auf höchstem Level sein: Sie müssen hochanalytisch denken können, sich sozial in die Szene oder die Täter hineinempfinden und auch noch perfekt ihr Idiom beherrschen. Die Gruppen, vor allem die deutschsprachigen, haben sozusagen alle eine eigene Codesprache, die man erkennen muss. Die Amerikaner nennen diese Arbeit computerbased social engeneering, kurz CBSE. Wer diese Technik beherrscht, kommt über jede Firewall und schafft es, an die Tätergruppen und deren Schnittstellen heranzukommen.
NEWS: Sie waren ja schon erfolgreich im Kampf gegen die Nazi-Seite alpen-donauinfo.
SAILER: Das ist ein gutes Beispiel, wenn auch mit einem weniger großen Gefahrenpotenzial. Aber auch die haben ihre eigenen Sprachformen, die nicht immer erkennbar sind.
NEWS: Ein reines Filterprogramm zur Auffindung solcher Seiten reicht nicht?
SAILER: Nein. Letztlich muss bei der Fahndung immer noch der Mensch selbst ran. Der neugierige Polizist, Fahnder, Staatsbürger. Es muss einen Zusammenschluss der Intelligenten und Vernünftigen geben. Nur so geht das.
NEWS: Wer kann da herangezogen werden?
SAILER: Verschiedene Gruppen. Ich habe auch kein Problem, in Bezug auf rechtsextremen Terror mit den Leuten von der Antifa zusammenzuarbeiten. Manchmal ergeben sich ganz nützliche Synergien für die Fahndung.
NEWS: Gibt es in Österreich Menschen mit dem Profil des norwegischen Attentäters?
SAILER: Ich sage Ihnen: Solche Typen kommen auch in Österreich vor. Wahrscheinlich Dutzende Male
Weitere Infos zum Terror in Norwegen lesen Sie im aktuellen NEWS 30/11
