"Sky Go" im Praxis-Test: Mobiles Pay-TV ambitioniert, aber noch nicht flexibel genug
- Gute Bedienung stößt auf lizenzrechtliche Grenzen
- So schlägt sich Sky für PC, Tablet und Smartphone

Die Zeiten von TV-Zuschauern als reine Couch-Potatoes sind vorbei: Zumindest wenn man Pay-TV-Anbieter Sky Glauben schenken will. "Sky Go" heißt sein neues Zauberwort, das seit Anfang April in Form eines Zusatzdienstes für bestehende Kunden angeboten wird und eine Auswahl an Sky-Inhalten auch auf PC, Tablet und Smartphone betrachten lässt. 3, 2, 1, Go? NEWS.at hat das neue Angebot genauer unter die Lupe genommen.
Wozu eigentlich "Go"? Der Grundgedanke ist eigentlich ganz einfach: Man hat nicht immer die Zeit, zu einem bestimmten Zeitpunkt daheim vor der Flimmerkiste zu sitzen. Lässt sich das Versäumen eines Films vielleicht noch kompensieren, ist der Zug bei Live-Events meist endgültig abgefahren. Denn eine Aufzeichnung hat in letzterem Fall meist nur halb so viel Charme wie "in Echtzeit" um Tore, Meter und Sekunden mitzufiebern. Daher der Lösungsansatz, Inhalte von Sky auch auf mobilen Endgeräten ubiquitär wahrnehmen zu können.
Mit dem "Sky Go"-Abo kann man bis zu vier weitere Endgeräte registrieren. Neben PC werden derzeit iPhone und iPad unterstützt, weitere mobile Endgeräte (etwa Android-Geräte in Kooperation mit Samsung) sollen künftig nachfolgen. Zusätzlich zum Haupt-Abonnement können also auf bis zu vier Geräten gleichzeitig und unabhängig voneinander Inhalte von Sky genutzt werden.
Beschränktes Angebot
Der neue Dienst ist aber (noch) nicht als 1:1-Umsetzung eines Hauptabos zu verstehen. Zum einen kann "Sky Go" für 12 Euro pro Monat - wie vorhin bereits angedeutet - nur zusätzlich zu einem bestehenden Haupt-Abo angemeldet werden. Zum anderen ist aus lizenzrechtlichen Gründen nicht der komplette Umfang an Inhalten verfügbar.
Unterm Strich ist das für Sportbegeisterte eine gute und für Cineasten eine eher schlechte Nachricht: Identisch mit dem normalen Programm am TV sind nämlich nur die Sportkanäle Sky Sport Austria, Sky Sport 1 und 2 sowie deren HD-Pendants (sofern HD auch im Hauptabo enthalten ist). Sky Cinema hingegen läuft derzeit weder am iPad noch auf dem iPhone, lediglich am PC besteht die Möglichkeit, auf eine - von fixen Anfangszeiten befreite - Mediathek aus rund 170 aktuellen und laufend wechselnden Filmen zuzugreifen.
Die Ubiquität des Angebots ist aber selbst unter diesen Vorzeichen noch mit Vorsicht zu genießen. Zwar lässt sich Sky auf diese Art und Weise durchaus von zuhause entkoppeln, allerdings nicht über die Grenzen von Österreich und Deutschland hinaus. Wer also gehofft hat, sich im Urlaub auf den Malediven via iPad und "Sky Go" künftig ein Champions League Spiel anschauen zu können, hat sich geschnitten. Selbst bei der Unterscheidung von 3G- und WLAN-Empfang greifen gewisse Einschränkungen. So lässt sich etwa HD-Qualität am iPad/iPhone lediglich via WLAN empfangen. Ohne Hotspot schaut man dann unterwegs "nur" in herkömmlicher Auflösung TV.
Web-Mediathek am PC
Die Umsetzung von "Sky Go" für die unterschiedlichen Plattformen ist recht durchwachsen gestaltet. Absolut vorbildlich gelungen ist zunächst die browserbasierte Umsetzung am PC. Alles was man dafür braucht, ist eine Version von Internet Explorer (ab 6.0), von Firefox (ab 3.0) oder von Safari (ab 3.0) sowie das Silverlight-Plugin von Microsoft für die Videowiedergabe. Die Bildqualität hängt von der verfügbaren Bandbreite ab und passt sich in mehreren Stufen an. Mit einer Internetanbindung von UPC war im Test vereinzelt ein Wechseln zwischen besagten Auflösungsstufen erkennbar, es bewegte sich aber für einen Stream durchwegs auf hohem bis sehr hohem Niveau.
Die Web-Mediathek bot nicht nur ein reichhaltiges Programm aus Live-Sport, jederzeit abrufbaren Sport-Magazinen und aktuellen Filmhighlights. Auch die Nutzerführung und die Schnittstelle zu sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook erfeuten mit einer annähernd lückenlosen Umsetzung. Beschweren kann man sich eigentlich nur über den Umstand, sich vor jeder Nutzung immer wieder neu einloggen zu müssen, obwohl die Funktion zum Speichern der Zugangsdaten an sich vorhanden ist. Das gilt im übrigen meistens auch für die iPad- bzw. iPad-Apps, kann aber als Jammern auf hohem Niveau betrachtet werden.
Nur mit iPad wirklich mobil, Nachholbedarf für iPhone
Weniger solide zeigt sich "Sky Go" von seiner App-Seite. Das liegt einerseits daran, dass derzeit nur das Sportangebot für iPhone und iPad verfügbar ist. Andererseits kämpfte insbesondere die iPhone-App im Test mit regelmäßigen Abstürzen und einer Bildqualität, die gelinge gesagt ein dauerhaftes TV-Vergnügen für unterwegs noch erheblich erschwert. Hier besteht definitiv Nachholbedarf, der via künftigem Update aber kein großes Problem darstellen sollte.
So unausgereift die iPhone-Version noch sein mag, so stabil und responsiv erwies sich dann im Test die App am iPad 2. Vermutlich dürfte hier der Umstand mitspielen, dass "Sky Go" mit dem neuen Apple-Tablet ein wesentlich potenterer Hardware-Partner an der Seite steht. Doch auch hier ein kleines Manko: Die Übertragung via Digital AV Adapter auf einen Fernseher wurde softwareseitig verwehrt. Auf direkte Nachfrage bei Sky hieß es dazu, dass dies aus lizenzrechtlichen Gründen ebenfalls nicht möglich sei. Natürlich würde dies aber auch die Option seitens Sky obsolet machen, für die Wiedergabe auf einem zweiten TV-Gerät einen weiteren Receiver samt Smartcard anzubieten.
NEWS.at-FAZIT
Sky Go stellt unterm Strich zweifelsohne eine willkommene Ergänzung zum bestehenden Angebot des TV-Unternehmens dar. Unterwegs punktet der Service am iPad mit guter bis sehr guter Qualität und auch dessen intuitiv bedienbare App lässt auf den ersten Blick keine Wünsche offen. Insbesondere Sportbegeisterte dürften aufgrund des entsprechend fokussierten Angebots hier voll auf ihre Kosten kommen. Der neue Dienst hat aber auch noch viel Luft nach oben: So wäre es wünschenswert, wenn in absehbarer Zukunft die recht absturzanfällige iPhone-App ein stabilisierendes Update erhält und lizenzrechtliche Beschränkungen generell ein wenig aufgelockert werden könnten. Für zusätzliche 12 Euro pro Monat, die dieser Mobilitäts-Bonus kostet, kann man sich die kontinuierliche Verbesserung des Dienstes auch durchaus erwarten. Die Umsetzung für den PC skizziert ja bereits sehr überzeugend, wie es gehen kann.
(Benjamin Brandtner)
