Anschläge in Norwegen
"Stark und mächtig"
- Die renommierte Psychiaterin Adeldheid Kastner spricht über Anders Behring Breivik

·"Vollkommen böse"
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Sie hat Josef F. untersucht, jetzt ist Anders Behring Breivik dran - die Linzer Psychiaterin Adelheid Kastner spricht im NEWS-Interview über den Geisteszustand des Attentäters von Norwegen, seine Motive und seine Ideen.
NEWS: Frau Dr. Kastner welche Eindrücke haben Sie von Anders Breivik?
ADELHEID KASTNER: Klar scheint, dass der Mann ein hochgradig abnormes Seelenleben haben und diese Persönlichkeitsstörung der Grund für sein grauenhaftes Verbrechen sein dürfte. Denn eine Idee kann keine Tat verüben sondern immer nur der Mensch, der eine böse Idee hat.
NEWS: Eine böse Idee, die irgendwann sein Denken und damit auch sein Handeln völlig in Beschlag nimmt?
KASTNER: Einem Delikt wie jenem, das Breivik verübte, geht in der Regel eine jahre-, wenn nicht jahrzehntelange Geschichte voraus. Da sind zuerst kleine, vielleicht sogar nicht genau definierte Wutgefühle, die mit der Zeit zum Fanatismus führen. Der schließlich in einem echten Wahn enden kann.
NEWS: Sie gehen also davon aus, dass der Täter geisteskrank ist?
KASTNER: Die Vermutung liegt nahe. Auch aufgrund seines jetzigen Verhaltens.
NEWS: Wie fühlt er sich nun?
KASTNER: Ich nehme an stark und mächtig; und überzeugt, das Richtige getan zu haben.
NEWS: Also empfindet er auch kein Mitleid für seine Opfer?
KASTNER: Seine Idee steht über dem Leid, das er anrichtete.
NEWS: Seine Idee ist ein abstruses Konglomerat aus diversen Botschaften, die man großteils aus dem rechtsextremen Eck kennt.
KASTNER: Anders Breivik hat sich über einen langen Zeitraum hinweg eine Welt zurechtgezimmert, in der alles, was er für bedeutend hielt, bedeutend war. Bewusst vermied er deshalb, mit anderen Menschen in Kommunikation zu treten. Niemand da, der ihm Fragen stellte. Niemand da, dem er Antworten geben musste. Außer sich selbst.
NEWS: Wird es den Tag geben, an dem Anders Breivik erkennt, dass er ein verabscheuungswürdiges Verbrechen begangen hat?
KASTNER: Nein, das glaube ich nicht. Denn er ist schon viel zu festgefahren in seinen absurden Fantasiekonstrukten, als dass es für ihn jemals noch ein Umdenken geben könnte. Bis an sein Lebensende wird er also an dem Gedanken, ein großes Werk vollbracht zu haben, festhalten.
Weitere Infos zum Terror in Norwegen lesen Sie im aktuellen NEWS 30/11
