Samstag, 9. April 2011

iPad 2 im TEST von NEWS.at: Die Schönheit kommt beim Nachfolger vor allem von innen

  • Neuer Prozessor dient Tablet als Performance-Turbo
  • Mangelhafte Auflösung beider Kameras enttäuscht

 

Gerade erst einmal erschienen und schon vergriffen: Wer dieser Tage mit einem iPad 2 liebäugelt, muss sich zwei bis drei Wochen gedulden. Für ein Gerät, das zwischen 480 und 800 Euro kostet, ist das eine stolze Wartezeit. Aber zahlt sich das Warten wenigstens aus? NEWS.at konnte sich von Apple ein neues Exemplar ausleihen und hat es genauer unter die Lupe genommen.

Die erste augenscheinliche Neuerung mag nebensächlich sein, wird vom Testexemplar aber unweigerlich ausgestrahlt: Das neue iPad gibt es jetzt auch mit weißem Rahmen. Juhu. Die Farbalternative unterstreicht optisch aber durchaus die schlankere Bauform der Revision. Das iPad 2 ist mit 8,8 Millimetern um 33 Prozent dünner und mit maximal 613 Gramm bis zu 15 Prozent leichter als sein Vorgänger. Im Direktvergleich erwies sich das subtil angenehmer, aber eben nur minimal wahrnehmbar. In Kombination mit dem neuen Faltcover (separat erhältlich) schrumpfte das Gefühl des geringen Unterschieds dementsprechend stärker zusammen.

Zwei Augen und dennoch fast blind
Auch bereits äußerlich erkennbar ist die neue Kamera-Funktionalität. An der Rückseite befindet sich links oben das von iPhone und iPod bereits bekannte "Auge", auch an der Front befindet sich mittig eine kleine Kamera. Mit einer effektiven Auflösung von nicht einmal einem Megapixel (1280x720 Pixel rückseitig, 640x480 Pixel vorderseitig) lässt die Bildqualität aber sehr stark zu wünschen übrig. Für Videotelefonie über WLAN mag das gerade noch akzeptabel sein. Bilder und Videos aufzunehmen sind trotz praktischer Software wie beispielsweise der Videobearbeitung iMovie aber bestenfalls ein witziges Gimmick und auf Dauer leider alles andere als ein wirkliches Vergnügen. Schade.

USB? Fehlanzeige. HDMI? Bitte zur Kasse!
Sowohl Ein- und Ausgänge als auch Möglichkeiten zur Erweiterung lassen sich an einer Hand abzählen. Hier "punktet" das neue iPad nach wie vor lediglich mit Kopfhörerausgang, Dockanschluss und bei den höherwertigen "WiFi + 3G"-Modellen mit einem Einschub für SIM-Karten. USB-Port bleibt weiterhin genauso tabu wie ein Slot für Speicherkarten. Wenigstens kann man schon HDMI nachrüsten, das lässt sich Apple via Adapter allerdings gleich 40 Euro kosten. Einen detaillierten Überblick über die Ausstattung der erhältlichen Modelle finden Sie übrigens hier.

Mit Vollgas gegen die (Konsolen-)Konkurrenz
Der mit Abstand größte und deutlich spürbare Unterschied zum Vorgänger macht sich in der Verwendung eines neuen Prozessors bemerkbar. Hinter der Eigenkreation A5 steckt eine Recheneinheit mit zwei Kernen, die mit einem Gigahertz getaktet ist und das Gerät hinsichtlich Navigationstempo und "Abarbeiten" von Apps zu neuen Höchstleistungen beflügelt.

Ob die Performance - wie Apple behauptet - wirklich neun Mal höher ist als am alten iPad, konnte in der Praxis natürlich nicht exakt nachgemessen werden. Fakt ist aber: In Kombination mit dem intuitiven Betriebssystem iOS 4.3 überzeugt das iPad 2 für mobile Verhältnisse mit rasender Geschwindigkeit. Internetsurfen auf der Couch oder unterwegs geht jedenfalls mit selten zuvor gesehener Leichtigkeit von der Hand. Manchmal ist man sogar dazu geneigt, den Umstand zu verdrängen, dass Flash von Apple immer noch nicht unterstützt werden will.

Der potentere Zweikern-Prozessor machte sich auch deutlich an ersten Apps bemerkbar, die die neue Hardware schon auszureizen wissen. So beeindruckten etwa die Spiele Dead Space oder Real Racing 2 HD mit einer audiovisuellen Präsentation wie sie sonst eigentlich eher nur Standkonsolen zuzuschreiben wäre. Es scheint so, als würde Apple die Gelegenheit immer stärker wahrnehmen, über Minigames hinaus eine ernsthafte Spiele-Plattform etablieren zu wollen. Mit dem iPad 2 wurde diesbezüglich eine starke Basis geschaffen und definitiv ein höherer Gang eingelegt. Fehlt nur noch ein optionaler Controller zum Anstöpseln.

Umso erstaunlicher ist es, dass die Akkulaufzeit nicht darunter gelitten hat: Nach wie vor lässt sich das iPad über 10 Stunden lang betreiben, ohne wieder an die Steckdose zu müssen. Diesbezüglich kann sich die Konkurrenz noch ein großes Stück abschneiden.

NEWS.at-FAZIT
Das iPad ist tot, hoch lebe das iPad 2. Ob man will oder nicht. Mit dem neuen Zweikern-Prozessor lässt sich das auch sinnvoll argumentieren: Die spürbar schnellere Navigation fügt sich perfekt in das kanalisierte Betriebssystem ein und erste speziell zugeschnittene Apps zaubern Grafiken auf den Bildschirm, die man in der Form nur von Konsolen oder Desktop-PCs gewohnt ist. Das war es dann aber streng genommen auch schon mit den Neuerungen: Die kompaktere Bauform und damit einhergehend das geringere Gewicht unterscheidet sich minimal vom Vorgänger. Die Kamera-Funktionalität ist bestenfalls für grobe Schnappschüsse geeignet und auch am Display wurde nicht ein Pixel geändert.

Wer ein altes iPad besitzt, versäumt somit je nach User-Gewohnheiten recht wenig bis gar nichts. Alle anderen sollten sich wie beim Vorgänger lediglich die Frage stellen, ob sie ein Tablet wirklich schon brauchen oder nicht. Das derzeit beste Gesamtpaket am Markt bietet das iPad 2 als solches nämlich nach wie vor. Trotz vorhandener Defizite.

(Benjamin Brandtner)

9.4.2011 14:49
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