Soziale Unzufriedenheit in Ägypten wächst:
Arbeiter und Land-Bevölkerung erheben sich
- USA verstärken ihren Druck auf Präsident Mubarak
- Weißes Haus fordert "reale, konkrete Fortschritte"
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Die Proteste in Ägypten beschränken sich mittlerweile nicht nur auf die Städte, auch am Land wächst der Unmut der Bevölkerung über das bestehende Regime. Armut und Arbeitslosigkeit schüren die Unzufriedenheit der zumeist mittellosen Provinzbewohner. Aber nicht nur am Land, in den Staatsbetrieben erhebt sich das Volk ebenfalls. In den letzten Tagen kam es zu zahlreichen Streiks und Aufständen der Arbeiter. Neben der politischen steigt auch die soziale Unzufriedenheit in der Bevölkerung. Die USA verstärken unterdessen ihren Druck auf Mubarak und äußern ihren Unmut über das Tempo des demokratischen Wandels in Ägypten immer lauter.
Washington pocht auf konkrete Schritte: Einen klaren Zeit- und Fahrplan mit dem Ziel von freien Wahlen, eine größere Beteiligung von Bürgergruppen bei den Gesprächen mit der Regierung und ein Ende des Ausnahmezustandes. Es sei klar, dass die bisherigen Schritte Kairos "erst noch die Minimalforderungen des ägyptischen Volkes erfüllen müssen", erklärte Regierungssprecher Robert Gibbs.
USA fordern "reale, konkrete Fortschritte"
Gibbs forderte die Regierung von Präsident Hosni Mubarak zu "realen, konkreten Schritten" auf. Der beste Weg dazu sei, wenn Suleiman Umfang und Breite der Gespräche mit denjenigen ausdehne, die derzeit nicht an der Macht seien. Hohe Beamte von Weißem Haus und Außenministerium sagten in einem Briefing am Mittwoch dazu, dass "Gruppen, die man als Teil der Zivilgesellschaft bezeichnen kann, bisher am Tisch nicht vertreten waren". Die Muslimbruderschaft, mit der die US-Regierung keinen Kontakt habe, sei Teil des Prozesses, "aber nur ein Teil".
Weitere Schritte, die Washington von Kairo erwarte, seien die Aufhebung des Ausnahmezustandes sowie Verfassungsänderungen, die den Weg zu freien und fairen Wahlen ebneten, sagte Gibbs. "Bisher sind bestimmte Zusagen gemacht worden. Ihnen müssen unmittelbare Schritte folgen", mahnte Ben Rhodes, stellvertretender Nationaler Sicherheitsberater der USA. Er machte erneut klar, dass Washington die Dinge nicht "diktieren" könne. Die US-Regierung mache sich aber für Prinzipien wie die Wahrung universeller Rechte stark.
Proteste auch in Provinzen
Die Proteste in Ägypten weiten sich unterdessen aus, der Ruf nach Wandel wird lauter: Weit entfernt vom Tahrir-Platz in Kairo und jenseits der Stadtgrenzen der Millionen-Metropole fordert auch die Landbevölkerung das Ende des Herrschaftssystems von Hosni Mubarak. Dabei tragen Internet und Satellitenfernsehen die Bilder des Protestes in die entlegensten Gegenden des Landes und stärken damit die Oppositionsbewegung auch in der Provinz.
"Die Revolution ist gut", sagt etwa Landwirt Fausi Abdel Wahab, der zusammen mit seiner Frau auf einem Feld im Nildelta nahe der Stadt Tanta steht. Allerdings sollten die Demonstranten der Führung um Mubarak nun auch Zeit für die Umsetzung der versprochenen Reformen lassen. "Wenn der Präsident im Herbst dann wirklich nicht gehen sollte wie versprochen, dann gibt es ja immer noch den Tahrir-Platz. Die Jugend wird nicht sterben, sie kann dann wieder auf die Straße ziehen."
Unruhen: Viele junge Ägypter sind arbeitslos
Obwohl die Armut besonders in den ländlichen Gebieten groß ist, galt die Bevölkerung dort lange Zeit als Verfechter des Status Quo und damit als Anhänger von Mubarak. Doch dies scheint sich nun zu ändern. "Ich will, dass Mubarak geht. Dieses ganze korrupte System muss weg", sagt der 25-jährige Arbeitslose Mohamed Sabaie vor den Toren von Tanta. Zwei Drittel der ägyptischen Bevölkerung sind unter 30 Jahre alt. Viele von ihnen suchen verzweifelt nach Arbeit.
Soziale Unzufriedenheit wächst
Die soziale Unzufriedenheit wächst jedoch auch unter jenen, die Arbeit haben. Immer mehr Menschen fordern bessere Löhne und Arbeitsbedingungen. Tausende Angestellte der Sueskanal-Behörde streikten vor der Konzernzentrale in Ismailia.
(apa/red)
