Das Politik-Jahr

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14.12.2010 16:42

Ein Typ wie Fischer? "Das wäre arrogant" -
Der Bundespräsident im NEWS.at-Interview

  • Arbeitsessen mit Frau Rosenkranz? "Nicht realistisch"
  • Heinz Fischer über das Heer, "Krone" und Nichtwählen

"Kein Land ist so dumm", schiebt Heinz Fischer Überlegungen, das Amt des Bundespräsidenten abzuschaffen, einen Riegel vor. Im NEWS.at-Interview spricht Fischer zudem über die angeblich mangelnde politische Bildung der österreichischen Jugendlichen, ein mögliches Arbeitsessen mit seiner Kontrahentin Barbara Rosenkranz und warum er vor einer Zeitung wie der "Krone" nicht auf den Bauch fällt.

Laut einer kürzlich veröffentlichten Umfrage halten Jugendliche die Eröffnung des Opernballs für die Hauptaufgabe des Bundespräsidenten. Besorgt Sie das?
Fischer: Wie diese Antwort in dieses Sample hineingerutscht ist, kann ich mir nicht erklären. Von meinen Kontakten mit Jugendlichen weiß ich, dass eine ganz große Zahl von ihnen politisch durchaus gut informiert ist und über das Amt des Bundespräsidenten natürlich Bescheid weiß.

Ob sie jetzt viel über Ihr Amt wissen oder nicht: Unter Jugendlichen genießen Sie großes Ansehen. Der SPÖ, aus der Sie stammen, gehen hingegen mehr und mehr junge Wähler an die FPÖ verloren. Fehlt den Sozialdemokraten ein Typ wie Heinz Fischer?
Fischer: Ich glaube, dass die politischen Parteien eine Vielzahl von Persönlichkeiten haben. Zu sagen, es fehlt ein Typ wie ich, wäre arrogant. Aber auch in meiner Zeit, in der Zeit, in der Bruno Kreisky eine führende Figur war, war es so, dass gerade junge Menschen ihn und seine Erfahrung geschätzt haben, während das unter Gleichaltrigen vielleicht nicht so der Fall war.

Zuletzt sorgte eine TV-Reportage über zwei junge Neonazis für Aufregung. Haben Sie sie gesehen?
Fischer: Nein, aber ich habe die Diskussion darüber verfolgt. Es ist eine eigenartige Geschichte.

Stimmt. Laut FPÖ haben die zwei einen „Sieg Heil“-Sager bei den Sendungsaufnahmen getätigt, was aber offensichtlich nicht der Fall war. Ihnen selbst kam der Sager 1989 im Parlament über die Lippen, als sie eine Rede des freiheitlichen Abgeordneten Siegfried Dillersberger damit quittierten. Wie kam es dazu?
Fischer: Ich wollte eine bestimmte Mentalität, die sich eines bestimmten Vokabulars bedient hat, als „Sieg Heil“-Mentalität entlarven. Das habe ich in einem kurzen Zwischenruf getan und es ist damals auch richtig verstanden worden, nämlich als Kritik am Nationalsozialismus. Jetzt ist es als Wahlkampfthema ausgegraben worden. Da kann man eigentlich nur mehr darüber lachen.

Bedauern Sie die Schärfe der Aussage?
Fischer: Das war eine Notwehr-Reaktion in einer scharfen Parlamentsdebatte, die fundamental gegen das Dritte Reich gerichtet war und auch heute noch gilt.

Lesen Sie auf der folgenden Seite, was Heinz Fischer von der besorgniserregenden Situation beim Bundesheer, Bündnissen mit Zeitungen und von einem Arbeitsessen mit Barbara Rosenkranz hält.

14.12.2010 16:42
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